Der große Kraftakt einer kleinen Stadtgemeinschaft

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Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd, um 1920.

Doktorarbeit beleuchtet die Entstehung des Heilig-Kreuz-Münsters. Vortrag am Donnerstag.

Schwäbisch Gmünd. Das Heilig-Kreuz-Münster ist nicht nur das bekannteste Wahrzeichen von Schwäbisch Gmünd, sondern als erste große Hallenkirche Süddeutschlands und erstes großes Werk der Baumeisterfamilie Parler auch ein Baudenkmal von internationaler Bedeutung. Geplant und gebaut seit Beginn des 14. Jahrhunderts und nach einigen Verzögerungen und Rückschlägen 1521 fertiggestellt, sticht das Gmünder Münster nicht nur durch seine bis heute bemerkenswerte Größe, sondern auch durch die hohe Qualität seiner architektonischen und künstlerischen Gestaltung hervor.

Diese Merkmale sind umso erstaunlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass die Reichsstadt Gmünd im Spätmittelalter nur etwa 2500 bis 3000 Einwohner hatte. Vor diesem Hintergrund stellt sich der Bau dieser Stadtpfarrkirche als besonders herausragende Leistung der damaligen Bürgergemeinschaft und des Augsburger Domkapitels dar. Sie verkörpert einen über Jahrhunderte durchgehaltenen, organisatorischen und finanziellen Kraftakt, der von Glauben und Frömmigkeit, aber auch vom Repräsentationsbedürfnis der reichsstädtischen Bürgerschaft motiviert war.

Dieser kommunale Kraftakt ist seit 2020 Gegenstand der Doktorarbeit von Nadja Lang, Doktorandin am Institut für Europäische Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Nadja Lang untersucht einerseits die historischen Entstehungsbedingungen des Gmünder Heilig-Kreuz-Münsters. Dabei richtet sie ihren Blick insbesondere auf die zeitgenössischen Beziehungen von Pfarrgemeinde und Kirchenherren sowie auf die handelnden Personen, die für die Verwirklichung des Bauprojekts relevant waren. Zum anderen will sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Heilig-Kreuz-Münster und ähnlichen zeitgenössischen Bauvorhaben untersuchen. Denn auch andere reichsfreie und reichsunmittelbare Städte wie Ulm, Nürnberg oder Lübeck errichteten im Spätmittelalter große Pfarrkirchen, deren kunsthistorische Merkmale spannende Vergleichsmöglichkeiten eröffnen. Die Arbeit wird durch Professor Dr. Matthias Untermann betreut, einen renommierten Fachmann für spätmittelalterliche Sakralarchitektur, und durch die Stiftung Kessler + Co für Bildung und Kultur aus Abtsgmünd gefördert.

Nadja Langs Forschungsprojekt wird nun auf Einladung der Stadt Schwäbisch Gmünd und der Stiftung Kessler + CO für Bildung und Kultur in einer öffentlichen Vortragsveranstaltung am Donnerstag, 31. März, um 17 Uhr im Klösterlesaal der Gmünder Volkshochschule (VHS) der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Anmeldung unter Telefon (07171) 925150 ist notwendig.

Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Richard Arnold und kurzen Stellungnahmen der Stiftung sowie des Stadtarchivs wird Professor Dr. Untermann in einem Vortrag zum Thema „Stadt und Kirche im Mittelalter“ auf das Thema der Dissertation hinführen, bevor schließlich Nadja Lang selbst das Projekt in einem weiteren Vortrag vorstellt.

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