Die Beschützerin des Gmünder Münsterplatzes

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Mariensäule
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Nach ihrer Restauration wurde die Mariensäule wieder aufgestellt und am Sonntag nach dem Gottesdienst zu Maria Himmelfahrt wieder gesegnet.

Schwäbisch Gmünd

Es ist ein Fest des Glaubens und der Lebensfreude mitten im August“, stellte Dekan Robert Kloker am Sonntag fest. Denn Maria Himmelfahrt sei „ein Fest der Fülle des Lebens“. Und erfüllt war der Sonntag denn auch nicht nur im Heilig-Kreuz-Münster mit Gedanken an die Mutter Jesu, sondern nach dem Gottesdienst gab es auch noch einen anderen Grund zur Freude.

Auf dem Münsterplatz konnte Kloker nämlich, noch passend zum Tag, die Mariensäule weihen, die sich nach intensiver Restauration durch Karl Friedel wieder in all ihrer Pracht präsentiert.

Doch vorab ging der Münsterpfarrer auf die große Bedeutung des 15. August ein. Denn Maria Himmelfahrt sei auch ein „Fest der Vollendung“, welches die Kirchen des Westens und die Kirchen des Ostens gemeinsam feiern. Schließlich habe Gott Maria mit all dem, was zu ihr gehört, was ihr Leben ausgemacht hat, zu sich genommen. Dabei gehe es für Maria und für alle Menschen nicht um Hand und Fuß, um Haut und Haar. „Denn unser Leib altert, ist hinfällig und wird verwesen oder wird zur Asche, verdeutlichte Kloker. Die Aufnahme in den Himmel bedeute keine, wie auch immer geartete Verlängerung oder Verlagerung des irdischen Lebens in eine andere Form oder womöglich gar an einen anderen Ort. „Wir kämen sonst vermutlich in eine Endlosschleife“, mutmaßte er.

Es gehe vielmehr ums Ganze, „um das Ganzsein, um das, was uns als Person ausmacht.“ Jeder Mensch, der je auf dieser Erde gelebt habe, hinterlasse Spuren. Diese seien unauslöschlich, betonte Kloker. „Es bleibt als solches für immer und ist unverlierbar aufgehoben.“ Das Leben bleibe daher am Ende nicht nichts oder Fragment. „Wir werden von Gott durch alle Brüche unseres Lebens hindurch, durch alle Schrammen, Verletzungen und Unausgereiftheiten in Ganzheit vollendet. Das ist die Botschaft dieses Tages.“

Das Marienfest umfasse mehrere Perspektiven. Denn, so bemerkte der Dekan, ohne den klaren Blick auf das Hier und Jetzt „wäre unser Glaube nichts anderes als simple Jenseitsvertröstung“. Karl Marx habe diese zu seiner Zeit zurecht angeprangert. Er kritisierte an den Kirchen und der Religion, dass mit derer Daseinsdeutung den Menschen der Himmel „als Opium“ verabreicht werde, damit sie im Jammertal des Lebens stillhalten und gegen Elend und Ausbeutung nicht aufbegehren“.

Doch im Lied der Maria klinge bereits alles an, was Jesus später vorleben werde: Die Wertschätzung der Armen und derer, die von anderen als gering angesehen werden. „Das Magnificat schöpft aus der nie versiegenden Quelle der Zuversicht.“

So sei Maria ein doppeltes Hoffnungszeichen. „In ihrem leidenschaftlichen Plädoyer für die Armen und Schwachen lädt sie auch uns ein, der Welt ein humaneres Antlitz zu geben. Und sie stärkt die Hoffnung, dass ein Stück mehr Himmel auf dieser Erde jetzt schon möglich ist.“

Nach dem Gottesdienst, der von Kirchenmusikdirektor Stephan Beck und Kantor Hans Jorda musikalisch und gesanglich umrahmt wurde, segnete der Dekan die Kräuterbüschel. In guter Tradition von einem Team mit Paul und Walpurga Weinmann an der Spitze gebunden und für eine Spende abgegeben.

Nach dem Gottesdienst traf man sich auf dem Münsterplatz bei der Mariensäule. 1693 durch Steinmetz Benedikt Boschenrieder gestiftet, war sie nun von Karl Friedel restauriert worden. Dekan Robert Kloker segnete das „wertvolle Objekt“, wie es Oberbürgermeister Richard Arnold beschrieb. Denn es biete Orientierung in der Stadt. Der OB legte nahe, dass man mehr auf solche Zeichen achten solle in dieser schnelllebigen Zeit. Und dankte der Bürgerstiftung und der Familie Schwarz, die diese Restaurierung ermöglichten.

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