Der erste Schultag nach drei Monaten Homeschooling

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Cosima Wölz mit ihrem Sohn Silas und Hund Shiva.
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Nach drei Monaten Homeschooling wegen der Corona-Pandemie sind am Montag die Erst- und Drittklässler wieder an die Grundschulen zurückgekehrt. Beispiele aus Tag eins.

Schwäbisch Gmünd

Silas Wölz ist sieben Jahre alt und wohnt in Heubach. Am Montag durfte der Erstklässler nach drei Monaten Homeschooling erstmals wieder in seine Klasse. Silas besucht die Breulingschule in Lautern. Von 8.45 bis 10.30 Uhr hat er in dieser Woche täglich zwei Stunden Unterricht. Montags und dienstags fährt ihn sein Papa, an den anderen Tagen ist seine Mama Cosima Wölz dran. Die Woche drauf ist Homeschooling angesagt. Wie die Familie das organisatorisch hinkriegt? "Ohne Kurzarbeit wäre die Betreuung nicht denkbar", berichtet Cosima Wölz. Sie und ihr Mann arbeiten beide bei Bosch in Gmünd – derzeit im Wechsel. "Mit Urlaub und Abbau von Gleitzeit haben wir bis Ende April überbrückt", sagt sie. Seit Mai mit Kurzarbeit. Die Großeltern würden sicherlich im Notfall aushelfen, aber alle seien über 70 Jahre alt und zählten somit zur Risikogruppe.

"Einerseits sind wir froh über die 90 Minuten Unterricht am Tag", sagt Cosima Wölz. Sie freut sich für ihren Sohn, der seine Freunde vermisst hat. Und sie freut sich, dass ein bisschen Normalität einkehrt, dass sich geschulte Pädagogen um ihn kümmern, weil Homeschooling in den vergangenen Wochen von der Motivation her zunehmend schwieriger geworden sei. Aber: "In der kurzen Unterrichtszeit können wir nicht arbeiten gehen." Besser fände sie es, wenn eine Woche regulärer Unterricht wäre und eine Woche nicht.

Beispiel zwei: Familie Wurmbrand. Die beiden Kinder Carla und Julius dürfen täglich von 7.30 bis 13.30 Uhr in die Notbetreuung. Mutter Sanja ist Erzieherin, Vater Holger kann bei Zeiss nicht so einfach auf Homeoffice umstellen. "Ohne Notbetreuung würde es nicht gehen", sagt Sanja Zeller-Wurmbrand, die in den Wochen vor den Pfingstferien ohne Notbetreuung am Limit war.

Beispiel drei: Familie Pfisterer. Nele ist in der ersten Klasse, Jule in der sechsten an der Realschule. Die Erstklässlerin hat zwei Schulstunden, die Realschülerin meist vier Stunden am Tag. Die Oma wohnt im Haus und schickt die beiden Mädchen rechtzeitig los und ist zuhause, wenn die Schule aus ist. Mama Ina Pfisterer arbeitet zu der Zeit. "Ohne Großeltern würde es nur schwer gehen", sagt sie. Ina Pfisterer ist froh, dass wieder ein bisschen Schule ist. Von den Lehrern der Realschule hätte sie sich in den vergangenen Wochen allerdings mehr Rückmeldung gewünscht. "Es gab keinen Kontakt seit Mitte März." Der wäre für die Motivation der Kinder aber wichtig gewesen.

Neue Infos Ende der Woche

So oder so ähnlich geht's momentan vielen Familien. An den Gmünder Schulen durften am Montag rund 900 Erst- und Drittklässler für zwei Stunden kommen. In der Woche drauf sind es rund 900 Zweit- und Viertklässler an den Grundschulen. Die Kinder seien sehr freudig in die Schule gekommen. Auch die Lehrer freuten sich auf den Unterricht, sagt Klaus Dengler, geschäftsführender Schulleiter der Gmünder Grundschulen. "Es steht aber außer Frage, dass die Regelung mit zwei Unterrichtsstunden pro Tag für viele Eltern keine Entlastung ist", berichtet er. Ob die Grundschulen Ende Juni weiter geöffnet werden, weiß Dengler noch nicht. Er rechnet bis Ende der Woche mit einer Erklärung seitens des Kultusministeriums. Neu sei, dass Lehrer, die zur Riskogruppe zählten, nun ein ärztliches Attest vorlegen müssten. Dies wertet Klaus Dengler als Schritt in Richtung einer weiteren Öffnung der Schulen. So lange die Abstandspflicht von 1,50 Meter bestehe, könne an vielen Grundschulen aber kein regulärer Unterricht laufen. "Es geht um die Frage: Wie viele Kinder darf ich wie lange in einem Raum unterrichten?", erläutert Dengler. Die Eltern könnten aber sicher sein, dass alle Schulen das Maximale an Unterricht ermöglichen werden. Wie viele Räume und wie viele Lehrer zur Verfügung stünden, sei unterschiedlich. Ob an allen Schulen in Gmünd die Unterrichtsstunden pro Kind gleich sein werden, lasse sich nicht sagen. Eher, dass es Unterschiede gebe. "Die größeren Schulen haben einen personellen und räumlichen Vorteil."

Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass die Schulen wieder für alle Schüler den Betrieb aufnehmen, sagt Simon Davis, Vorsitzender der Ortsgruppe Aalen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW. Kritisch steht er einer kompletten Öffnung gegenüber. "Es gibt ohnehin schon einen großen Lehrermangel – hier werden Defizite der letzten Jahre deutlich." Wenn man davon ausgehe, dass eine erhebliche Zahl zur Risikogruppe gehöre und nicht in der Schule präsent sein dürfe, sei klar, dass die angestrebte vollständige Wiederaufnahme des Unterrichts fast unmöglich sein werde. Außerdem sei kritisch anzumerken, dass man als Lehrer in einem geschlossenen Raum mit Schülern einem erhöhten Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 ausgesetzt sei. Davis: "Die Abstandsregeln, die sonst überall gelten, werden in der Grundschule einfach außer Kraft gesetzt." Die Hygieneregeln, die im Alltag gelten, sollten aber auch Grundlage für das Vorgehen in den Schulen sein.

So läuft der Unterricht an den Grundschulen

Die Klassen: Sie werden laut Klaus Dengler in der Regel halbiert, sodass maximal 14 Kinder pro Gruppe gemeinsam unterrichtet werden.

Die Lehrer: An der Rauchbeinschule stehen ausreichend Lehrer zur Verfügung. Etwa 25 Prozent seien älter als 60 und zählten somit zur Risikogruppe. Sie unterrichteten jedoch freiwillig. Klaus Dengler: "Die Situation ist an den kleineren Gmünder Grundschulen teilweise prekär, und es ist dort sehr schwierig, den Unterricht gemäß den Vorgaben (zehn Unterrichtsstunden wöchentlich, halbierte Klassen) zu organisieren. Unter anderem auch, weil parallel zum Unterricht die Notbetreuung an den Schulen gewährleistet werden muss.

Der Unterricht: Im Unterricht tragen die Kinder keine Masken. An den Gmünder Grundschulen tragen die Schüler welche auf den Fluren und in den Treppenhäusern. Die Klassenzimmer sind zu Unterrichtsbeginn offen, sodass die Kinder nach Ankunft in der Schule sofort ins Zimmer gehen und sich nicht auf den Fluren aufhalten. me

Tag eins für die Grundschüler an der Gmünder Rauchbeinschule: Sie dürfen diese Woche jeweils für 90 Minuten am Tag zum Unterricht ins Klassenzimmer.

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