Die Abhängigkeit durchbrechen

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Natalie Andraschko demonstriert an Robert Klokers Ohr die Akupunktur. Interessierte Zuschauer sind (hinten v. l.) Monika Mayer, Markus Mengemann, Dr. Klaus Riede und Sarah Villforth.
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Die Psychosoziale Beratungsstelle der Caritas Ostwürttemberg bietet neue Methoden der ambulanten Behandlung an.

Schwäbisch Gmünd

Das Glas Bier zum Abendessen, die Zigarette bei Stress am Schreibtisch, die Tablette gegen Prüfungsangst - das alles muss keine Folgen haben, hat es aber oft, wenn es zur Abhängigkeit führt. Der Gmünder Arzt Dr. Klaus Riede schätzt, dass mehr als jeder dritte Mensch in Deutschland ein Suchtproblem hat. Die Suchtberatung der Caritas in Ostwürttemberg stellte nun neue Behandlungsmethoden dagegen vor.

Rund 300 Menschen pro Jahr finden den Weg zu einer der Caritas-Beratungsstellen in Gmünd und Aalen, sagt Monika Mayer, Leiterin der Caritas-Suchthilfe in der Region. Regionalleiter Markus Mengemann ergänzt, dass die Zahl der Hilfesuchenenden in der Corona-Pandemie eher größer geworden ist. Meist seien durch eine Suchterkrankung auch Partner und Angehörige betroffen, auch für sie gibt es Angebote. Robert Kloker, der Dekan des katholischen Dekanats Ostalb, bewertet die Arbeit der Caritas-Suchtberatung als „praktische Nächstenliebe“. Das Dekanat unterstütze deshalb diese Arbeit auch finanziell.

Die Behandlung einer Suchterkrankung muss nicht immer stationär erfolgen. Auch die ambulante Rehabilitation, die die Caritas anbietet, habe sich als sehr effektiv erwiesen, so Monika Mayer. In einer Befragung ein Jahr nach Abschluss der Reha hätten 90 Prozent der Befragten angegeben, abstinent zu sein. Wer nach Abschluss der Behandlung wieder rückfällig wird, hat die Möglichkeit, sehr zeitnah wieder in das Programm aufgenommen zu werden. Und wer sich nicht sicher ist, kann die Reha auch zwei Monate lang mal „ausprobieren“.

Die ambulante Reha dauert in der Regel ein Jahr, die Betroffenen können sie neben dem Berufs- und Familienleben her absolvieren. Behandelt werden nicht nur die Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen, sondern auch von Tabak, Glücksspiel oder Medien. Ein zentrales Ziel ist, dass sich die Gedanken der Betroffenen nicht mehr ausschließlich um das Suchtmittel drehen.

Dazu kann die Caritas nun zwei neue Angebote machen:

Die Sucht-Akupunktur soll das Sucht-Verlangen mindern und ausgleichend wirken. „Das ist kein Hokuspokus“, sagt Natalie Andraschko, die diese Behandlung anbietet. Mit der Platzierung der Nadeln an fünf Punkten im Ohr würden zum Beispiel sich im Kreis drehende Gedanken durchbrochen. Vor allem Menschen mit großen Ängsten profitierten davon, so Andraschko.

Sarah Villforth bietet bei der Caritas künftig ein Achtsamkeitstraining nach dem Konzept MBSR (mindfull based stress reduction, auf deutsch etwa achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) an. Die Suchttherapeutin berichtet, dass das wissenschaftlich gut erforschte Konzept den Patienten helfe, Gedanken und Körper wieder bewusster wahrzunehmen, auch den Umgang mit unangenehmen Gefühlen schule. Die Acht-Wochen-Kurse mit sehr einfachen Übungen sollen auch für Angehörige geöffnet werden.

Neu ab nächstem Jahr bietet die Caritas auch eine Rauchentwöhnung, berichtet Dr. Klaus Riede, selbst ehemaliger Raucher. Er untersucht die Teilnehmer der ambulanten Reha bei Beginn und Ende der Maßnahme. Seiner Ansicht nach sollten Alkohol und Nikotin in der Bevölkerung stärker als Alltagsdrogen wahrgenommen werden. Immerhin sei Sucht „eher das Normale“. Jeder durchschnittliche Mann überschreite die Grenze des Unbedenklichen, wenn er jeden Abend nur ein Glas Bier trinkt.

Das ist kein Hokuspokus.“

Natalie Andraschko , über Akupunktur
  • So kommt manzur Beratung
  • Kontakt zur Caritas-Suchtberatung:
    In Gmünd: Telefon 07171/1042020, Mail psb.schwaebisch-gmuend@caritas-ost-wuerttemberg.de.
    In Aalen: Telefon 07361/8064260, Mail psb.aalen@caritas-ost-wuerttemberg.de

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