Freiluftausstellung in Gmünd: Der Mundart auf der Spur

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Das Rätselbilder auf der Wäscheleine brachten in der Ledergasse immer wieder Passanten zum Stehen und Miträtseln - hier schaut sich Renate Nägele die von Christoph Markowetz gestalteten Bilder an.
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Mit der Freiluftausstellung „Schwäbisch auf der Wäscheleine“ bescheren die „Seitengässler“ in der Ledergasse den Passanten viel Spaß.

Schwäbisch Gmünd.

Hirnschmalz und Sicherheit im Dialekt waren die Grundvoraussetzung, die man als Passant mitbringen musste. Da zeigte sich bei der Ausstellung „Schwäbisch auf der Wäscheleine“ schnell, wer in der Mundart noch zuhause ist. Und wer doch ins Grübeln kam, erhielt nicht selten Unterstützung von anderen Menschen oder von der Begleitung.

Um was es konkret ging bei der Ausstellung? Um das Kombinieren unterschiedlicher Darstellungen, sie in Einklang zu bringen um schließlich eine schwäbische Redensart oder eine Bezeichnung herauszufinden beim „Bilderrätzl“, wie Initiator Christoph Markowetz erklärte. Die einzelnen Bilder flossen aus seiner Feder, beziehungsweise aus seinem Aquarellpinsel. Die Idee ebenso. Und so präsentierten sich am Samstag 25 unterschiedliche Bilderrätsel im DIN A 4-Format auf Blättern, die in einer Folie steckten, damit ihnen der Nieselregen nichts anhaben konnte. Dazu gab’s einen Zettel, in den man die herausgefundenen Begriffe und Redensarten eintragen konnte. Und, wo eine Lücke wegen Unwissenheit entstand, konnte der Interessierte diese mittels der Homepage der „Seitengässler“ schließen. Denn dort fanden sich die Lösungen.

Markowetz setzte sich immer wieder vor seiner Galerie der Sinne an einen Tisch und genoss die Beobachtungen. Denn die „Bilderrätzl“ auf der Wäscheleine, die zwischen Bäumen vor dem Laden in der Ledergasse gespannt waren, zogen neugierige Blicke an. Immer wieder blieben Fußgänger stehen und grübelten über die Darstellungen nach. Da wurde etwa der „Grasdaggl“ gesucht. Oder der Schraubazieher“. Auch das „Schäferstündle“ galt es zu erraten. Quasi im Vorübergehen übten sich die Besucher im Enträtseln. Und wechselten das ein oder andere Wort mit Christoph Markowetz. In den spontan entstehenden Dialogen gab es öfters anerkennende und lobende Wort für diese unterhaltsame, kleine Ausstellung. Und manches Mal das höchste schwäbische Lob, grinsend gesagt: „Bassd!“

Zwei weitere Ausstellungen

Wieder einmal zeigte sich, dass die Idee, das Engagement zählt. Und nicht die Summe, die für manches „Event“ ausgegeben wird. Niederschwellig, neugierig machend, zum Stehenbleiben inspirierend. Ganz nach dem Ansinnen des Erfinders, Christoph Markowetz. Was er erreichen möchte? Vor allem zwei Dinge. Nämlich zum einen, dass der schwäbische Dialekt den Stellenwert erhält, den er verdient. Und zum anderen, dass man auch mit wenig Aufwand und eigentlich zum Nulltarif etwas erreichen kann: Kommunikation und Vergnügen bieten. „Das Bildermalen hat mich nur Zeit gekostet. Und zudem Spaß gemacht“, schildert Markowetz. Und kündigt an, dass an den kommenden zwei Samstagen die Kleinausstellung „Schwäbisch auf der Wäscheleine“ im Buhlgässle und danach in der Franziskanergasse, Ecke Herzer, zu finden ist. Dann mit anderen „Bilderrätzln“, sonst wäre es ja langweilig.

Nützlicher Nebeneffekt ist, dass die Passanten stehenbleiben und sich mit der Lokalität und den dortigen Läden befassen. Nicht nur mit Blick aufs Handy durchhetzen. „Wir haben so schöne Ecken. Diese gilt es hervorzuheben, das Flair zu vermitteln“, argumentiert Markowetz. Doch dazu muss man eben stehenbleiben. Wozu „Schwäbisch auf der Wäscheleine“ anregt.

„Kunst und Kultur müssen nicht überkandidelt sein“, findet der „Seitengässler“, während wieder ein Pärchen mit neugierigem Blick auf den Bildern stehenbleibt. Ein „Voll guad!“ hallt zu ihm herüber. „Hend ses rausgfonda?“, will er gleich wissen. Und erntet ein Nicken. Diese Aktion kommt an, und sie ist zum Nulltarif – ganz im Sinne „von de Schwoba“.

Kunst und Kultur

Christoph Markowetz,, Organisator der „Bilderrätzl“

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