Den Hund vereint mit Job und Ehrenamt

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Petra Schäkel bei der Arbeit mit Yola.
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Petra Schäkels Labradoodle Yola ist vor allem Familienhund, ein bisschen Bürohund - und nach vollendeter Ausbildung bald Besuchs- und Flächensuchhund bei den Maltesern.

Schwäbisch Gmünd

Die unterschiedlichsten Mensch-Hund-Teams tummeln sich auf der Wiese hinterm Gmünder Seniorenzentrum St. Anna, vom handlichen Malteser über den leckerliorientierten Labrador Retriever bis zum teddybärigen Leonberger ist alles dabei. Sie alle treffen sich hier einmal pro Woche, um mit den Ausbilderinnen Petra Schäkel und Jacqueline Wohlfarth von den Maltesern zu lernen, was ein Besuchshund und sein Mensch können müssen. Die Teams besuchen etwa Menschen in Pflegeheimen oder gehen in Kindergärten, „damit die Kinder den Umgang mit Hunden lernen“, sagt Wohlfarth. Sie ist mit der elfjährigen Miley da. Die Schweizer Schäferhündin ist als Rettungshund zwar in Rente, hat aber noch so manche Tricks drauf, die Wohlfarth den Ehrenamts-Azubis zeigen kann. Bei Besuchen dienen sie als Eisbrecher oder Gesprächsthema – nicht nur. Bei Menschen mit Demenz etwa wirke schon die Berührung des weichen Fells anregend, erklärt Schäkel. Auch Anfragen von der Hunde-AG der Klosterbergschule, vom Kloster-Hospiz oder von Privatpersonen – etwa älteren Menschen, die keinen Hund mehr halten können - erreichen die Besuchshunde-Gruppe, zählt Schäkel auf.

Der zweifache Hunde-Azubi

Im April konnten die Teams nach der pandemiebedingten Unterbrechung wieder loslegen. Von 14 bereits davor aktiven Teams waren noch sechs übrig, aktuell absolvieren 14 neue Mensch-Hund-Paare die kostenlose Ausbildung für den ehrenamtlichen Einsatz bei den Maltesern. Los ging’s mit dem Eignungstest als Grundvoraussetzung, in dem es um Leinenführigkeit, Grundkommandos, Verhalten gegenüber anderen Hunden und Menschen, Geräuschempfindlichkeit und das Verhalten in Stresssituationen geht. Erst daraufhin begann die praktische und theoretische Besuchshundausbildung, die im November mit einer Prüfung enden soll.

Schäkels sechsjähriger Labradoodle Yola kam als Welpe in die Familie. Die Bedingung war, dass die Hündin lernte, gelegentlich mit Schäkel bei ihrem Job in einer Schulverwaltung dabei zu sein. Neben der Beschäftigung mit ihrem Hund ist Schäkel ehrenamtliches Engagement wichtig. So sei sie auf die Besuchshunde der Malteser gekommen. Weil diese Ausbildung pandemiebedingt 2020 ausgesetzt wurde, begann sie mit ihrem Hund die Ausbildung zum Flächensuchhund in der Rettungshundestaffel. Und weil Yola, um diese zu bestehen, höchstens sieben Jahre alt sein darf, läuft nun eben beides parallel.

Herzschmerz fürs Hundewohl

Außerdem koordiniert Schäkel den Kontakt zu Einrichtungen, die Besuche mit Hunden wünschen. „Wir haben viele Anfragen“, sagt sie. Zudem leitet sie die Ausbildung der Begleithundeteams zusammen mit Jacqueline Wohlfarth. Die ist mit ihren 24 Jahren schon ein alter Hase bei den Maltesern. Ihre Mutter war bereits dabei, als Wohlfarth mit 14 Jahren dazukam. Auslöser war ihre Wunschhündin Miley. Als die Jahre später als Rettungshund in den Ruhestand ging, fehlte Wohlfarth diese Arbeit – und der Hund. Denn seit sie zu Hause ausgezogen ist und Vollzeit als Bankkauffrau arbeitet, wohnt Miley ländlich bei ihren Eltern und den weiteren Familienhunden. Ihren Acht-Stunden-Arbeitstag wollte Wohlfarth dem Hund nicht zumuten. Zumal sie auch verstehe, wenn nicht jeder Arbeitgeber einen Bürohund genehmige. „Das ist Herzschmerz zum Wohl des Hundes“, sagt Wohlfarth. Für sie sei es daher eine tolle Aufgabe, zweimal pro Woche mit Hunden zu arbeiten. Denn neben der Ausbildung des Begleithundeteams kümmert sie sich außerdem um Training und Ausbildung der Jugend-Hundegruppe der Gmünder Malteser.

Auch Schäkel würde ihrem Hund keinen vollen Arbeitstag im Büro zumuten wollen. Sowohl für den Alltag als auch für die Arbeit mit den Besuchshunden sei das Allerwichtigste, „dass man immer einen guten Blick aufs Tier hat“, sagt Schäkel. Das könne etwa bedeuten, einen Besuch auch mal nach zehn Minuten abzubrechen, wenn der Hund zeigt, dass er mit einer Situation nicht gut klarkommt. Die Fürsorge zahlt sich offenbar mannigfaltig aus, denn Schäkel ist überzeugt: „Jedem Menschen würde es guttun, wenn er in seinem Leben ein Tier hätte.“

 

Mehr Informationen zu den Besuchshundteams und zur Arbeit der Gmünder Malteser online unter www.malteser-gmuend.de

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