Den Vater zum Tod hin begleiten

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Mathias Hübner und Alexandra Brock vor dem Klostergarten. Foto: wof
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Ein Geschwisterpaar über die Erfahrungen ihrer Familie mit dem Hospiz und Gedanken über die eigene Endlichkeit.

Schwäbisch Gmünd

Drei Jahrzehnte lang haben Hans und Marija Hübner gemeinsam in ihrem Haus in Lorch gelebt.  Als   der inzwischen von Krankheit gezeichnete Hans Hübner dieses Haus  zum letzten Mal verließ, ging er sehr aufrecht.  Von diesem Augenblick vor etwa drei Wochen  er erzählen seine Kinder Alexandra Brock und Mathias Hübner. Hans Hübner ging damals zu dem Wagen, der ihn zum Kloster-Hospiz in Gmünd brachte.  „Mein Vater ist ein absoluter Realist“, beschreibt ihn Mathias Hübner. Seine Frau war in dieser Zeit  Begleiterin, aber auch Pflegerin, und damit extrem belastet.  „Es war klar, dass sie das nicht mehr schaffen kann“, sagt Alexandra Brock.  Ihre Mutter dagegen habe immer wieder gesagt: „Ich will ihn  nicht abschieben.“ Deshalb habe Hans Hübner dann selbst die Entscheidung getroffen, nicht zu Hause sterben zu wollen. Als er auffallend aufrecht das Haus verließ, hat er sich auch von  dieser Heimat verabschiedet, davon  sind beide Kinder überzeugt. 

Inzwischen sind alle Beteiligten glücklich mit dieser Entscheidung. Die Mutter kann sich nun voll den verbleibenden gemeinsamen Momenten mit ihrem Mann widmen. Sie kann ihren Mann immer besuchen, auch auf einem Tagesbett in seinem Zimmer, das dafür aufgestellt wird, übernachten. Einen Vorteil sieht Mathias Hübner, der in Stuttgart lebt,  zudem  in der Innenstadt-Lage. Die Mutter könne immer mit dem Zug nach Gmünd kommen und dann in wenigen Minuten ins  Hospiz  an der Bergstraße. Er und seine Schwester, die für diese Phase aus  den USA in die frühere Heimat zurückgekehrt ist,  loben die Pflege im Hospiz.  Das Personal kümmere sich liebevoll und habe auch einen guten Kontakt zum Vater aufgebaut. 

Im Garten gesungen

Daneben  schwärmt Alexandra Brock von der Stille am Straßdorfer Berg. An einem Abend, erzählt sie, sei sie mit ihrem Vater, der da gerade  in besserer Verfassung war, in den Klostergarten gegangen und beide haben beim Blick in den Himmel „Der Mond ist aufgegangen“ gesungen. „Es ist bestimmt traurig, dass der Papa auf seinem letzten Weg ist“ , sagt sie.  Sie habe auch schon im Raum der Stille im Hospiz geweint. Aber  die Einrichtung sei ein guter Platz für diesen letzten Weg - für  den Sterbenden und auch für die Angehörigen.   Er  fühle sich „trotz der furchtbaren Situation“ hier wohl, bestätigt Mathias Hübner. 

Dass ihr Vater im Hospiz sterben wird, ist beiden sehr klar.  „Der Weg wird zum Tod gehen“, sagt Mathias Hübner. Doch  die Umgebung und die Betreuung dort  böten die Möglichkeit, „die letzten Tage so schön wie möglich zu gestalten“.  Das sei gelungen - auch für den Vater: „Es tut ihm unheimlich gut.“ Da spielt vielleicht auch der Glaube eine Rolle. Sein Vater, in einem lutherischen Elternhaus aufgewachsen,  sei nie ein großer Kirchgänger gewesen, habe aber „einen Draht zu Gott“.  Und zwei Tage vor dem Umzug ins Hospiz  berichtete er von einem Nahtoderlebnis.  Seitdem, erzählt  Alexandra Brock, habe  der  Vater „keine Angst vor dem Sterben gehabt, aber Angst vor dem Weg dorthin“.  Diese Angst sei durch die Pflege im Hospiz genommen worden. „Es hat sich alles gefügt“,  fasst Mathias Hübner die Situation zusammen.  In der vergangenen Woche konnte die Familie sogar Hans Hübners 80. Geburtstag im Hospiz feiern. Ehrenamtliche Helfer  hatten  angeboten, Kuchen zu backen, und halfen beim Ablauf der Feier.   Vermutlich, so Mathias Hübner, „ist damit der letzte große Wunsch meines Vaters in Erfüllung gegangen.“

„Immer blöd“

Ist so ein langes Sterben für die Angehörigen nicht belastender als ein schneller Tod? Ein längerer Weg hin zum Ende habe seine Vorteile,  meint Alexandra Brock: „Man hat Zeit, abzuschließen, zu ordnen, sich zu verabschieden“.  Und auch die Kinder könnten sich in guten Phasen noch mit dem Vater aussprechen, ihm etwas zurückgeben. Der Weg ins Hospiz ist für die Gäste, wie sie dort heißen,  der Weg zum Tod. 

Doch für die Kinder ist dieser Schritt  auch die Erkenntnis, dass sie wohl die nächste Generation sein werden,  die diesen Weg gehen muss. Darauf angesprochen lacht  die 54-jährige Alexandra Brock auf und sagt: „Sterben ist ja immer blöd.“   Doch auch sie hat den Gedanken schon gehabt. Der 49-jährige Bruder bestätigt ebenfalls, dass  man sich in dieser Situation der eigenen Endlichkeit bewusst werde:  „Man setzt sich mit dem eigenen Leben auseinander.“ 

Wer das Kloster-Hospiz unterstützen möchte, kann dies zum Beispiel durch eine Dauerspende tun. Spendenkonto: IBAN: DE94 6145 0050 1001 1333 53 Kreissparkasse Ostalb.

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