Die Armenienhilfe unterstützt Menschen aus Bergkarabach

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Küche der Barmherzigkeit
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Gut ein Jahr nach dem Kriegsende und dem Beginn des Waffenstillstands leben noch immer viele Flüchtlinge in Armenien.

Schwäbisch Gmünd

Einmal mehr stand das Weihnachtsfest, das die Menschen in Armenien vor sechs Tagen feierten, im Zeichen des Kriegs um Bergkarabach im Spätherbst des Jahres 2020. Etwa 90 000 Menschen flohen damals nach Armenien. Seitdem leben sie dort in mehr oder weniger dürftigen Verhältnissen. Denn der Waffenstillstand unter russischer Aufsicht ist brüchig, der Konflikt lange noch nicht beendet. Geschweige denn gelöst. Die „Küche der Barmherzigkeit“ kümmert sich nach wie vor um 77 Menschen, die Bergkarabach verlassen mussten. Die „Küche der Barmherzigkeit“ ist aber nur eine von vielen Einrichtungen, die Menschen aus Bergkarabach helfen. Eine weitere ist die „Kirche in Not“. Von ihrer aktuellen Arbeit in Armenien berichtet Tobias Lehner. Mitarbeiter des weltweit engagierten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ hätten sich vor Ort ein Bild gemacht und mit mehreren Flüchtlingsfamilien gesprochen. Unter ihnen die Familie von Lida. Sie habe in Artaschat Zuflucht gefunden, einer Kleinstadt im Dreiländereck zwischen Armenien, der Türkei und Aserbaidschan. Die Mitarbeiter von „Kirche in Not“ haben Lida dort besucht. Außer ihr leben ihre Schwiegertochter Mariam und ihre Enkelin Nané mit ihr in einem verlassenen Haus auf einem einstigen Industriegelände Armeniens aus sowjetischer Zeit. „Unser Leben war gut in Bergkarabach“, erzählt Lida ihren Besuchern. Sie habe als Lehrerin gearbeitet. Seit Jahren sei sie verwitwet, zwei Söhne mit Familien lebten bei ihr. Doch das habe sich schlagartig geändert: „Gleich am ersten Tag des Krieges haben sich meine Söhne zum Militär gemeldet. Sie sind 22 und 24 Jahre alt. Ich war allein mit meiner Schwiegertochter und der Kleinen.“ Dann sei der Krieg ins Dorf gekommen – aus der Luft sei es beschossen und bombardiert worden. „Zuerst sind wir unter den Küchentisch gekrochen“, erzählt Lida. „Später haben wir uns im Keller versteckt. Strom und fließend Wasser gab es längst nicht mehr.“ Schließlich habe sie Bergkarabach verlassen müssen, ihre und andere Familien seien mit einem Bus nach Armenien gebracht worden. Zuerst seien sie in Artaschat bei Verwandten untergekommen. Aber die Enge sei belastend gewesen, erzählt Lida. „Das war kein Dauerzustand. Seit einem halben Jahr leben wir jetzt hier, in diesem verlassenen Haus.“ Ohne Strom. Ohne Wasser. Dafür mit einem Loch in der Zimmerdecke. Für Esstisch, Stühle, Bett und Schrank mussten die beiden Frauen Schulden machen. Staatliche Hilfe in Höhe von umgerechnet etwa 130 Euro habe es nur vier Monate lang gegeben. Familien, die einen Angehörigen im Krieg verloren haben, hätten eine einmalige Zahlung von etwa 18 000 Euro bekommen. Ihre Söhne seien zum Glück unversehrt aus dem Krieg zurückgekommen, körperlich zumindest. Ihr Ältester, berichtet Lida den Gästen von „Kirche in Not“, sei jedoch schwer traumatisiert und arbeitsunfähig. Wenigstens ihr jüngerer Sohn habe nun einen Job in einer Konservenfabrik gefunden. Auch wenn er schlecht bezahlt werde.

Wie in vielen anderen Krisenregionen greife die Kirche den Flüchtlingen unter die Arme, wo es kaum staatliche Hilfe gibt, sagt Tobias Lehner. Priester, Ordensfrauen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden leisteten geistlichen und psychologischen Beistand. Und sie helfen konkret: Sie organisieren behindertengerechten Wohnraum für Kriegsversehrte, helfen bei der Arbeitsplatzsuche oder besorgen Lebensmittel und Medikamente. So finanziere „Kirche in Not“ ein Nothilfeprogramm für 150 Familien in der Stadt Goris nahe der Grenze zu Bergkarabach.

Eigentlich sollten wir nach Bergkarabach zurückkehren, sagt Lida den Gästen von „Kirche in Not“. Doch dort sei es nicht sicher. Die an der Grenze stationierten russischen Truppen würden im Zweifel die Augen schließen. Ihr Haus sei von Aserbaidschanern besetzt, die „das ganz ungeniert auf Facebook posten.“ Das Leid der Flüchtlinge von Bergkarabach gehe weiter, sagt Tobias Lehner, auch nach dem zweiten Weihnachtsfest in Elend und Vertreibung.

Spenden für die „Küche der Barmherzigkeit“ können auf dieses Konto der Kreissparkasse Ostalb eingezahlt werden: BIC OASPDE6A

IBAN DE68614500500440752987

Um Spenden bittet auch die „Kirche in Not“. LIGA Bank München IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02, BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Armenien

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ist eine Stiftung. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist pastorale Hilfe für verfolgte, bedrängte und notleidende Christen in rund 140 Ländern. Das Hilfswerk wurde 1947 gegründet.

Das Leid der Flüchtlinge von Bergkarabach geht weiter.“

Tobias Lehner,, „Kirche in Not“
Die aus Bergkarabach stammende Lida mit Enkeltochter Nane: Sie musste des Kriegs wegen aus Bergkarabach fliehen und lebt heute im Süden Armeniens.
Die „Küche der Barmherzigkeit“ kümmert sich in Yerevan zurzeit um 292 Menschen. Einige von ihnen kommen zum Essen ins „Haus der Hoffnung“. Andere erhalten Essen in Ausgabestellen oder holen es im „Haus der Hoffnung“ ab. Fo

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