Der bekannte Fremde aus der Postgasse

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Costal, Akkordeon, Postgasse
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Ein Mann, ein Akkordeon und immer gute Laune. Costel, der Akkordeonspieler kommt extra zu den Markttagen nach Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Ein eisiger Wind pfeift durch die Gasse, doch der Mann mit dem Akkordeon hält die Stellung, auch wenn das Thermometer an manchen Tagen ins Bodenlose fällt. Eine beschwingte Polka oder auch mal die schöne blaue Donau von Johann Strauß klingt an den Markttagen, mittwochs und samstags durch das Gmünder Postgässle. 

Auf einem kleinen Hocker sitzt er mit seinem großen Schifferklavier, den Kopf hin und her wiegend, vor ihm ein rotes Schälchen, in das ab und zu mit einem „Pling“ Geldstücke fallen. Dann nickt er kurz zum Dank, lächelt freundlich und spielt, ganz in seine Musik versunken, weiter.

Der Akkordeon-Mann, sein Name ist „Costel„, ist mit seinen 60 Jahren schon viel herumgekommen. Der gebürtige Rumäne macht Musik seit er sieben Jahre alt ist. Schon damals, als kleiner Bub, spielte er für Freunde, Verwandte und alle, die an seiner Musik Freude hatten. Später lebte er viele Jahre in Italien und anschließend in Spanien. Immer begleitet von seiner Musik. Seit vier Jahren wohnt er mit seiner Frau in Stuttgart. Inzwischen spielt er fünf Tage die Woche in den unterschiedlichsten Ecken der Landeshauptstadt. „Manche Leute bleiben stehen, hören eine Weile zu, manche werfen im Vorbeilaufen etwas in das Kässchen, andere gehen vorbei und wieder andere kommen und wollen sich mit mir unterhalten“, erzählt er. Das mache er dann auch sehr gerne, von allen Sprachen spricht er ein paar Brocken, und natürlich immer die Universalsprache, die Musik. „Mein Leben sind die Musik und die Menschen“, schwärmt er, „und von der Musik konnte ich auch bisher immer leben.“ Costel liegt viel daran, sich nicht aufzudrängen: „Ich will niemanden stören, sondern einfach Musik machen.“ Dabei sei die Musikauswahl gar nicht so wichtig, er spiele bekannte Stücke aus allen Ländern. Solche, die die Menschen kennen.

Überwiegend musiziere er in den Straßen und Gassen in Stuttgart, aber mittwochs und samstags, da setze er sich immer in den Zug und fahre schon in aller Frühe nach Schwäbisch Gmünd. Die Markttage in Gmünd mag er am liebsten. Aber es ist ihm auch sehr wichtig, dass die Gmünder erfahren und wissen, wie unheimlich gerne er hier ist: „Weil ich diese Stadt so wunderschön finde und weil die Leute hier so „tranquillo,“ so ruhig und friedlich sind,“ lacht er.

Viele fragen sich, warum er denn immer an den schattigsten Plätzen sitze, wo es vor allem in den Wintermonaten sehr ungemütlich ist. Das erklärt er mit den Vorgaben der Stadtverwaltung.  Denn auch wenn Städte gerne ihre Straßen mit Kultur und Leben füllen wollen, wissen sie aber genauso so, dass sich manche dadurch gestört fühlen könnten. Deshalb seien es die Auflagen der Verwaltungen, die Plätze alle 15 bis 20 Minuten zu wechseln. Einzelne Male sei es auch schon vorgekommen, dass sich Ladeninhaber beschwert haben. Dann packe er einfach seine paar Sachen zusammen und ziehe ein paar Häuser weiter. Böse ist er deshalb niemandem. „Es gibt leider nicht nur Plätze an der Sonne“, scherzt Costel, „wichtiger ist die Sonne im Herzen!“ An den ganz kalten Tagen könne man das Akkordeon auch mit Handschuhen an den Fingern bespielen und die Mütze etwas tiefer in die Stirn ziehen. „Außerdem habe er auch immer warmen Tee dabei.“

Wenn man ihn fragt, was er sich denn für die Zukunft wünsche und wie lange er noch Musik machen möchte, lacht er: „So lange ich Spaß habe, die Finger funktionieren und ich gesund bleibe.“

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