Die Augustinus-Orgel reist ab

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Inmitten von Orgelteilen in der Augustinuskirche (v. l.): Pfarrer Reiner Kaupp, Pfarrer Matthias Plocher, Dekanin Ursula Richter, Redakteur Wolfgang Fischer, Mesner Nic Limbourg und Bezirkskantor Thomas Brückmann.
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Das rund 60 Jahre alte Instrument wird derzeit abgebaut und kommt ins Kloster Wigry im Nordosten Polens.

Schwäbisch Gmünd

Am Sonntag hat die Orgel in der Augustinuskirche letztmals für die Kirchenbesucher geklungen. Nun ist fast kein Element des Instruments mehr an seinem Platz. Zahlreiche Bauteile liegen an verschiedenen Stellen im Kirchenschiff bereit für den Abtransport. Krzysztof Grygowicz, der mit sechs Kollegen die Orgel abbaut und -transportiert, versichert, dass bis Donnerstag um 18 Uhr, wenn in der Kirche der Eröffnungsgottesdienst fürs Jahrgangsfest des AGV 1960 beginnt, nichts mehr herumliegen wird.

Am Donnerstag werden die Lastwagen starten, die die Orgelteile nach Polen transportieren. Neuer „Einsatzort“ des Instruments, das 60 Jahre lang in Augustinus gespielt wurde, ist die Klosteranlage Wigry im Nordosten Polens. Augustinus-Kirchenpfleger Eberhard Schmid weiß, dass das dortige Gotteshaus der Augustinuskirche sehr ähnelt. Von den Maßen her passe die Orgel genau auf die dortige Empore.

Geschraubt, nicht geleimt

Dekanin Ursula Richter zeigt sich überrascht, wie weit der Abbau der Orgel seit Montagmorgen schon fortgeschritten ist. Das hänge auch damit zusammen, dass die Einzelteile geschraubt und nicht geleimt waren, weiß Andreas Ladach von den Arbeitern. Ladach ist Orgel-Sachverständiger und vermittelt gebrauchte Orgeln weltweit. Er hat auch arrangiert, dass die Orgel aus dem Remstal künftig in Masuren klingen wird. „Sie passt exakt da rein“, sagt er. Vor dem Einbau dort werde das Gehäuse an die Farbgebung der dortigen Kirche angepasst, unter Umständen müsse die Orgel auch an das veränderte Klima im Nordosten Polens angepasst werden, erläutert Ladach. Dekanin Richter sagt, dass die Kirchengemeinde bereits für den Herbst 2022 eine Reise nach Wigry plant, um ihre bisherige Orgel an neuer Wirkungsstätte zu erleben.

Dieser neue Standort, das Eremitenkloster von Wigry, ist zwar nicht mehr von Mönchen bewohnt, aber dafür von Touristen sehr gerne besucht. Gerade in der Corona-Zeit sei die Zahl der Besucher in dem mitten in der Seenplatte liegenden Kloster enorm gewesen, berichtet Andreas Ladach. Die Anlage wird als Kulturzentrum genutzt. Die Orgel, die schon 60 Jahre in der Augustinuskirche ihren Dienst getan hat, könne mit einigen Reparaturen auch an ihrem neuen Standort noch mehrere Generationen mit ihrem Klang erfreuen.

20 000 Euro hat die Evangelische Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd für die Orgel noch bekommen, sagt Kirchenpfleger Schmid. Das Geld kann sie gut gebrauchen, immerhin muss sie für die neue Orgel einen Spendenbeitrag von 750 000 Euro aufbringen. Die Bitte um Spenden dafür ist im Gmünder Raum schon bisher auf ein enormes Echo gestoßen. Die Entscheidung für die neue Orgel war auch ein Signal, das die Verantwortlichen nach der Fusion der evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt zu einer Gemeinde getroffen hatten, erinnert Dekanin Ursula Richter. Die bisherige Orgel habe vom Klangbild her an die Kriegszeit erinnert.

Aufbau Ende 2023

Die neue Orgel in der Augustinuskirche werde wohl Ende nächsten Jahres aufgebaut, berichtet Kirchenpfleger Eberhard Schmid. Der bisherige Zeitplan habe sich, auch wegen Corona-Auswirkungen, etwas verschoben. Bis dahin, sagt Bezirkskantor Thomas Brückmann, werden die Gottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd durch einen Flügel und ein Orgelpositiv musikalisch begleitet.

Sie passt exakt da rein.“

Andreas Ladach,, Orgelsachverständiger
Abbau Orgel Augustinuskirche
Abbau Orgel Augustinuskirche
Abbau Orgel Augustinuskirche
Abbau Orgel Augustinuskirche
Abbau Orgel Augustinuskirche

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