Dem Virus und Frust die Stirn bieten

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Mit Wimpelketten haben die Hölltalschützen etwas Fasching auf den Marktplatz gebracht.

Wie die Hölltalschützen der Corona-Pandemie trotzen und etwas Fasching auf den Gmünder Marktplatz und ans Rathaus bringen.

Schwäbisch Gmünd

Was ist das nur für eine närrische fünfte Jahreszeit für Gmünds Faschingstreibende? "Eigentlich hätte heute der schönste Tag für die Rudos sein sollen", meint am Samstag der Zunftmeister der 1. Narrenzunft Hölltalschützen, Thomas Krieg, leicht wehmütig. Denn am Samstag wäre der offizielle Termin zum Stellen des Narrenbaums auf dem Gmünder Marktplatz gewesen. Traditionell hätte ein kunterbunter Kinderumzug den Narrenbaum zum oberen Marktplatz begleitet. Fetzige Guggenmusik war all die Jahre als Begleitung dabei. Mehr als 800 Musiker aus Deutschland und umliegenden Ländern hätten die Innenstadt beim internationalen Guggenmusiktreffen wieder ins "Mekka der Guggenmusik" verwandelt. Rudo, der Hölltalschütz hätte dabei seinen großen Auftritt gehabt. Und heuer? Gähnende Leere auf dem Marktplatz. Der einsame Rudo wurde zwar traditionell am Dreikönigstag geweckt, fristet aber derzeit ein trauriges Leben im Hölltalwald. Er versteht die Welt nicht mehr. Am Aschermittwoch mit Dutzenden feiernden Menschen zu Bett getragen, erwachte er am 6. Januar in einer völlig neuen Welt – ohne Musik, Gesang, Tanz und Glückseligkeit.

Doch die Gmünder Narren trotzen dem Coronavirus. Nur im Kleinen, coronakonform, aber sie sind da. Am Samstagvormittag traf sich eine kleine Abordnung der Rudos, um ein wenig Fasnacht auf den Marktplatz zu bringen.

Ein bisschen Fasching geht immer.

Eberhard Kucher, Vorsitzender der Gmender Fasnet

Narrenbaumstellen ist nicht, verkündete Tommy Krieg. Zu viele Mitstreiter wären benötigt worden. Und "Familien in dieser Größenordnung" gibt's bei den Rudos wie auch bei der bisher immer unterstützenden Wetzgauer Feuerwehr nicht. Mit Leiter und Muskelkraft ging es also dem Gmünder Rathaus und den Kandelabern zu Leibe, um eine kleine Faschingsinstallation zu befestigen. Das sah ziemlich mühselig aus, als Zunftmeister Krieg das närrische Einhorn, das Silbermännle und Rudo die Leiter empor hievte, um die Gmünder Faschingssymbole am Rathausgeländer zu befestigen. Ein Hilfsangebot kam vom Ersten Bürgermeister Christian Baron, der als "Schlüsselmeister" die Portale des Rathauses öffnete. Jedoch – mit dem goldenen Schlüssel zum "Allerheiligsten", dem am Rathausbalkon angrenzenden Büro von Oberbürgermeister Richard Arnold, konnte der hilfreiche "Baron" nicht dienlich sein. Für Rudo-Krieg hieß dies, wieder rauf auf die Leiter. Für seine "närrische Solidarität" bekam Baron trotzdem die Solidaritätsplakette der Guggenmusiker ans Revers geheftet.

Die Installation der Rudos sieht der Erste Bürgermeister als "richtiges Signal, im Rahmen der Möglichkeiten". Es sei derzeit wichtig, Traditionen aufrecht zu erhalten, denn "uns allen geht der Lockdown auf den Geist". Wenn man zurückblicke, was in den vergangenen Jahren an diesem Tag losgewesen ist, wird Christian Baron ziemlich wehmütig. Aber "wir kapitulieren nicht", meint er.

Ähnlich sieht es auch der Vorsitzende der Gmender Fasnet, Eberhard Kucher: "Ein bisschen Fasching geht immer", meint er und verweist auf die "Prunksitzungssplitter", die nach wie vor in den sozialen Netzwerken und online auf YouTube abrufbar sind. Und jetzt schmückt neben den traditionellen Wimpelketten auch eine Corona-Kette den oberen Marktplatz. Die Rudos haben den Viren den Kampf angesagt, selbige "aufgeknüpft" und neben Gesichtsmasken platziert.

Uns allen geht der Lockdown auf den Geist.

Christian Baron, Erster Bürgermeister

Nach getaner Arbeit zeigt sich Tommy Krieg doch wieder etwas zuversichtlicher: "Am Ende hat sich dieser traurige Tag doch noch gut entwickelt." Trotz Geheimhaltung der Aktion haben sich einige Zuschauer eingefunden. "Für die Marktplatzbesucher präsentieren wir so ein klein wenig Fasnet auf der Straße" und mildern so den Verlust der Leute über eine Faschingssaison ohne Silbermännle, Guggen und Garden, sagt er. Und wer genau hinhört, kann bis Aschermittwoch ein leises, aber trotziges "Hella, hella Gamundia" den Marktplatz hinunter schallen hören.

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