Die Bürgerinitiative Zeiselberg lässt das Gericht warten

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Ende September war Schluss mit der Biergartensaison 2020 auf dem Zeiselberg. Betreiber Hannes Barth rechnet damit, seine Gäste ab Frühjahr 2021 wieder aus einem Zelt heraus zu bewirten.
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Für die Gasthauspläne gibt es noch immer keine Gewissheit. Doch die Frist für die Begründung der Klage gegen die Baugenehmigung ist abgelaufen.

Schwäbisch Gmünd

Die Mühlen der Justiz haben den Ruf, langsam zu mahlen. Doch das Verfahren zu den Plänen auf dem Zeiselberg hängt aktuell bei der Bürgerinitiative (BI) Zeiselberg. Diese hatte am 25. Juni beim Verwaltungsgericht Stuttgart Klage gegen die Genehmigung des Baus der Gaststätte eingereicht, den Investor Andreas Kunz von der Untergröninger Lammbrauerei dort plant. Denn die BI kritisiert den Bau als zu groß. Mit Verfügung vom 1. September 2020 wurde der Klägervertreter aufgefordert, die Klage binnen zweier Monate zu begründen, teilt Ulrike Zeitler als Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht auf Nachfrage mit. Nachdem diese Frist abgelaufen sei, werde der Klägervertreter nun erneut aufgefordert, die Klage zu begründen.

"Wir beantragen eine Fristverlängerung", erklärt Frank Eißmann, Sprecher der BI Zeiselberg, dazu und erklärt: Die Begründung des Anwalts sei sehr umfangreich. Eine Fristverlängerung sei indes "üblich" in einem solchen Verfahren.

Ganz gleich, wie das nun ausgeht, Biergartenbetreiber Hannes Barth stellt sich darauf ein, seine Gäste ab April und bis Oktober 2021 wieder aus einem Zelt zu bewirten. Bevor Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten die Schließung der Gaststätten im November angeordnet hatten, hätte er sich für den Winter auch einen Mini-Weihnachtsmarkt auf dem Zeiselberg vorstellen können. Doch angesichts der Corona-Verordnung habe sich dies erledigt.

Den Baustart fürs Lokal sieht er frühestens im Herbst 2021. Investor Andreas Kunz wagt in dieser Hinsicht keine Prognosen mehr: "Wir planen erst weiter, wenn wir Gewissheit haben." Doch hält er angesichts des bescheidenen Gastronomie-Jahres an seinen Plänen auf dem Zeiselberg fest? "Stand jetzt ja", antwortet er. 2020 sei wegen Corona "eine Katastrophe", "aber wir wollen trotzdem positiv in die Zukunft schauen". Die Brauerei verzeichne die Hälfte des Umsatzes von 2019. Und das in einem Jahr, in der die Brauerei in ein neues Sudhaus investiert habe. Dieses sei im Februar in Betrieb gegangen, direkt vor dem Corona-Lockdown im März. Die Festsaison sei komplett ausgefallen, die Gastronomen haben deutlich weniger Bier bestellt als in den Vorjahren. Hinzu kommen die Corona-Einschränkungen für die Brauereigaststätte in Untergröningen sowie fürs "Hinz und Kunz" in Gmünd. Doch das Unternehmen sei gut aufgestellt, das Gasthaus auf dem Zeiselberg eine Investition für die nächsten 15 bis 20 Jahre. "Unsere Firma gibt es jetzt seit 1830, es waren immer wieder schwierige Zeiten, und es ist immer wieder aufwärts gegangen", ist Andreas Kunz zuversichtlich.

Die Geschichte des Zeiselberg-Biergartens

Frühjahr 2012: Hannes Barth eröffnet den Biergarten auf dem Zeiselberg. Sein Team bewirtet bis zu 290 Gäste aus Holzhütten heraus.

Ende 2016: Die Stadt sucht einen Investor für ein Zeiselberg-Gasthaus.

Juli 2017: Von sechs Interessenten bleibt Andreas Kunz von der Untergröninger Lammbrauerei im Investorenwettbewerb übrig.

Mai 2018: Der Gemeinderat verabschiedet den Bebauungsplan für das Gasthaus.

Sommer 2019: Wegen etlicher Einwendungen bessert die Stadt den Bebauungsplan nach.

Januar 2019: Der Gemeinderat entscheidet endgültig über den Bebauungsplan.

Februar 2019: Die Stadt erteilt Kunz die Baugenehmigung.

Frühjahr 2019: Die Bürgerinitiative Zeiselberg legt beim Regierungspräsidium (RP) Widerspruch gegen die Baugenehmigung ein. Das RP fordert, die Stadtverwaltung soll das Lärmschutzgutachten nachbessern.

Mai 2020: Das RP lehnt den Widerspruch der Bürgerinitiative (BI) Zeiselberg gegen die Baugenehmigung ab.

Juni 2020: Die BI reicht dagegen Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart ein.

November 2020: Die Frist für die Klagebegründung läuft ab. jul

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