Der Schutz von Kindern geht vor

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Caroline Barth von der sozialpädagogischen Familienhilfe des Canisius-Hauses ist viel unterwegs, um Familien mit Schwierigkeiten daheim aufzusuchen.
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Caroline Barth von der sozialpädagogischen Familienhilfe erarbeitet mit Familien Wege, sich selbst zu helfen.

Schwäbisch Gmünd

Was braucht es, damit Familien alleine klar kommen? Um diese Frage dreht sich der Arbeitsalltag von Caroline Barth. Die 31-Jährige arbeitet bei der sozialpädagogischen Familienhilfe des Canisius-Hauses und begleitet Familien, bei denen das Jugendamt dies zum Schutz der Kinder für nötig hält.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Gewalt in der Familie, Drogensucht der Eltern, psychische Probleme, eine prekäre finanzielle Situation oder die Überforderung der Eltern aus anderen Gründen. Das zieht sich durch die gesamten Gesellschaftsschichten, erzählt Caroline Barth. So begleitet sie Familien, die mit vielen Kindern am Existenzminimum in einer Miniwohnung leben, genau wie gut betuchte Eltern mit einem Kind in großen Einfamilienhäusern. Das Alter der Kinder reicht dabei vom Säugling bis zum Teenager.

Durchgängig für die Familien da

Oft melden Lehrer, Erzieher oder Nachbarn dem Jugendamt, dass etwas mit einem Kind nicht stimmt, seltener seien es die Eltern, die selbst Hilfe suchen, erzählt Caroline Barth. Sie betreut derzeit acht Familien mit insgesamt 14 Kindern im Gmünder Raum. In der Regel ist sie zweimal pro Woche in jeder Familie. Daran ändere auch Corona nichts. "Wir waren durchgängig für die Familien da", erzählt die Sozialpädagogin – auch während der Lockdowns. Es sei schon komisch: Privat reduziere sie die Kontakte auf ein absolutes Minimum – und bei der Arbeit treffe sie auf viele Menschen. Doch "da geht es um Kinderschutz, den kann man nicht so einfach aussetzen", weiß die 31-Jährige. Sie selbst trägt bei ihren Besuchen FFP2-Maske, die Eltern und Kinder in deren Zuhause nicht. Eine große Erleichterung sei, dass sich die Mitarbeiter in der aufsuchenden Familienarbeit nun impfen lassen dürfen. Ihren ersten Impftermin hatte sie bereits, erzählt Caroline Barth.

Da geht es um Kinderschutz, den kann man nicht so einfach aussetzen.

Caroline Barth, sozialpädagogische Familienhilfe

Es gebe auch die Möglichkeit, den Kontakt zu den Familien per Videotelefon oder Telefon zu halten, wenn das Jugendamt dies genehmigt – etwa, wenn jemand in Quarantäne ist. Doch dabei bekämen die Sozialpädagogen nicht den Einblick, den es brauche, um den Familien zu helfen, sich selbst zu helfen, sagt sie. Mit diesem Ziel ist sie zu Beginn der Begleitungen in der Rolle der Beobachterin. Sie erlebt den Alltag mit, ergründet, wo die Probleme liegen. Ein Mittel dabei sei, dass Kinder ihre Familie in Form von Bauklötzen positionieren. Wer steht wo? Wer gehört dazu? Wer ist außen vor? Unter anderem daraus kann die systemische Beraterin Rückschlüsse ziehen.

Nach der Kennenlernphase erarbeitet sie mit den Eltern einen Hilfe-Plan. Dabei geht es um Fragen, wie: Welche Regeln gelten in der Familie? Wo liegen die Grenzen? Wie können die Familienmitglieder Konflikte lösen? Oder ganz konkret: Wie gelingt eine sinnvollere Freizeitgestaltung für die Kinder, die bereits im Kindergartenalter über Stunden vor dem Fernseher sitzen? Dabei hilft Caroline Barth auch, mit den Kindern deren Leidenschaften zu ergründen und einen Verein dafür zu suchen. Eltern geht sie bei Finanzfragen zur Hand, hilft beim Ausfüllen von Antragsformularen auf Sozialleistungen, wenn nötig, und berät sie anderweitig. Die Themenfelder sind so vielschichtig wie die Probleme in den Familien. So gleicht keine Arbeitswoche der Sozialpädagogin der anderen. Auch die Dauer der Begleitungen variiere, die Regel sei jedoch um die eineinhalb Jahre.

Besonders belastend findet sie Situationen, in denen ihr Besuch an dem Tag endet, ohne dass ein Konflikt gelöst ist. Oder wenn die Probleme das Wohl des Kindes gefährden und sie veranlassen muss, dass das Kind aus der Familie kommt. Der Austausch mit den Kollegen helfe, damit umzugehen. Momentan treffe sich das Team einmal in der Woche bei Onlinesitzungen, um Fälle zu besprechen. Doch die tägliche Zusammenarbeit im Büro fehle, weil die Sozialpädagogen derzeit ihre Dokumentationsarbeiten im Homeoffice erledigen.

Und was findet Caroline Barth bei ihrer Arbeit mit Familien besonders schön? Wenn irgendwann der Satz kommt: "Jetzt brauchen wir Sie nicht mehr", antwortet sie.

Ihr Herz schlägt für die Arbeit mit Familien

Dass Caroline Barth mit Kindern und Familien arbeiten will, stand für die Gmünderin schon als Jugendliche fest. So absolvierte sie nach dem Abitur am Gmünder Parler-Gymnasium ein Vorpraktikum im Mutter-Kind-Heim des Canisius-Hauses Sonnenhof auf dem Hardt. Es folgte ein Studium im Fach "Frühe Bildung" an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, wo sie den Bachelor und den Master ablegte. Danach arbeitete sie am Institut St. Loreto als Praxisdozentin für Lehrproben an Kindergärten. Seit 2016 ist die Sozialpädagogin in der aufsuchenden Familienhilfe des Canisius-Hauses tätig.

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