Der sichere Hafen gefällt

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Ministerin Marion Gentges beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, umgeben von Oberbürgermeister Richard Arnold (mit Amtskette), Geflüchteten, Stadträten und Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung.
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Die Ministerin für Justiz und Migration, Marion Gentges, besucht die Gemeinschaftsunterkunft auf dem Hardt.

Schwäbisch Gmünd

Deepak Bawa aus Indien ist schon vor Jahren hier angekommen, sieht Schwäbisch Gmünd heute als Heimat und lebt Integration auch als Mitwirkender der Staufersaga. Anna Shlienienkova musste die Ukraine verlassen und lebt erst sein wenigen Wochen hier, strebt nach einer Beschäftigung im medizinischen Bereich und nutzt einen Turbo-Kurs, um rasch Deutsch zu lernen. Diese und viele weitere Schicksale begegnen der baden-württembergischen Ministerin für Justiz und Migration, Marion Gentges, beim Besuch in der Gemeinschaftsunterkunft an der Oberbettringer Straße. Auf eigenen Wunsch ist sie am Mittwoch nach Schwäbisch Gmünd gekommen, mit Lob im Gepäck. Lob für den „Gmünder Weg“ und Oberbürgermeister Richard Arnold und den Umgang mit Geflüchteten. Lob für die Stadt, die sich als eine von 41 Kommunen für das Programm „Sichere Häfen“ angemeldet hat. Und die nur eine von drei Städten ist, die einer zusätzlichen Aufnahme Geflüchteter über die geforderte Quote hinaus nachkommt. Mehr noch: auch der Ostalbkreis und Landrat Dr. Joachim Bläse seien vorbildlich. Der Kreis habe – obwohl er gar nicht zum Kreis „Sichere Häfen“ zählt, zusätzliche Unterstützung angeboten.

Stadträte sind dabei, Vertreterinnen und Vertreter von Kreis und Stadt, als sich Marion Gentges im Schulungsraum der Gemeinschaftsunterkunft – an der Tafel sind noch deutlich die Spuren eines zuvor abgehaltenen Deutsch-Kurses zu sehen – ins Goldene Buch der Stadt einträgt. Im Anschluss lässt sie sich über die Einrichtung informieren, Katja Rettenmeier führt durch die Häuser, bringt die Ministerin mit Bewohnern ins Gespräch und weist auf die Vorteile der 2016 bezogenen Räume hin. Durch die Aufteilung auf vier separate Gebäude lasse sich die Privatsphäre der zurzeit 72 dort lebenden Menschen besser wahren. In zwei Häusern leben Familien und allein angekommene Frauen, in den weiteren Gebäuden allein stehende Männer. „Menschen aus aller Welt“, sagt sie. Und Oberbürgermeister Richard Arnold zeigt auf, wie die Gemeinschaftsunterkunft ins Stadtleben integriert ist und noch wird. Etwa durch den neuen Freizeitpark, der gleich nebenan am 3. Juli eröffnet wird, dazu kommen der neue Biodiversitätspfad und der Wildpflanzenpark. Sie verbinden das Hardt mit der Oststadt.

Eine „große Herausforderung“ sieht die Ministerin durch den Krieg in der Ukraine, innerhalb von nur drei Monaten habe das Land 108 000 Geflüchtete aufgenommen, mehr als es bei der Flüchtlingswelle 2015 im ganzen Jahr waren. Richard Arnold berichtet von fast 800 Menschen aus der Ukraine, die in Schwäbisch Gmünd einen sicheren Hafen gefunden haben. „Und fast alle leben in privaten Unterkünften“ so der Oberbürgermeister. Das gelte auch für die in Kürze hier eintreffenden Waisenkinder aus der Ukraine. Eine schnelle Integration wünscht sich Hannes Barth. Der Stadtrat und Pro-Gmünd-Vorsitzende spricht die Ministerin auf ein Problem an, das rascher Beschäftigung entgegen stehe. Weil Geflüchtete jetzt Hartz IV-Bezüge erhalten, würde zusätzlicher Verdienst zum großen Teil wieder einkassiert. Beschäftigung lohne sich also nicht. Die sozialen Sicherungssysteme müssten der Zeit angepasst werden, meint auch Richard Arnold. Sie seien zu Zeiten verstärkter Arbeitslosigkeit geschaffen worden, jetzt herrsche aber Arbeitskräftemangel. Anregungen, die Marion Gentges ähnlich sieht, die sie aus dem Gmünd-Besuch mit nach Stuttgart nimmt.

Menschen aus aller Welt.“

Katja Rettenmeier,, Leiterin Gemeinschaftsunterkunft

Geplant mit Ideen von Geflüchteten

Die neue Gemeinschaftsunterkunft auf dem Hardt wurde 2016 bezogen. Zuvor waren Geflüchtete in einem ehemaligen Kasernengebäude auf der anderen Seite der Oberbettringer Straße untergebracht. Der Neubau besteht aus vier Häusern und soll wie ein kleines Dort wirken. Geflüchtete konnten damals ihre Ideen in die Planung einbringen. <Tab/> kust

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