Das Rad bekommt eine Hauptrolle

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Anja Tamm, die Mobilitätsmanagerin der Stadt Gmünd, fährt selber mit dem Fahrrad zur Arbeit - und hat den Job, gute Bedingungen für mehr Radverkehr in Gmünd zu schaffen.
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Wie in und um Gmünd die Bedingungen für Radfahrer verbessert werden sollen – und warum das wichtig ist für die Zukunft. Ein Gespräch mit Mobilitätsmanagerin Anja Tamm.

Schwäbisch Gmünd

Platzsparend, klimafreundlich und gesund: Auch in Gmünd soll das Fahrrad als Verkehrsmittel wichtiger werden. Die städtische Mobilitätsmanagerin Anja Tamm sagt, wie das gelingen soll, was Radfahrern besonders wichtig ist - und warum Gmünd nicht mit Aalen mithalten kann.

Note 4,17 für Gmünd: Nicht mal für eine glatte Vier hat es gereicht. Mit der Note 4,17 steht Gmünd in der Städterangliste relativ weit hinten – zumindest im aktuellen Fahrradklimatest des Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC). Ist das aussagekräftig – oder einseitiger, übertreibender Rad-Lobbyismus? Sie nehme den Fahrradklimatest ernst, sagt Anja Tamm. „Ich denke, dass da auch berechtigte Kritik geäußert wird, es ist wichtig, dass es dieses Stimmungsbild gibt.“ Der Test und seine Ergebnisse sind auch für Tamms weitere Arbeit von Bedeutung: „“Wir sehen uns das genau an und schauen, wo arbeiten wir gerade dran - und wo muss man noch ansetzen.“

Baustellen und Parken: Zwei Punkte, die Radfahrern sehr wichtig sind - nicht nur in Gmünd, sondern in der gesamten Studie. Die Wegführung für Radler an Baustellen sei noch zu oft an Autofahrern orientiert, findet Anja Tamm, „das Rad wird an manchen Stellen nicht so bedacht“. Dauerthema sind parkende Hindernisse. „Dass auf Radschutzstreifen, auf Rad- und Gehwegen geparkt wird, sehe ich immer wieder, das ärgert mich manchmal.“

Freude und Sicherheit: „Radfahren muss man attraktiver machen, das muss Spaß machen.“ Und das habe mit einem „gewissen Sicherheitsgefühl zu tun“, sagt die Mobilitätsmanagerin. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt“. Dass Sicherheit im Grunde das Kernanliegen der Radfahrer ist, belegt auch der ADFC-Test.

Der knappe Raum: ...ist Problem Nummer eins in Gmünd. „Wir sind nicht Paris, wo man einfach zwei Spuren raus nimmt“, sagt Tamm. An vielen Stellen gibt es zu wenig Platz, um für Radler alles zu machen, was wünschenswert ist. Ein Beispiel sind Radschutzstreifen. „An der Oberbettringer Straße reicht der Platz nicht für zwei Streifen, darum haben wir uns entschieden, wenigstens bergauf einen anzulegen“, sagt Tamm.

Warum Aalen vorauseilt: Es liegt am Gmünder Problem Nummer zwei: dem Geld. Eine Stadt, die 2021 mit einer Neuverschuldung von rund 30 Millionen Euro planen muss, kann sich einen großen Wurf für den Radverkehr eher nicht leisten. Mit Aalen wird Schwäbisch Gmünd mit ziemlicher Sicherheit nicht mithalten können. 20 Millionen Euro sollen dort in den nächsten zehn Jahren in den Radverkehr investiert werden, 300 einzelne Maßnahmen sind geplant. „Das halte ich hier im Moment für utopisch“, sagt Tamm.

Die Datenlage: ..ist das Gmünder Problem Nummer drei, aber eine Lösung ist in Sicht. Daten zum Radverkehr in Gmünd gibt es von 2012, die sind schlicht veraltet. Derzeit läuft eine Verkehrserhebung, um unter anderem die Anteile der Verkehrsmittel in der Stadt aktuell zu kennen. Bis Herbst hofft Tamm die Studie vorliegen zu haben.

Wie es in Gmünd dennoch vorangehen soll: „Wir haben noch eine große Wegstrecke vor uns“, sagt Mobilitätsmanagerin Anja Tamm, wenn sie über den Radverkehr in Gmünd urteilen soll. „Wir müssen Förderungen anzapfen, da gibt es Quoten von 50, teilweise 60 bis 75 Prozent.“

Eine wichtige Strategie in Gmünd: „Man muss Alternativrouten anbieten, auf denen eine Fahrt vielleicht zwei, drei Minuten länger dauert, man sich aber deutlich sicherer fühlt.“ Das geht auch durch sogenannte Fahrradstraßen. Das sind Straßen, in denen das Rad Vorrang hat, es gilt Tempo 30, Autos können durch Zusatzschilder erlaubt werden.

Die Vernetzung: Als Mobilitätsmanagerin kümmert sich Anja Tamm um mehr als nur den Radverkehr. Themen für die nächsten Jahre seien auch Carsharing, das Thema Regiorad und „ein weiterer Ausbau von Mobilitätsstationen“. Viel gewinnen und viele Nutzer gewinnen, so hofft Tamm, kann man durch Verknüpfung von Rad, Bus, Bahn, „so, dass der Umstieg sehr attraktiv ist“. Das Rad spiele beim Klimaschutz in Sachen Mobilität dabei eine Hauptrolle.

Der Radverkehr spielt eine entscheidende Rolle für die Verkehrswende.“

Anja Tamm, Mobilitätsmanagerin

Gmünd liegt in der Rangliste 36 Plätze hinter Aalen

Die Managerin: Anja Tamm ist seit November 2019 Mobilitätsmanagerin der Stadt Gmünd. Tamm wohnt in Großdeinbach, wenn sie in die Stadt fährt, nimmt sie meist das Rad. Es ist ein Pedelec, das macht auf dem Heimweg den steilen Anstieg im Taubental erträglich.

Der Radklima-Test: Der ADFC-Fahrradklimatest ist keine repräsentative Umfrage, aber ein bundesweites Stimmungsbarometer, an dem sich 2020 rund 230 000 Menschen beteiligt haben (15 Prozent davon sind ADFC-Mitglieder). Grundlage ist ein Fragebogen mit rund 30 Fragen, die Aktion wird gefördert vom Bundesverkehrsministerium.

Das Sicherheitsgefühl: Besonders wichtig, das zeigt die Umfrage, sind Radlern diese Punkte: ein gutes Sicherheitsgefühl (81 Prozent), Akzeptanz von Radfahrenden durch andere Verkehrsteilnehmer (80 Prozent), konfliktfreies Miteinander von Rad- und Autoverkehr (79 Prozent).

Gmünd im Ranking: In der aktuellen Studie liegt Gmünd unter 110 Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern auf Rang 75 – mit der Note 4,17. Zum Vergleich: Aalen ist auf Platz 39 mit 3,87, Tübingen belegt den 6. Platz (Note 3,37).

Fahrradstraßen: Diese sind in Deutschland dem Fahrradverkehr vorbehalten. Autos können durch Zusatzschild erlaubt werden, häufig ist eine Regelung nur für Anlieger oder Einbahnverkehr für Autos. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle 30 km/h.

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