Die Arbeit des Klosters lebt im Hospiz

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Blicken dankbar und zufrieden auf ein Jahr Hospiz im Kloster der Franziskanerinnen: (v.l.) Schwester Benedicta, Dr. Klaus Riede, Magdalene Goldbach und Manfred Welzel. Foto: Tom
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Wie Schwester Benedicta, Magdalene Goldbach, Dr. Klaus Riede und Manfred Welzel auf ein Jahr Hospiz im Kloster der Franziskanerinnen schauen.

Schwäbisch Gmünd

So nah am Tod, Wand an Wand.“ Für die Schwestern im Kloster der Franziskanerinnen war's seinerzeit ein hartes Ringen. Deshalb habe es auch drei bis vier Monate gedauert, bis sie sich für ein Hospiz in ihrem Kloster entschieden hatten. Denn, so sagt Schwester Benedicta, das Kloster ist ein Ort, an dem Leben und Sterben geschieht.

Seit einem Jahr gibt es das Hospiz im Kloster an der Gmünder Bergstraße inzwischen. In diesem Jahr hatte das Hospiz 89 Gäste, die dort verstorben sind, sagt Magdalene Goldbach, die das Hospiz seit Anfang Juli leitet. In diesem Jahr habe sich viel entwickelt, auch weil die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase herausfordernd ist. Dies beginnt bei den Mitarbeitern, 28 hauptamtlichen, die sich 18 Vollzeitstellen teilen. Und 29 ehrenamtlichen. „Sie wachsen durch ihre Aufgabe zusammen“, sagt Goldbach. Von Anfang an war das Interesse an der Mitarbeit groß. Dann gab es aber immer wieder Mitarbeiter, die spürten, dass die Arbeit im Hospiz nichts für sie ist - ob nun als Hauptamtliche im Alltag im Hospiz oder als Ehrenamtliche bereits bei der einjährigen Ausbildung. Es gehe dabei darum, sich auf die Menschen einlassen zu können, sie nicht nur zu versorgen, sagt Manfred Welzel, Geschäftsführer bei den Franziskanerinnen der Ewigen Anbetung. Was dabei auch wiegt: „Die Mitarbeiter tragen, was sie im Hospiz erleben, auch in ihre Familien hinein“, sagt Dr. Klaus Riede, Vorsitzender des Stiftungsrates der Agnes-Philippine-Walter-Stiftung, die Träger des Hospizes ist. „Sterbende zu begleiten, führt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben“, sagt dazu Goldbach. Und Schwester Benedicta fügt hinzu: „Man wird gefordert, doch man bekommt auch etwas zurück.“ Das ist für so manchen Ehrenamtlichen auch die Motivation, im Hospiz zu helfen: dass die Tätigkeit sinnstiftend ist. Manche aber kommen, weil sie Erfahrungen mit Sterbenden in der Familie gemacht haben, weil sie selbst ein gewisses Alter erreicht haben, weil sie besondere Momente erleben. Solche wie diesen: die Hand eines Hospizgastes während eines Gottesdienstes zu halten. Für das Hospiz sind die Ehrenamtlichen deshalb so wichtig, sagt Goldbach, „weil sie den Alltag, die Normalität ins Hospiz bringen“.

Einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Hospiz im Kloster und einem Pflegeheim nennt Riede: Im Pflegeheim würden die Pflegekräfte von den Menschen gerufen, im Hospiz hingegen kämen die Pflegenden von sich aus, kümmerten sich um die Hospizgäste, unterhielten sich mit ihnen oder blieben einfach bei ihnen. Dies klingt ein bisschen so, als ob Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielte. Dem jedoch ist nicht so. Das Hospiz braucht eine Auslastung von 82,5 Prozent. Die Kosten für die Hospizgäste trägt die Krankenkasse - bis auf fünf Prozent, die nach dem Gesetz der Träger, in diesem Fall also die Agnes-Philippine-Walter-Stiftung, aufbringen muss. Die Gäste selbst müssen nichts bezahlen. Um aufgenommen zu werden, brauchen sie eine ärztliche Einschätzung. Durchschnittlich bleiben die Gäste etwa 22 Tage im Hospiz. Zu 39 Prozent kommen sie aus Gmünd, zu 32 Prozent aus den Orten um Gmünd. 25 Prozent der Gäste im Hospiz kommen aus dem Rems-Murr-Kreis, vier Prozent aus anderen Orten im Land.

Reden Hospizgäste über ihren bevorstehenden Tod? Da spiegelt sich, sagt dazu Goldbach, wie die Gesellschaft insgesamt mit dem Tod umgeht. Manche seien „sehr offen“, manche sagen: „Jetzt ist's gut“, andere haben noch Hoffnung, andere schweigen und manche drücken ihre Not durch Wut aus.

Zurück zu den Schwestern und dem Kloster. „Ich bin froh, sagt Magdalene Goldbach nach diesem einen Jahr, „dass das Kloster und die Stiftung dem Hospiz Raum gegeben haben“. Eine gute Entscheidung war das Hospiz auch für Manfred Welzel. Weil dieses ein Raum sei, „in dem Sterbende nicht allein gelassen werden“. Klaus Riede hatte als Vorsitzender der Trägerstiftung, die fünf Prozent der Kosten tragen muss, zunächst Ängste, ob die Finanzierung gelingt. Nach einem Jahr jedoch ist er froh, „dass sich die Wogen geglättet haben“. Er sei sehr zufrieden. Auch begrüßt er die Idee, mit der Ausstellung „Dialog mit dem Ende“, Leben und Sterben in die Gesellschaft hinauszutragen. Schwester Benedicta knüpft an die Aufgaben des Klosters an: „Wir sehen das Hospiz als Fortführung unserer sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und mit alten Menschen.“ Sie ergänzt: „Das lebt dann weiter.“

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