Die Frage nach den Pandemie-Verlierern

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Zur 50. Querdenken-Demonstration "Für die Wiederherstellung der Grundrechte" sprach Gastredner Dr. Frank Gläser (l.) auf dem Gmünder Marktplatz.
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Zur 50. Versammlung der Gmünder Marktplatz-Gruppe spricht der Aalener Arzt und AfD-Stadt- und Kreisrat Dr. Frank Gläser.

Schwäbisch Gmünd

Eine Menschenmenge hat sich am Samstagabend zur 50. Querdenken-Demo "Für die Wiederherstellung der Grundrechte" auf dem Marktplatz eingefunden. "Ich denke, das sind 300", sagt Organisator Stefan Schmidt ins Mikrofon. Eine Mitstreiterin meine, "die Zeitungen schreiben dann 150". 150 Teilnehmer schätzen die Polizisten, die die Veranstaltung beobachten.

Unter das Motto "50 Tage und kein bisschen leise" haben die Veranstalter die Demo gestellt. Dazu gibt es Gesang und Musik – unter anderem zum Abschluss den "Gefangenenchor" aus der Oper "Nabucco". Es darf wie bei diesen Demos üblich, jeder ans Mikrofon, der zu seinen Erfahrungen mit der Pandemie etwas sagen will, und Schmidt bezieht zum Tagesgeschehen Stellung.

Zuerst aber tritt Dr. Frank Gläser unter großem Jubel als Hauptredner ans Mikrofon, er war Chefarzt der Radiologie des Ostalbklinikums in Aalen, ist dort AfD-Stadtrat und -Kreistagsmitglied. Er nennt die Themen Klima und Energiewende, "die uns als Industriestandort disqualifizieren", weil etwa Kohlekraftwerke hier geschlossen werden, während Länder wie China viele neue bauen, beispielhaft für ein Strickmuster: "Es wird Angst erzeugt", so könnten "die oben" durchregieren. So befehle RKI-Präsident Lothar Wieler – Gläser spricht vom "Tierarzt" – Maßnahmen in einem Tonfall wie "der Führer".

Coronaviren seien lange bekannt, sagt Gläser, auch "recht böse" Varianten. Die Krankheit "Covid-19 zählt nicht dazu", sagt er. Eine wirkliche Gefahr sei Covid-19 nur für Hochbetagte und Schwerkranke.

Kritik übt Gläser auch an den Maßnahmen gegen die Pandemie. Der Lockdown sei "eine Art subkollektiver Selbstmord aus Angst vor dem Tod". Sich nicht anzustecken funktioniere nicht, weil wesentliche Ansteckungswege Familien, Heime, Bus und Bahn seien. Gasthäuser, Kindergärten und Schule "spielen eine sehr untergeordnete Rolle". Gläser findet: "Wenn ich eine Arznei habe" – den Lockdown –, "die offensichtlich nicht hilft, gehört die abgesetzt". Außerdem seien die vorgeschriebenen Masken wie ein Gartenzaun für Mücken, sie schützen nur vor Aerosolen, nicht vor dem Virus, sagt er. Und merkt darüber hinaus an, dass die Krankenhäuser "ausreichend Platz" hätten und Intensivstationen nicht überbelegt seien. Es habe nie eine Situation für den nationalen Notstand gegeben.

"Der Massenversuch am Menschen läuft", er sei bedenklich und die Auswirkungen abzuwarten. meint Gläser zur Impfung gegen Covid-19. "Wir wissen nicht, wie die jetzt angebotenen Impfstoffe wirken." Weder der, der sie Teufelszeug nenne, noch der, der von einem Segen spreche, wisse, ob er die Wahrheit sagt. Für Gesunde bis 65 sei die Impfung nicht nötig, meint Gläser. Ob Impfung oder nicht, müsse jeder selbst entscheiden. Er selbst werde nun erstmal vier bis sechs Wochen abwarten.

Wer verliert, fragt Gläser. Seine Antwort: "Wir alle." Weil die Regierungspolitiker auf ihnen genehme Wissenschaftler und die Pharmalobby gehört hätten. Seine mit Jubel und Pfiffen belohnte Schlussforderung: "Schützt die Risikogruppen besser und lasst den anderen ihre Freiheit."

Erinnern an Tote und Distanzierung

Plakat. Während die Menge auf dem Marktplatz Dr. Frank Gläser lauscht, läuft der Gmünder Grünen-Stadtrat Steffen Suer durch die Reihen der Zuhörer, vor sich ein Plakat, auf dem steht: "22 Menschen tot - ihr tanzt." Er bezieht sich auf die Menschen, die im Seniorenzentrum Wetzgauer Berg bis Freitag an Covid-19 gestorben sind. Ebenso auf ein Video von der Querdenker-Demo am selben Abend auf dem Marktplatz. Teilnehmer kamen teils in Faschingskostümen, zwei Menschen sind Walzer tanzend zu sehen. Stellungnahme. Das Video hat auch die Guggenmusik "Überdruck" Wetzgau auf den Plan gerufen. Denn für Stimmung sorgte ein Trommler, dessen Instrument das für die Fasnetsgruppe typische orange "Ü" ziert. Dazu bezog der Verein auf Facebook Stellung: "Hiermit distanziert sich die Freiwillige Guggenmusik Überdruck Wetzgau e. V. in aller Deutlichkeit von jeglicher Beteiligung an dieser Kundgebung." Es handle sich um ein ehemaliges Mitglied. an

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