Deutsche Wirtschaft soll weiter auf Export setzen

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Bundesbank-Vorstandsmitglied Burkhard Balz bei seiner Rede. In der ersten Reihe Inge Gräßle und daneben Rudolf Böhmler. Foto: Tom
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Vorstandsmitglied Burkhard Balz sieht trotz mehrerer Krisen auch Chancen für Deutschland.

Schwäbisch Gmünd. Gleich mehrere Krisen setzen Deutschland gehörig unter Druck, werden auch in den nächsten Jahren die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben. So sieht Burkhard Balz, Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank, die Lage. Seiner Ansicht nach wäre es jedoch ein Fehler, nun die Globalisierung aufzugeben. Deutschland müsse weiterhin an seiner Exportstärke arbeiten.

Das sagte der „Außenminister der Bundesbank“ am Montag im Rokokoschlössle des Stadtgartens, wohin ihn die Gmünder CDU-Bundestagsabgeordnete Inge Gräßle eingeladen hatte. Sie hatte den Vortrag und eine Diskussion mit Vertretern der Wirtschaft organisiert. Schließlich gäben die unsicheren Zeiten genügend Diskussionsstoff.

Balz bestätigte, dass die Reihung der Krisen und Herausforderungen Deutschland zu schaffen mache. Die Pandemie ist nach seiner Überzeugung nicht vorbei, sie mache nur in paar Monate Pause. Die Inflation wirke weiter. Hinzu kämen Herausforderungen wie der Klimaschutz und die Digitalisierung. Und natürlich der Ukraine-Krieg. „Wir sehen weitere Abwärts-Risiken für unsere Konjunktur“. Er ordnete die Risiken jedoch auch ein: Für Deutschland die nach Corona erhoffte Erholung schwächer aus, aber sie falle nicht komplett aus. Als Lehre aus diesem Krieg müsse Deutschland Abhängigkeiten von einzelnen Staaten vermeiden oder reduzieren, die Wirtschaft müsse ihre Lieferwege differenzieren.

Besorgt beobachtet die Bundesbank auch die Inflation, die nach ihrer Einschätzung zumindest mittelfristig nicht auf das Niveau wie vor der Corona-Krise sinken werde. Balz ist überzeugt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli eine erste Zinsanhebung beschließen wird, um der Inflation entgegenzuwirken. Es würden weitere Anhebungen folgen, die jedoch eher mittelfristig wirken werden. Die Folgen seien für die exportorientierte deutsche Wirtschaft nicht abzusehen.

Auch die Bankenbranche steht vor Umwälzungen. Das bargeldlose Zahlen sei massiv angestiegen, zudem prüfe die EZB die Einführung des digitalen Euro. Der hat nach Überzeugung des Bundesbank-Vorstands Potenzial, aber auch Risiken. Zum Beispiel könnte er die Einlagen bei Banken und Sparkassen ersetzen. Nach Burkhard Balz' Überzeugung sollte das in Deutschland bewährte dreigeteilte Bankensystem erhalten werden. Im Übrigen ist er überzeugt, dass auch das Bargeld noch lange erhalten bleiben wird. Unter den Zuhörern war auch Rudolf Böhmler, früher selbst Bundesbank-Vorständler. Auf dessen Frage berichtete Balz, dass Cyber-Angriffe für die Wirtschaft zu einem wachsenden Problem werden. Allein auf die Bundesbank gebe es täglich solche Angriffe im mehrstelligen Bereich.

Viele Fragen der Zuhörer zeigten auch die Sorgen der Bürger über die derzeitige Lage. Woher zum Beispiel das viele Geld komme, das die deutschen Politiker derzeit verteilen. Balz bestätigte sehr hohe Staatsausgaben, verwies aber auch auf Rekord-Steuereinnahmen. Unter andere, ergänzte Inge Gräßle, nimmt der Staat derzeit von jedem an deutschen Tankstellen gezapften Liter Sprit 1,46 Euro Mineralölsteuer ein. Ein Problem, das die Bundesbank intensiv beobachtet, sind die Tarifrunden. Sie hoffe auf das Verantwortungsbewusstsein der Tarifpartner. Er zeigte aber auch Verständnis, dass die Arbeitgeber einen Ausgleich für den Inflationsverlust wollen.

Im übrigen setzt Burkhard Balz weiterhin auf den Erfindungsreichtum der deutschen Wirtschaft. Um dieser Wirtschaft zu helfen, müsse aber über geregelte Zuwanderung gesprochen werden und müssten Frauen mehr Karrierechancen eröffnet werden. Wolfgang Fischer

Es begann mit einer Lehre zum Bankkaufmann

Burkhard Balz ist seit September 2018 Mitglied im Vorstand der Bundesbank. Seine berufliche Laufbahn hatte der 1969 geborene Nordrhein-Westfale mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann begonnen. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften folgten weitere Tätigkeiten bei der Commerzbank, bevor er 2009 für die CDU ins Europa-Parlament einzog. Ab 2014 war er dort finanzpolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft und Währung. Im Vorstand der Bundesbank ist er für die Bereiche Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme, ökonomische Bildung, Hochschule und internationalen Zentralbankendialog zuständig.

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