Dem Nächsten mehr Raum geben

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Oberbürgermeister Richard Arnold spricht über die "Herzenswege", Schwäbisch Gmünd, Staufer, Kronleuchter und seinen Besuch in Armenien.

Schwäbisch Gmünd

Die "Herzenswege" hält er für ein "sehr wichtiges Projekt". Denn sie passen in sein Weltbild, seine Motivation für seine Arbeit. "Dem Nächsten mehr Raum geben", nennt Oberbürgermeister Richard Arnold ein Anliegen. Auch sein Anliegen. Für weitere acht Jahre im Gmünder Rathaus. Ein Gespräch mit Michael Länge.

Wie wichtig ist Ihnen das Projekt "Herzenswege" gegen Altersarmut?

Richard Arnold: Sehr wichtig, denn das Projekt trifft den Ton, den wir gerade brauchen. Dem Nächsten, dem Menschen mehr Raum geben. Bärbel Blaue, ihre Mannschaft und die Aktion Familie bringen so mehr Wärme in die Gesellschaft.

Sie wollen weitere acht Jahre Oberbürgermeister in Gmünd bleiben. Wie sieht Ihr Wahlkampf aus?

Ich mache jetzt noch keinen Wahlkampf. Ich muss meine Arbeit machen. Den Wahlkampf werde ich auf einen angemessenen Zeitraum vor dem 7. Mai konzentrieren. Ich werde Ideen für Gmünd präsentieren und Akzente erklären. Gmünd hat in den vergangenen Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen. An der Zahl neuer Betriebe, an der Einwohnerzahl. Mir geht es aber mehr darum, wie man sich fühlt, wenn man in Gmünd zu Gast ist. Wir werden im Land wahrgenommen, wir werden im Bund wahrgenommen. Wir haben als älteste Stauferstadt einen Namen. Die Staufer sind hochmodern. Offen für Neues, nicht uniform, sondern vielfältig. Sie stehen auch für gutes Miteinander. Das wird mit Gmünd verbunden. Mir ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft wichtig. Die Gmünder lassen sich auf das Miteinander ein, nehmen Anteil. Das unterscheidet uns von anderen Städten.

Viele Gmünder wundern sich über die Entscheidungen des Oberbürgermeisters zur Eisbahn und zum Gmünder Sommer. Sehen diese als Schnellschüsse. Warum haben Sie so schnell entschieden?

Nachjustierungen sind ständig notwendig, um Balance zu halten. Ich habe kurz inne gehalten. Im Handel gibt es Stimmen, dass es zu viele Veranstaltungen gibt. Bürger im Umfeld des Stadtgartens haben sich gemeldet. Ehrenamtliche sagen, dass die Aufgaben, die sie haben, viele sind. Dies sind Zeichen, dass die Dinge nicht mehr in der Balance sind. Zudem wollen wir die Bildung vor der Klammer halten. Dies führte zu der Entscheidung: zwei Jahre keinen Gmünder Sommer, dafür Geld für Schulen.

Würden Sie einen Beschluss für Kronleuchter im Prediger nochmal so unterstützen?

Wir sollten die Kronleuchter nicht zu einer Glaubensfrage machen. Der Predigersaal ist Gmünds gute Stube, in diesen passen die Kronleuchter gut hinein. Es geht aber nicht nur um Kronleuchter. Ein anderer Punkt ist, dass wir auf den Handel und auf die Firmen schauen sollten. Wir haben hier den einzig verbliebenen Hersteller von Kronleuchtern. Und das muss man in Gmünd auch sehen können. Das ist ein Stück anfassbare Wirtschaftsförderung.

Die Staufer sind hoch- modern.

Richard Arnold, Oberbürgermeister

Wie sehen Sie nach der Diskussion über die Kosten für das Stauferfestival das nächste Stauferfestival?

Darüber müssen wir zunächst im Staufersaga-Verein und mit den Bürgern diskutieren. Doch wir müssen unsere Lehren aus dem Stauferfestival ziehen, trennen zwischen Stauferfestival und Schwörspielen. Den Verein hat die Diskussion irritiert. Deshalb bin ich froh, dass der Verein noch motiviert ist und sich zurzeit auf dem Weihnachtsmarkt engagiert.

Die Kreistagsentscheidung für Aalen als einzigen Sitzung der Klinikverwaltung bewerten Sie als Beginn einer neuen Eiszeit. Warum?

Die Stauferklinik steht in Mutlangen. Sie ist aber unsere Klinik für den Gmünder Raum. Der Landrat wollte drei Kliniken unter einem Dach mit Aalen und Gmünd als Sitz der Verwaltung. Dafür bin ich ihm dankbar. Volker Grab von den Grünen aus Ellwangen jedoch hat nicht für einen Sitz in Aalen gestimmt, sondern gegen Gmünd. Mit den Stimmen von Grünen aus Gmünd. Die Gmünder sind bei Fragen des Sitzes sensibel. Damit sind oft Zukunfts-, Investitions- oder Strukturentscheidungen verbunden. Die Gmünder fühlen sich in ihrem Bild bestätigt: Gmünd klein halten, damit andere groß werden. Das hätte man besser machen können. Nun ist die Eiszeit da.

Sie sind vor vier Wochen von einem Kurzbesuch aus Armenien zurückgekommen. Was ist nach vier Wochen geblieben?

Bewegende Eindrücke. Ich hatte zwar zuvor die Berichte über die "Küche der Barmherzigkeit" wahrgenommen, doch das Ausmaß an Not und Armut konnte ich mir nicht vorstellen. Wenn man das nicht selbst gesehen hat, kann man sich kein Bild davon machen. Dass diese Hilfsaktion über Jahre aufrecht erhalten worden ist, dass sie nach dem Erdbeben 1988 keine Eintagsfliege geblieben ist, nötigt mir großen Respekt ab.

Sie haben auch das Mahnmal besucht, das an den Völkermord der Jungtürken an den Armeniern ab 1915 erinnert. Die offizielle Türkei leugnet den Völkermord noch heute. Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Ich habe mich während meines Studiums in den USA schon mit dem Thema beschäftigt. Das Thema ist sehr emotional. Ich finde es wichtig, dass die Armenier das Völkermordmahnmal errichtet haben. Der Vergangenheit muss man sich stellen.

Am Samstag, 3. Dezember, gibt es ab 11 Uhr in der Rotary-Suppenstube auf dem Weihnachtsmarkt Hochzeitssuppe aus dem "Stern" in Mittelbronn.

Eine Portion kostet 3,50 Euro. Der Erlös geht unter anderem an die GT-Weihnachtsaktion "Herzenswege".

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