De Gaulle fährt damit auf drei Rädern

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Oldtimerserie 2021 Citroen DS
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Der Citroen DS von Thomas Hesse besteht auch mit 47 Jahren noch im Alltag. Erlebnisse mit einem langen Autoleben. Form und Federung begeistern bis heute.

Der Citroen DS von Thomas Hesse

Oldtimerserie 2021 Citroen DS
Oldtimerserie 2021 Citroen DS © Tom
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Oldtimerserie 2021 Citroen DS
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Schwäbisch Gmünd

Schlaglöcher und Bodenwellen gehören 1955 zum Straßenbild. Der Wohnungsbau hat in den Nachkriegsjahren Vorrang, viele Menschen leben noch in Notunterkünften. Wer schon ein Auto hat, ist froh, von A nach B zukommen, auch wenn man dabei durchgeschüttelt wird. Aber es bahnt sich eine automobile Revolution an. Citroen zeigt am 1. Oktober 1955 den neuen DS, der mit der neu entwickelten hydropneumatischen Federung die Straßen glattbügelt. Und die Form des neuen Wagens scheint aus der Zukunft zu kommen. Die neue Design- und Technikikone schreckt andere Automobilhersteller auf, die sich zum Teil noch an der Vorkriegsgestaltung orientieren. 20 Jahre lang baut Citroen diesen Wagen und spätestens in den 1960er-Jahren steht so manche DS in den neuen Wohnsiedlungen.

Auch in Goslar, wo Thomas Hesse aufwächst. „In der Nachbarschaft gab es so eine DS und ich war fasziniert.“ Die Form, die Art, wie sich der Citroen in Bewegung setzt, wenn das Fahrwerk nach dem Motorstart „erwacht“ und den Wagen anhebt, das prägt sich ein. 1978 kauft sich Thomas Hesse eine DS und es wird nicht die letzte sein. 1993 erwirbt er zum fünften Mal diesen Citroen – und lässt ihn nicht wieder los. „Den werde ich immer behalten“, sagt der Gmünder Rechtsanwalt und betont, weshalb er früher die Modelle häufiger wechselt: Das Preisniveau für gebrauchte DS ist zunächst niedrig. Es ist günstiger, sich ein Exemplar mit zwei Jahren TÜV zu kaufen, als den eigenen Wagen TÜV-fertig zu machen. Längst hat die DS Kultstatus und daran orientieren sich heute die Preise, die bis in den mittleren fünfstelligen Bereich reichen.

Für Thomas Hesse ist der Citroen trotzdem kein Ausstellungsstück, das nur zu besonderen Anlässen aus der Garage fährt. Für ihn ist es Designstück und Alltagsauto zugleich. „Außer im Winter, Salz auf den Straßen will ich der DS nicht zumuten“, sagt er. Aber ein Regenschauer hält ihn nicht vom Oldtimerfahren ab. Mit dem Wagen geht‘s auch mal zu auswärtigen Gerichtsterminen. Die Zuverlässigkeit des Citroen spricht für solche Einsätze. Große Pannen hat er noch nicht erlebt. Kleine Unwägbarkeiten schon: „Bei heißem Motor läuft er oft nicht sofort an“, sagt Thomas Hesse.Etwas Geduld ist dann nötig.

Wie damals, bei der ersten großen Ausfahrt 1993. Durch Frankreich und Spanien geht es nach Portugal. Mit einem Defizit: Beim Kauf war kein Ersatzrad dabei. „Das, so dachten wir, lässt sich im Land der DS ja bestimmt problemlos finden.“ War aber nicht so. Dagegen passiert in Portugal, was sonst selten vorkommt: Der Reifen ist platt. Eine Werkstatt ist zum Glück in der Nähe, die genaue Reifengröße lässt sich aber nicht auffinden. Ein ähnlicher Reifen muss genügen. Auf dem Rückweg wiederholt sich die Situation. Bei einem Halt in Frankreich bemerkt Thomas Hesse den Plattfuß. Und erinnert sich an die De-Gaulle-Story, nach der der französische Präsident einem Attentat entkommt, weil der Fahrer den Citroen auf drei Rädern fahren kann, dank der Hydropneumatik. Im aktuellen Fall gelingt das aber nicht. Doch Thomas Hesse entdeckt eine Werkstatt mit Tankstelle, umgeben von jeder Menge alter Citroen DS. „Da haben wir gleich zwei Räder in richtiger Größe gekauft“.

Die Werkstattaufenthalte halten sich in den folgenden 28 Jahren in Grenzen. Das liegt auch daran, dass der Oldtimer-Liebhaber kleinere Reparaturen selbst erledigen kann. Kleinere Beulen zaubert er schon mal alleine weg. Die zum Teil komplexe Technik ist schon eher eine Hürde.Dabei ist der 2-Liter-Motor mit seinen 98 PS standfest. Ein Auge muss man auf die Hydropneumatik werfen, deren Leitungen gelegentlich nicht so dicht sind. Der Citroen D Super 5, wie er offiziell heißt, ist ein Jahr vor dem Ende der Bauzeit auch besonders ausgereift. Das Modell trägt die doppelten Scheinwerfer unter gemeinsamer Glasabdeckung und das damals so bewunderte Kurvenlicht, ein Scheinwerferpaar ist mit der Lenkung gekoppelt. Frühere Modelle sind an Rundscheinwerfern zu erkennen. Auch damit hat Thomas Hesse Erfahrung. Seinen ersten DS kauft er in jungen Jahren in Berlin, bricht dann gleich zu einer Reise nach Norwegen auf. Im schneebedeckten Land prallt ihm – unverschuldet – ein norwegisches Auto gegen den Citroen. Glück im Unglück: Der Vater des Fahrers ist Versicherungskaufmann – und regelt den Schaden gleich mit Bargeld. Dem nächsten DS steht damals nichts mehr im Weg.

Zurück in der Gegenwart: Die 74er-DS ist immer noch ein bequemes Auto. ThomasHesse: „Zur Bauzeit galt der Wagen als besonders leise, auch im Innenraum, dazu als besonders bequem gefedert.“ Eigenschaften, die in der modernen Oberklasse von heute als selbstverständlich angenommen werden. „Da kann der Citroen doch nicht mehr ganz mithalten.“

  • Zwei Buchstabenheben den Wagen endgültig in den Olymp der Autowelt: DieTypbezeichnung DS sorgt im Heimatland für den sprachlichenGleichklang mit „(la) déesse“, „(die) Göttin“. Das sorgtdafür, dass die Göttin auch für die feminine Anrede steht. Mitwenigen anderen Autos steht eine DS im New Yorker Museum of ModernArt (MoMA), unter anderem weil Designpäpste in diesem Auto etwasKathedralenhaftes sahen. Das Museumsstück ist ähnlich alt wieThomas Hesses Wagen: Baujahr 1973, aber dort steht die luxuriöseVarianten DS 23. Drei weitere „Kunstwerke“ haben es ins MoMageschafft: Ein Fiat 500 von 1968, ein Porsche 911 Coupé 1965undein Jaguar E-Type Roadster von 1963.
  • Insgesamt wurdenrund 1,5 Millionen Citroen DS (in unterschiedlichenAusstattungsvarianten) gebaut. Die Faszination DS nahm schon bei derPräsentation ihren Lauf. Am ersten Abend des Pariser Autosalons1955 gab es 12 000 Bestellungen, bei Messeende sogar 80 000Kaufvertäge.

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