Das Sterben ins Leben holen

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Mit einem „Dialog über das Ende“ in Form von Bildern und Filmen widmet sich das Kloster der Franziskanerinnen der Endlichkeit und dem Leben. Die GT begleitet den Dialog mit einer Serie.

Schwäbisch Gmünd

Damals, als die Schwestern des Klosters der Franziskanerinnen erstmals von der Ausstellung „Dialog mit dem Ende“ hörten, waren sie gerade dabei, das Hospiz zu entwickeln und zu bauen. Angesprochen aber hatte die Ausstellung die Schwestern schon, erzählt Schwester Benedicta. Nun, ein Jahr später, haben sie zusammengefunden, die Schwestern, das Hospiz und die Macher der Ausstellung. Der „Dialog mit dem Ende“ wird an diesem Sonntag, 4. September, um 10.30 Uhr im Kloster in der Bergstraße 20 eröffnet. „Was mache ich mit meinem Leben, was bedeutet Leben, was bedeutet Sterben“, diese Fragen passen zum Hospizgedanken, sagt Schwester Benedicta. Angesprochen hat uns das Dialogische, der Dialog mit dem Ende, der Dialog am Ende, sagt Manfred Welzel, Geschäftsführer des Klosters.

Diesen Dialog erläutert Steffen Baraniak. Der Fotograf, der den „Dialog mit dem Ende“ gemeinsam mit der Dokumentarfilmerin Sylvie Hohlbaum gestaltet hat, hat am Freitag die Bilder, die Texte und einen Film im Kreuzgang des Klosters arrangiert. Und dabei erzählt. Für ihn ist dieser Dialog ein Thema, das in der Zeit angekommen ist. Als er und Hohlbaum vor sechs Jahren mit der Gestaltung der Ausstellung angefangen hätten, sei es eine Herausforderung gewesen, „eine Form zu finden, die nicht abschreckt, die der Abwehr des Todes entgegen wirkt“. Sie interviewten dabei eine Frau, Jette, kurz vor ihrem Tod. „Für sie war es eine Erleichterung, über den Tod zu reden, über ihre Ängste, über Schmerzen“. Dies habe ihn und Hohlbaum dazu geführt, Menschen zu suchen, die bereit waren, über ihre letzte Lebensphase zu reden. So entstanden ein Dokumentarfilm mit 14 Interviews und nicht 14, sondern 30 Bilder, weil Menschen noch vor dem Interview gestorben waren. Es habe aber auch Menschen gegeben, die länger als prognostiziert lebten, sagt Baraniak. Daraus sei die Frage entstanden, was diese verlängerte Lebenszeit für eine Zeit, für ein Leben sei. Dieses Leben im Wissen um den Tod habe bei ihm dazu geführt, sagt Baraniak, „dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben im Leben an Schrecken verloren hat“.

Neben diesen Dialogen mit Sterbenden hat die Ausstellung eine zweite Ebene: Die Fragen, die Baraniak und Hohlbaum ihren Gesprächspartnern stellten, richteten sie auch an die Besucher. Auf Postkarten. Die die Besucher an einer Pinnwand anbringen konnten. Das Ergebnis: „prallvolle Pinnwände“, die das Bedürfnis der Menschen zeigen, über Leben und Tod zu reden.

Dieses über Leben und Tod reden ist der Grund, weshalb auch Hospizleiterin Magdalene Goldbach die Ausstellung im Kloster begrüßt. Im Hospiz sei die Auseinandersetzung mit dem Tod unvermeidbar, sagt Goldbach. Um das Lebensende jedoch in die Mitte der Gesellschaft zu holen, brauche es eine Enttabuisierung.

Diese Enttabuisierung ist auch Anliegen der Gmünder Tagespost, die über die Ausstellung berichtet und sie mit einer Serie begleitet. Dazu blickt die Redaktion auf ein Jahr Hospiz im Kloster, und wir berichten über Gespräche mit einem Hospizgast und seinen Angehörigen, mit Hospizmitarbeitern und mit einem Therapeuten über das Tabu Tod. Zudem reden Redakteure über ihren Umgang mit dem Tod - in Worten und in Bildern.

Die Ausstellung und das Rahmenprogramm

Die Ausstellung „Dialog mit dem Ende“ wird am Sonntag, 4 September, um 10.30 Uhr im Kloster eröffnet. Sie dauert bis zum 28. September. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 17 bis 20 Uhr. Und Sonntag von 10 bis 13 Uhr.

Zur Ausstellung gibt's Workshops: „Dialog mit Farben“, „Klangschalendialog“ und Hospizführungen. Und Vorträge: Am Mittwoch, 7. September, spricht Rechtsanwältin Irene Meixner über „Gutes Erbe - Spuren hinterlassen“. Über „Glückliches Alter“ spricht der Arzt Dr. Klaus Riede am Dienstag, 13. September, um 19 Uhr. Weitere Vorträge gibt's auf www.veranstaltungen-kloster.de. Dort melden sich Interessierte zu den Veranstaltungen an.

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