Das Stechen darf weitergehen

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Benny Bucher mit seinen Teammitgliedern Paddy Hilf, Hanna Kraft, Daniel Hofer und Leo Santangelo (v.l.). Für sie ist Masketragen nicht erst seit Corona Alltag. Seit diesem Montag darf er sein Studio wieder öffnen.
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Trotz enormer Hygienemaßnahmen durfte Benny Bucher sein Tattoostudio lange nicht öffnen. Das ist auch für seine Azubis schwierig.

Schwäbisch Gmünd-Wetzgau

OP-Masken, Desinfektionsmaßnahmen, Einwegprodukte, die speziell entsorgt werden müssen. In Benny Buchers Tattoostudio Paintfull in Wetzgau gelten enorme Hygienemaßnahmen. "Der OP-Saal kommt natürlich noch vor uns", scherzt er. Doch diese Standards seien für ihn nichts Neues. Trotzdem musste sein Geschäft im Lockdowns ruhen. Jetzt darf wieder gestochen werden.

Früh im Jahr 2020. Berichte über ein neuartiges Virus aus China. "Erst macht man sich gar keinen Kopf darüber", erinnert sich Tätowierer Benny Bucher. "In Geschichtsbüchern liest man von der Pest", sagt er, "aber an so etwas denkt man heute nicht mehr". Wenige Wochen später hieß es dann: Ladentüren dicht. Lockdown ist angesagt.

"Du hast halt deine Auftragsbücher voll", erklärt Bucher. Termine mussten verschoben werden. Im Mai durfte Bucher wieder öffnen. "Dann geht das Geschiebe erst richtig los", erinnert er. Zu bereits vereinbarten Terminen kamen neue hinzu. "Man will natürlich jedem gerecht werden", sagt der Inhaber. Aber es sei praktisch unmöglich, das Personal und die Kapazitäten so kurzfristig aufzustocken.

Zunächst dachte er, Kunden seien vorsichtiger in der Pandemie. "Aber es war ein riesen Ansturm. Und natürlich haben wir dann Gas gegeben", sagt der Inhaber über die Zeit zwischen den Lockdowns. Denn die Kosten für das Tattoostudio, in dem auch gepierct wird und das einen Beautysalon beherbergt, laufen weiter.

Allerdings musste der Betrieb herunter geschraubt werden. Ein bis zwei Kunden konnte Bucher mit seinem Team pro Tag noch bedienen. Unter strengen Hygienemaßnahmen. Vom Boden des Studios bis hin zu Tätowiermaschine und Piercing-Besteck, muss alles gründlich desinfiziert werden. Die Nadeln fürs Tätowieren sind Einwegprodukte. "Erst wenn alles rasiert und desinfiziert ist, wird die Nadel ausgepackt", erklärt Bucher. Nach dem einmaligen Gebrauch wird die Nadel in einem speziellen Abfallbehälter, ähnlich wie in Krankenhäusern, entsorgt. "Das gilt auch ohne Corona", sagt er.

Dabei ist das ganze Privatgeld draufgegangen.

Benny Bucher, Inhaber von Paintfull Tattoos

Von Mai bis November hatte das Team alle Hände voll zu tun. Dann stand Lockdown Nummer zwei vor der Tür. "Wir hatten uns gerade von der ersten Schließung gefangen gehabt", sagt Bucher. "Dabei ist auch das ganze Privatgeld draufgegangen", führt er aus.

Erhält er Unterstützung vom Staat? "Die Novemberhilfe habe ich immer noch nicht", klagt er. "Im ersten Lockdown hat das besser geklappt, komischerweise." Denn nun laufe die Vergabe von Hilfsgeldern strenger ab.

Auch für die drei Auszubildenden in seinem Studio ist die Lage schwierig. Zwar könnten sie auf künstlicher Haut oder Schweinehaut üben. Das Handwerk richtig lernen, gehe aber nur am Menschen. "Schweinehaut zuckt nicht. Blutet nicht. Schreit nicht", scherzt Bucher.

Da Tätowierer kein anerkannter Lehrberuf ist, seien Mitglieder der Branche ohnehin "Außenseiter". In der Vergangenheit sei die Konkurrenz bitter gewesen. Anders in Coronazeiten. "Das ist das Schöne im Moment: Die Tätowiererszene steht zusammen", erklärt der Chef.

Mit Gutscheinen und Merchandise kann sich Benny Bucher einigermaßen über Wasser halten. Auch hat er die Zeit genutzt, um in seinem Studio umzubauen. Jetzt gibt es Trennwände zwischen den Stechplätzen. Vorgabe der Regierung. "Wir tun und machen, was sie uns sagen. Wir haben hier viele Stunden, Tage, Wochen und Nerven reingesteckt", sagt Bucher, "trotzdem kommt immer der nächste Dämpfer.". Ist die Lage für ihn noch nachvollziehbar? "Nein. Schon lange nicht mehr. Riskogruppen schützen? Auf jeden Fall!", sagt er. An diesem Montag darf er wieder öffnen.

Mit einem Tattoo-Platz ging's los

Das Tattoostudio Paintfull in Wetzgau gibt es seit 2015. Stück für Stück erweiterte Inhaber Benny Bucher die Räumlichkeiten. Mittlerweile beherbergt sein Studio außerdem ein Piercingstudio und einen Beautysalon. Zudem hat ein Friseur Räume gemietet. Er beschäftigt eine festangestellte Mitarbeiterin und hat drei Auszubildende im Betrieb. In der Pandemie konnte er einiges in seinem Studio umbauen. Auch für seinen Hund hatte er mehr Zeit.

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