Das Wrack liegt noch heute im Wald

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Was ein Flugzeugabsturz vor 50 Jahren am Wildsberg im Kreis Lörrach mit Schwäbisch Gmünd zu tun hat. Ein Blick auf einen Jahrestag, der bis heute betroffen macht.

Schwäbisch Gmünd/Malsburg

Vor 50 Jahren, am Sonntag, 21. Februar 1971, stürzte am 1018 Meter hohen Wildsberg bei Malsburg-Marzell (Landkreis Lörrach) ein einmotoriges Flugzeug ab. Die beiden Insassen, zwei junge Männer aus Schwäbisch Gmünd kamen ums Leben. Noch heute liegt das Flugzeugwrack im felsigen Waldstück. Ein Gedenkstein erinnert an den Absturz, der noch immer Rätsel aufgibt.

Es geschah gegen 12 Uhr mittags. Über den Berghängen rund um die beiden Wildsberge und den Hochblauen herrscht dichter Nebel. Willi Hunzinger aus Malsburg beobachtet eine Sportmaschine, die von Südwesten kommend Richtung Berge fliegt. Hunzinger berichtete später der Zeitung, dass der Motor stotterte und aussetzte. Sofort alarmierte er die Polizei. An Bord der Cessna 172, auch "Skyhawk" genannt, Pilot Günter Grünzner, (27) Physik und Mathelehrer an der Schiller-Realschule in Schwäbisch Gmünd, und Eberhard Fäßler (22), Ingenieurstudent.

Dem Suchtrupp aus Polizei, Feuerwehr und einigen Ortsansässigen bot sich in den Wäldern des Wildsberges ein schreckliches Bild. Die Maschine war beim Absturz völlig zerschmettert worden, die beiden Insassen hatte es aus der Kabine geschleudert. Der Kanderner Arzt Dr. Haus konnte nur noch deren Tod feststellen.

Ein Malsburger (Name der Redaktion bekannt) erinnert sich, wie er damals als 12-Jähriger an der Absturzstelle war, nachdem das Bundesluftfahrtamt Braunschweig die Ermittlungen abgeschlossen hatte. Noch heute sind ihm die Bilder lebhaft vor Augen. "Es war erschütternd", erzählt der inzwischen 62-Jährige. Überall lagen Trümmer herum, die Pilotensitze lagen im Wald, alles war zerrissen."

Auch sein Nachbar, Hanspeter Dörflinger, (82) erinnert sich. "Zehn Meter weiter und die wären über den Berg gekommen", sagt er. Die beiden seien auf dem Flug von Heubach nach Basel gewesen, um dort den Inhaber der Wäschefirma Triumph abzuholen, der geschäftlich in Paris weilte, erzählt Dörflinger. In Basel hätten sie jedoch keine Landegenehmigung bekommen, weshalb sie einige Schleifen fliegen mussten und dabei im Nebel am Wildsberg zerschellten.

Ob die Maschine in Basel startete oder landen wollte, darüber gibt es widersprüchliche Angaben. Der Unfallhergang lässt sich heute auch nicht mehr rekonstruieren, da die Unterlagen des Luftfahrt-Bundesamtes im Bundesarchiv lagern und vermutlich längst vernichtet wurden. Auch alle an den Ermittlungen beteiligten Polizeibeamten leben nicht mehr.

Das Flugzeug, so viel steht fest, gehörte Josef Dangelmaier aus Schwäbisch Gmünd, damals Eigentümer der Firma JODAG Containerbau. Der Flugplatz Heubach in Richtung Böbingen an der Rems gelegen gehörte damals der Firma Triumph, die ihren Firmensitz in Heubach hat. Es spricht also vieles dafür, dass Grünzner und Fäßler von Heubach aus starteten und in Basel landen wollten. Ein Ziel, das sie nie erreichen würden.

Noch immer liegt der Rumpf des Flugzeugwracks in den Buchenwäldern des Wildsberges. Die beiden Pilotensitze lehnen am Gedenkstein, der an der Absturzstelle errichtet wurde. Dessen Inschrift lautet: Günter Grünzner 1944-1971, Eberhard Fäßler 1948-1971. Beim Absturz kamen die beiden einzigen Söhne ums Leben.

Das Grab von Günter Grünzner befindet sich auf dem Gmünder Dreifaltigkeitsfriedhof. Darauf befindet sich ein kleines gusseisernes Flugzeugmodell. "Einst massest du die Weiten des Himmels, jetzt die Tiefen der Erde". Viele, die die Absturzstelle am Wildsberg heute entdecken oder aufsuchen, werden ergriffen von der Tragik, die sich vor 50 Jahren dort ereignet hat. Und manch einer macht sich betroffen auf den Rückweg.

Birgit-Cathrin Duval

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