Demo in der Straße des Anstoßes

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Kurzer Stopp auf dem "Todesstreifen", wie manche Radler die Abbiegespur in der Unteren Zeiselbergstraße nennen. Solche Stellen sind die wirklichen großen Problempunkte, nicht die Klarenbergstraße, finden die Critical-Mass-Leute (v.l.) Volker Nick, Timo Leister und Carsten Anders.
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Zu viele Privilegien für Radfahrer – oder doch für Autos? Vom Streit um eine Fahrradstraße und die nächste Radler-Demo der „Critical Mass“ am Freitag in der Klarenbergstraße.

Schwäbisch Gmünd

Wenn am Freitag wieder die Radler von „Critical Mass“ durch die Klarenbergstraße fahren, geschieht das vor dem Hintergrund eines ungelösten Konflikts: Die Stadt plant dort eine Fahrradstraße einzurichten - es gibt Anwohner, die gegen diese Pläne sind. 

Hier die Befürworter der Critical Mass, die finden, dass Fahrradstraßen überfällig sind – da die Bürgerinitiative, die Änderungen in ihrer Straße für überflüssig hält. Die gegensätzlichen Meinungen zur Klarenbergstraße zeigen einen Grundsatzkonflikt, in dem es um mehr geht als nur   eine Straße: Es geht um den Rang der Verkehrsmittel in der Stadt – heute und in Zukunft.

Martin Kusatz von der Bürgerinitiative (BI) sieht in den Plänen eine Bevorzugung von Radfahrern, die er für falsch hält: „Ich halte nichts von Privilegierung“, sagt er. Es gebe keinen Grund am Bestehenden etwas zu ändern: „Wir kommen bisher sehr gut in der Klarenbergstraße zurecht.“ Das Miteinander der Verkehrsteilnehmer funktioniere. Wenn nun Radfahrer Vorrechte erhielten, sei das eher kontraproduktiv für ein gutes Miteinander. Timo Leister von Critical Mass sieht das Thema Privilegien anders: „Bisher sind doch die Autos privilegiert im Stadtverkehr, es geht um Angleichung“, sagt er.  

Darum müssten erst einmal Autos Privilegien abtreten, findet Radkurier Volker Nick: „Autos haben in der Stadt immer noch das Privileg, mit 50 an einem Radfahrer vorbeizufahren. Wir als Critical Mass wollen, dass man sich auf dem Fahrrad so sicher fühlen kann wie die Leute in ihrem SUV-Panzer.“

Leister, Nick und ihre Mitstreiter wollen am Freitag kurz nach 17 Uhr wieder vom Bahnhof aus losradeln – zu ihrer Art von Demo, um ihre Anliegen deutlich zu machen. Der rollende Demonstrationszug soll dieses Mal die Klarenbergstraße und die Schwerzerallee ansteuern, zwei der drei geplanten Achsen, die nach den Plänen der Stadt als Fahrradstraßen ausgewiesen werden sollen. 

Den Rad-Aktivisten geht es dabei auch ums Große und Ganze: „Der Teil der Klarenbergstraße, um den es der Bürgerinitiative geht, ist nur ein Ausschnitt, noch dazu ein relativ unproblematischer“, sagt Leister. „Dort wird sich ja fast nichts ändern. Autos müssen dort bisher schon 30 fahren, und sie müssen bisher schon mit 1,50 Metern Abstand an Radfahrern vorbeifahren“ – wofür in der Praxis so oder so manchmal der Platz fehle. Das Große und Ganze bringt er so auf den Punkt: „Es geht um Durchgängigkeit für den Radverkehr“ aus der und in die Stadt, sagt Leister. Kein Flickenteppich von Radwegen, sondern durchgehende Routen: Die Hauptprobleme sind aus seiner Sicht gefährliche Kreuzungspunkte, an denen die Sicherheit deutlich verbessert werden müsse.

BI-Mitorganisator Martin Kusatz bleibt entschlossen: „Wir sind nicht ewig gestrig, aber wir wohnen da und wir hinterfragen.“ Die Critical Mass habe eine „ideologische Sicht, es ist aus unserer Sicht eine Minderheitsmeinung“.

Kusatz verweist auf 200 Unterschriften, die seine Gruppe beim KfZ-Betrieb D+S Fahrzeugtechnik gesammelt habe. Seine Gruppe wolle nicht klein beigeben. „Wir überlegen uns tatsächlich, wie wir weitermachen und etwas bewirken können. Eine Verwaltungsgerichtsklage ist sicher ein Mittel, dessen wir uns bewusst sind.“

Bisher sind Autos privilegiert in der Stadt.“

Timo Leister, Critical Mass

Die Regeln in Fahrradstraßen

Fahrradstraßen sind dem Fahrradverkehr vorbehalten. Autos können durch ein Zusatzschild erlaubt werden, häufig ist eine Regelung nur für Anlieger - so plant auch Gmünd. Autofahrer müssen sich nach dem Tempo der Radler richten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt für alle 30 km/h. Zu den Vorrechten der Radler gehört auch, dass sie nebeneinander fahren dürfen.

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