Den Wirten fehlt die Perspektive

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Vorerst bleibt auch auf dem Gmünder Marktplatz aufgestuhlt. Die Öffnungsperspektive für Wirte ist aktuell vom Tisch.
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Der Ministerpräsident hat dem für kommenden Montag in Aussicht gestellten Öffnungsschritt eine Absage erteilt. Wie Gastronomen im Gmünder Raum darauf reagieren.

Schwäbisch Gmünd

Gastronomen sind "verzweifelt", sagt Dagobert Hämmerer, der Vorsitzende des Hotel– und Gaststättenverbands Dehoga im Ostalbkreis: "Uns fehlt komplett die Perspektive." Die Ministerpräsidentenkonferenz hatte den Wirten Anfang März in Aussicht gestellt, dass sie ab 22. März die Außengastronomie öffnen dürfen. Besucher sollten bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 allerdings einen negativen Corona-Test vorlegen und reservieren müssen. Bei einer Inzidenz unter 50 sollten Test- und Terminpflicht entfallen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat diesem Öffnungsschritt für kommenden Montag nun eine Absage erteilt: "Die aktuelle Lage ist derart dynamisch, dass wir unsere Maßnahmen an diesem Infektionsgeschehen ausrichten müssen. Auf dieser Grundlage sind weitere Öffnungen derzeit unrealistisch und nicht sinnvoll."

Testpflicht nicht praxistauglich

Diese Ansage kam für viele Gastronomen nicht überraschend, weiß Hannes Barth, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Pro Gmünd. Seitdem die Inzidenz im Ostalbkreis auf über 50 gestiegen ist, war für ihn ohnehin klar, dass er seine drei Lokale nicht öffnen wird. Denn eine Testpflicht zu kontrollieren, das funktioniere in der Praxis nicht. Die Gastronomie brauche vielmehr eine langfristige Öffnungsperspektive – wetterunabhängig für innen und außen, fordert er. Ziel sei gewesen, zu Ostern am 4. April zu öffnen. Doch solange die Entscheidungsträger alles von der Inzidenz abhängig machen, sehe er dafür schwarz. Es sei klar, dass die Inzidenz steigt, weil jetzt mehr getestet wird. Doch viel wichtiger als die Inzidenz sei die Frage, wie viele Menschen durch Corona gefährdet sind und wie die Lage in den Kliniken ist.

Auch Dagobert Hämmerer fordert, andere Faktoren als die Inzidenz als Entscheidungsgrundlage heranzuziehen. Dringend, denn die Lage für die Gastronomie und die Hotellerie sei ernst. Seit Dezember kämen dort keine Hilfsleistungen mehr an: "Drei Monate ohne Geld, aber mit Fixkosten", fasst er zusammen.

Tübingen als Vorbild

Das hört Carmen Bäuml von der Stadtverwaltung als Ansprechpartnerin für die Gastronomen auch von anderen Wirten. Im Hinblick auf 22. März hätten ein paar bei ihr angefragt, wie sie voraussichtlich ab Montag öffnen dürfen. Und auch, ob die Stadt nach dem Vorbild Tübingens die Schnelltests ausweitet, damit negativ getestete Bürger mit einer Bescheinigung in die Lokale und Geschäfte dürfen. In Tübingen laufe ein vom Land genehmigtes Pilotprojekt, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann dazu. Tübingen habe mit den diese Tests begleitenden Laboren und der Universität die perfekte Infrastruktur dafür. Die Stadt Schwäbisch Gmünd verfolge das Pilotprojekt aufmerksam, zumal Oberbürgermeister Richard Arnold mit den Oberbürgermeistern von Tübingen und Schorndorf in regem Austausch stehe. Er hoffe, dass die Tübinger Strategie aufgeht und das Land diese daraufhin flächendeckend anwenden wird, sagt Markus Herrmann.

Vorerst gilt jedoch abzuwarten, was die Ministerpräsidenten am Montag, 22. März, bei ihrer nächsten Konferenz hinsichtlich der Öffnungen beschließen.

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