Die Enttäuschung über die Impf-Politik „oben“ ist riesig

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Was wird geimpft? Wann? Und von wem? Die jüngsten Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene sorgen für Verunsicherung und Ärger im Gmünder Raum.
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Die Ärzte im Gmünder Raum und die Stadtverwaltung kritisieren Bund und Land massiv. Patienten sind sehr verunsichert.

Schwäbisch Gmünd

Die Stimmung bei vielen Hausärzten im Gmünder Raum beschreibt Dr. Bertold Schuler so: „Helles Entsetzen“. Entsetzt sind die Mediziner über den derzeit noch für sie zuständigen Bundesminister Jens Spahn, der am Wochenende gesagt hat, dass gegen Corona neben dem beliebten Biontech-Impfstoff in größerem Maße auch das Vakzin von Moderna gespritzt werden müsse. Diese überraschende Anordnung sein „ein Unding“, sagt Schuler, Vorstandsmitglied der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd.

Schulers Erfahrung: Der in Deutschland hergestellte Impfstoff Biontech „hat eine hohe Akzeptanz bei den Leuten“. Viele hätten auch bei der Anmeldung zu einer Auffrischungsimpfung den Wunsch nach diesem Stoff geäußert und zugesagt bekommen. Und nun bürde die Politik es den Hausärzten auf, den Patienten zu sagen, dass sie stattdessen Moderna bekommen - den Impfstoff, den dass die Ständige Impfkommission für Männer unter 30 Jahren nicht empfohlen habe. Das verstärke die Verunsicherung der Patienten.

Dabei glaubt der Arzt nicht, dass der Wechsel zwischen den Impfstoffen einen großen medizinischen Unterschied darstellt. Auf Patientenseite gehe es um die Verunsicherung, die diese plötzliche Anordnung des Ministers auslöse. Bei den Hausärzten werde die Organisation und der Ablauf erschwert, erläutert Bertold Schuler. Von Moderna bekomme der Patient eigentlich nur die halbe Dosis, nur bei medizinischer Begründung werde die volle Dosis verabreicht. Das heißt, der Arzt muss in jedem Fall diese Entscheidung treffe. Zudem sei in den Moderna-Flaschen etwas mehr drin als in den Biontech-Ampullen, so dass der Arzt unter Umständen an einem Tag mehr Dosen verabreichen muss, als er bisher geplant und einbestellt hat .

Offen ist für die Menschen auch die Frage, wann sie sich die Auffrischungsimpfung holen sollten. Nach wie vor steht die Empfehlung der Impfkommission, die dritte Impfung „in der Regel sechs Monate“ nach der zweiten zu setzen. Doch auch dazu hat sich der Gesundheitsminister bereits anders geäußert und immer mehr Ärzte halten diesen Abstand ebenfalls nicht mehr ein. Medizinisch schätzt Schuler das Risiko gering ein. Wenn jedoch ein sehr seltener Impfschaden auftrete, sei der Patient versicherungsrechtlich auf der sicheren Seite, wenn der Abstand eingehalten wurde oder bei ihm Gründe für eine frühere Impfung festgestellt wurden.

Ärger über die Politik auf Bundes- und Landesebene herrscht auch im Rathaus. „Wir führen uns allein gelassen“, sagt Rathaussprecher Markus Herrmann. Grund: Das Land habe die Impfzentren „locker“ aufgegeben und nun müsse das Vakzin für die zusätzlichen Aktionen in Gmünd dienstags und samstags „mühsam“ beschafft werden. Dabei beteuert der Gesundheitsminister doch, dass ausreichend Impfstoff da ist. Herrmann lädt Jens Spahn ein, sich die enorme Nachfrage vor Ort bei einer der Gmünder Impf-Aktionen anzuschauen.

Helles Entsetzen.“

Dr. Bertold Schuler, über den Bundesgesundheitsminister
  • Immer wieder nach Terminen schauen
  • Neben den Hausarztpraxen gibt es derzeit in Gmünd noch zwei andere Möglichkeiten, Corona-Impfungen zu bekommen: Dienstags durch ein mobiles Impfteam in der Schwerzerhalle, samstags durch die Gmünder Ärzteschaft unter Organisation von Dr. Wolfgang Winker in der Großsporthalle. Derzeit sind Termine bis 4. Dezember organisiert und ausgebucht. Die Anmeldung läuft über die städtische Homepage, erläutert der Leiter des städtischen Ordnungsamts, Gerd Hägele. Und er empfiehlt Bürgern sehr, mehrfach auf diese Homepage zu schauen, auch auf die eigentlich schon voll belegten Impftage. Immer wieder werden nämlich Impftermine zurückgegeben - die werden dann wieder als frei angezeigt. Bereits als sicher gilt, dass die Gmünder Ärzteschaft auch am 11. Dezember einen Impftag in der Großsporthalle anbieten wird. Die Termine für diesen Tag würden „zeitnah“ zur Online-Buchung freigegeben. Ohne Buchung ist bei diesen Aktionen keine Impfung möglich. Dazu müssen auch die Einverständniserklärung und der Anamnesebogen (ebenfalls auf dieser Homepage zu finden) ausgefüllt mitgebracht werden.

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