Der letzte Tag der Mohren-Apotheke

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Hölzerne Arzneikästchen, winzige Präzisionswagen und feingliedrige Glasgefäße: Apothekerin Eva-Maria Krieg (l.) und ihre Kollegin Daniela Sturm sichten das historische Inventar der Mohren-Apotheke.
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In dieser Woche ist eine Jahrhunderte alte Tradition erst einmal zu Ende gegangen: Die Mohren-Apotheke hat zugemacht. Eine Nachnutzung steht noch nicht fest.

Schwäbisch Gmünd. Punkt 14 Uhr waren mehr als 200 Jahre Tradition zu Ende: Die Mohrenapotheke am Marktplatz hatte am Donnerstag zum letzten Mal geöffnet. Es war ein ruhiger halber Tag. Wobei am Mittwoch mehr losgewesen sei als sonst, erzählen die Mitarbeiter - Abschiedsbesuche womöglich?

Wie es mit den traditionsreichen Räumen weitergeht, steht noch nicht fest: „Die Suche nach einer Nachnutzung läuft noch“, sagt der Hausbesitzer, der namentlich nicht genannt werden will.

Susanne Baumhauer, die Inhaberin der Apotheke, zieht nun mit ihrem Team das Warenlager und die technische Ausstattung um in die Paracelsus-Apotheke in der Weißensteiner Straße, wo auch die sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter beschäftigt werden.

Die Mohren-Apotheke wird erst einmal leer stehen, wie lange, ist offen. Der Hausbesitzer sagt, er strebe wieder eine Apotheke als Mieter an, er werde aber auch „andere Projekte“ prüfen. Bis Ende des Jahres gilt zunächst noch der Mietvertrag von Susanne Baumhauer. Die Inneneinrichtung wird weitgehend stehen bleiben. „Die Paracelsus-Apotheke ist ja voll eingerichtet“, sagt Baumhauer. Und dann überlegt die Apothekerin noch, was sie mit den vielen historischen Gefäßen, Behältnissen und Laboreinrichtungen der Mohren-Apotheke macht. Mitnehmen kann sie nicht alles; die Sachen wegwerfen, das mag sie sich nicht vorstellen. „Das sind schöne alte Sachen, zu schade für den Container“, sagt Baumhauer. „Vielleicht machen wir noch einen Tag der offenen Tür, an dem wir die Sachen verkaufen.“ Der Erlös könnte dann einer sozialen Einrichtung in Gmünd zugute kommen, sagt Baumhauer.

1763 vom Stadtbaumeister zur Apotheke umgebaut 

Das eigentliche Gebäude der Mohren-Apotheke stammt aus dem Mittelalter, wann es erbaut wurde, weiß man nicht. 1763 ist das Fachwerkhaus, im Auftrag von Franz Achilles von Stahl, durch Stadtbaumeister Johann Michael Keller zu einer Apotheke umgebaut worden. Die Bemalung stammt von Joseph Wannenmacher. Nachdem die Bemalung verloren gegangen war, wurde sie 1953 originalgetreu wiederhergestellt. 1988/1989 ist das Haus umfangreich saniert worden. 

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