Gmünder Feuerwehrkommandant: „Der Abbau der Sirenen war ein großer Fehler“

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Ein Relikt aus alter Zeit - und zugleich möglicher Baustein eines umfassenden Warnkonzepts für die Zukunft: Im Bild die Sirene auf dem Dach des ehemaligen Bezirksamts in Degenfeld.
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Nur in Degenfeld steht noch eine: Können Sirenen in Zukunft wieder eine wichtige Rolle als Warninstrumente bei Katastrophen spielen?

Schwäbisch Gmünd

Zurück in die Zukunft? Einst abgebaut, könnten Sirenen in Gmünd bald wieder ein Comeback haben - als Teil eines Warnsystems, mit dem die Stadt die Menschen zuverlässig und schnell vor herannahendes Katastrophen warnen kann.

Starkregen und Hochwasser haben das neue Nachdenken über eine alte Technik angestoßen: In Gmünd unter anderem das Hochwasser von 2016, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen. Und nun die Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Kann das altmodische scheinende Warnsystem Sirene eine Hilfe sein? „Ja“, sagt Markus Herrmann, der Stadtsprecher, „die Verwaltung befürwortet das ganz klar.“ Man sei „dran an dem Thema“, sagt er.

Einfach auf Bestehendes zurückgreifen, geht nicht. Viele Gemeinden haben nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in den 90er-Jahren begonnen, die Sirenen, die ihnen der Bund überlassen hatte, außer Betrieb zu nehmen und abzubauen. „Ich denke, dass das ein großer Fehler war“, sagt Gmünds Feuerwehrkommandant Uwe Schubert, „aber man hat bei den Sirenen wohl vor allem den Bezug zum Krieg hergestellt“ - und die zivilen Zwecke außer acht gelassen. In Gmünd gibt es aktuell nur noch eine Sirene: in Degenfeld auf dem Dach des ehemaligen Bezirksamt. „Die ist voll funktionstüchtig“, versichert Schubert.

Der wichtige Punkt ist: Wie kombiniert man verschiedene Warninstrumente?“

Markus Herrmann,, Stadtsprecher

Nachts bringt Warn-App nichts

Das aktuelle System ohne Sirenen scheint verbesserungswürdig, die moderne Technik hat Tücken und Grenzen. Markus Herrmann erinnert sich an den Probelauf am bundesweiten Warntag im September 2020. „Da haben die ganzen Apps im Grunde nicht funktioniert. Ich habe auch welche drauf – und habe keine Warnung bekommen.“ Eine Sirene hingegen, „die funktioniert einfach“. Auch nachts, wenn Menschen im Tiefschlaf keine Warn-Apps auf dem Handy im Blick haben.

Sirenen, die transportabel sind

Und wie könnte ein modernes Warnsystem mit Sirenen aussehen? Anders als vor 50 Jahren auf jeden Fall, mobiler und als Teil eines größeren Warnkonzepts für die Bevölkerung. „Eine Sirene muss ja nicht auf dem Dach sein“, sagt Herrmann. „Es gibt auch Fahrzeuge, auf die man Sirenen montieren kann, dann kann man direkt in gewisse Gebiete fahren.“ Die Stadt werde in diesem Jahr noch zwei solcher Fahrzeuge anschaffen.

Die Sirenen selbst sind nicht billig. „Wenn wir von Gmünd reden, dann sind das gleich mehrere 100 000 Euro“, sagt Hermann. Am Thema dran sein, heißt für die Stadt auch, nach Geld Ausschau zu halten: „Wir sind am Suchen, ob es Fördermittel gibt.“ Der Bund habe mehr als 80 Millionen Euro an Mitteln in Aussicht gestellt, weiß Markus Herrmann.

Mit Sirenen allein ist es dann aber nicht getan: „Der wichtige Punkt ist: Wie kombiniert man verschiedene Warninstrumente?“ Hermann nennt einige Überlegungen: „Wenn im Anschluss an die Sirene Durchsagen der Feuerwehr erfolgen.“ Oder mit einem Verweis auf Apps oder wenn der Bevölkerung vorher klargemacht wurde, beim Ton von Warnsirenen auf die Städtische Homepage zu schauen.

Was, wenn der Strom ausfällt?

„Und was, wenn wie beim Hochwasser an der Ahr der Strom ausfällt?“, das sei noch eine wichtige Frage, so Herrmann. „Man muss auch analoge Infos bieten“, findet er – und fügt hinzu: „Es wird auf jeden Fall komplex.“

Der nächste Warntag kommt 2022

Im September: Der erste bundesweite Warntag war am 10. September 2020. In diesem Jahr gibt es keinen solchen Tag; der nächste gemeinsame Warntag von Bund und Ländern soll im September 2022 stattfinden.

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