Die Corona-Krise lähmt viele Senioren noch länger

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In der Spitalmühle ist das Angebot noch reduziert.
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Soziales Einfluss der Pandemie auf Seniorenarbeit im Ausschuss. Projekt über junge Pflegende läuft aus.

Schwäbisch Gmünd. Die Corona-Krise hat die Seniorenarbeit in Gmünd massiv gebremst. Und es wird zumindest noch länger dauern, bis dieser Rückstand wieder aufgeholt ist. Denn viele ältere Menschen scheuen sich weiterhin, wieder unter Menschen zu gehen. Das berichteten Mitarbeiterinnen der städtischen Seniorenarbeit am Mittwoch im Sozialausschuss.

Bewusst im Freien

Seit März 2020 sei Corona das prägende Thema der Gmünder Seniorenarbeit gewesen, das sagte die zuständige Abteilungsleiterin Renate Wahl. Der Generationentreff Spitalmühle zum Beispiel habe nur etwa die Hälfte dieser Zeit öffnen können und laufe auch derzeit noch mit reduziertem Angebot. Das werde wahrscheinlich noch eine Zeit lang so bleiben. Kooperationspartner seien weggebrochen, durch Abstandsregelungen seien die Raumkapazitäten reduziert worden. Viele Besucher hätten diese Vorsichtsmaßnahme aber ausdrücklich gefordert. In den nächsten Monaten will die Spitalmühle ihr Programm wieder hochfahren, auch mit Aktionen, die sehr bewusst im Freien ablaufen können.

Karolina Gorjainow ist die Gesamtkoordinatorin des Seniorennetzwerks in Gmünd. Auch in diesem Bereich konnten in diesen zwei Jahren nur abschnittsweise Aktivitäten angeboten werden, der Seniorenfahrdienst sei 2021 vor allem für Impffahrten im Einsatz gewesen. Viele Senioren seien nach wie vor belastet und sähen auch eine Verkettung mit der nun aufgekommenen Ukraine-Krise. Auf diese psychische Belastung zahlreicher älterer Menschen müsse sich die Seniorenarbeit einstellen. Die Netzwerkarbeit müsse nun noch intensiviert werden, kündigte Gorjainow an.

Manche zeitlich befristeten Projekte fielen weitgehend in die Corona-Krise - zum Beispiel das Projekt „Support young carers“ (Unterstützt junge Pflegende). Es dreht sich um Kinder und Jugendliche, die zuhause oder in der Verwandtschaft als pflegende Angehörige gefordert sind. Eine Fragebogenaktion, die Projektleiterin Sonja Hoffmann an Gmünder Schulen durchführte, ergab, dass dort etwa zehn Prozent der Schüler Pflegeaufgaben zuhause leisten müssten. Viele seien stolz auf diese Leistung, gleichzeitig aber traurig, frustriert oder wütend. Und bei vielen beeinträchtige die Pflege die schulischen Leistungen. Es werde noch mehr Pflegearbeit auf die Familien zukommen, kündigte Hoffmann an, das belaste auch die Jugendlichen. Das Projekt biete ihnen zum Beispiel Informationen zur Entlastung und Beratung oder einfach Gespräche an. Das Projekt „Support young carers“ laufe zum Jahresende aus, berichtete die Pflegepädagogin. Bis dahin soll zumindest eine Handreichung für alle, die mit jungen Pflegenden arbeiten, erstellt werden. Sonja Hoffmann sagte, sie sei zuversichtlich, dass die Arbeit des Projekts irgendwie fortgeführt werden könne. Im Gespräch sei zum Beispiel die Gründung eines Vereins. Sozialbürgermeister Christian Baron zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeit durch ein weiteres Projekt weitergehen könne.

Weitere Projekte

„Stark durch Gegenseitigkeit“ sei ein weiteres Projekt, das durch Corona beeinträchtigt wurde, sagte Renate Wahl. Es gehe darum, Selbsthilfestrukturen in der Pflege aufzubauen. Das Projekt, das in Lindach und Herlikofen läuft, geht noch bis Ende Juni. Zum gleichen Zeitpunkt endet auch das Projekt „Kommunale Pflegekonferenzen“.

Nicht zeitlich begrenzt ist die Arbeit der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz. Hierzu soll es am 22. September den 1. Fachtag Demenz in Gmünd geben. Wolfgang Fischer

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