Die Gmünder Gas-Abschaltliste: Firmen, die sich nicht melden, landen hinten

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Das Krisenteam Gas Stadtwerke Schwäbisch Gmünd in der Steuerzentrale der Stadtwerke (v.l.): Jörg Hofele, Andreas Steidle, Peter Ernst, Stefan Herzhauser, Steffen König, René Hahn, Uwe Kochendörfer. Auf dem Bild fehlt Benjamin Peter.
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Täglich tagt das Krisenteam der Stadtwerke – und kommt mit der Abschaltliste für den Tag X nur schleppend voran.

Schwäbisch Gmünd

Falls die Lieferung aus Russland gestoppt wird, müssen diese acht Leute entscheiden, wem sie in Gmünd das Gas abdrehen: Stadtwerke-Chef Peter Ernst bildet mit sieben Kollegen das Krisenteam, das sich nicht nur jeden Tag um 8.30 Uhr zur Lagebesprechung trifft. Die acht müssen sich auch für den Tag X ständig bereit halten. „Wir sind alle 24/7 auf dem Handy erreichbar“, sagt Vertriebsleiter Steffen König.

Ganz allein werden sie aber nicht die Prioritätenliste festlegen. „Wir tauschen uns eng mit anderen Versorgern aus, die ja vor denselben Entscheidungen stehen würden“, sagt Andreas Steidle, der Leiter des Krisenteams. Auch mit der Stadtverwaltung werde man sich dann abstimmen, fügt Peter Ernst hinzu. „Es geht dann ja um den Wirtschaftsraum Gmünd.“

Über welche Gasmengen das Gmünder Gasnetz noch verfügt, sollte in Deutschland die so genannte Notfallstufe ausgerufen sein, das kann keiner vorhersagen. Wie viel Gas das rund 250 Kilometer lange Netz der Stadtwerke dann noch verteilen kann, entscheidet zunächst die Bundesnetzagentur. Was diese auf Bundesebene tut, das müssen die Stadtwerke in ihrem Bereich machen: über Zuteilung und Nicht-Zuteilung entscheiden. „Abschaltliste“ ist das hässliche Wort dafür.

Verhältnis von rund 60:40

Ob ein Haushalt oder Betrieb Kunde bei den Stadtwerken oder einem Konkurrenten ist, das ist dann belanglos: „Die Marktmechanismen sind dann komplett außer Kraft gesetzt, es spielt keine Rolle, mit wem man einen Vertrag hat“, sagt Peter Ernst. Klar ist: Zuerst werden alle laut Gesetz geschützten Kunden (Privathaushalte und soziale Infrastruktur) bedient, was übrig bleibt, kann an die nicht geschützten Kunden, die Industrie- und Gewerbekunden, verteilt werden. Im Durchschnitt verbrauchen die geschützten Kunden 60 Prozent, die anderen 40 Prozent des Gases im Gmünder Netz – aber es ist eben nur ein Durchschnittswert.

Wie viel tatsächlich zu verteilen ist an die Firmen, hängt nicht nur von der Bundesagentur ab, sondern stark vom Wetter am jeweiligen Tag. An Spitzentagen werden im Gmünder Netz pro Stunde mehr als 20  000 Kubikmeter Gas verbraucht, die Untergrenze liegt bei 3000 bis 4000 Kubikmeter in der Stunde. Diese Schwankungsbreite macht eine exakte Planung, wem wie viel abgedreht wird, unmöglich. Das Krisenteam hat die Pflicht, als Priorität die Netzstabilität im Auge zu haben. Für die Steuerungsmaßnahmen versuchen die Stadtwerke-Experten derzeit Spielräume ausloten - und müsste dann situativ entscheiden und ständig nachsteuern. Die Abschaltstrategie wird selten so simpel wie „Ganz oder gar nicht“ sein, es sind in der Praxis Abstufungen denkbar: „Um einen Bäcker als Beispiel zu nehmen: Dann betreibt er eben nur einen Teil seiner Öfen“, sagt Steidle.

Welche Spielräume Firmen haben, ob Schäden durch Lieferengpässe zu befürchten sind oder aber alternative Brennstoffe zum Einsatz kommen können, das versuchen die Stadtwerke von allen 65 möglicherweise betroffenen Industrie- und Gewerbekunden mit ihren 91 Verträgen abzufragen. Eine gewichtige Ausweichmöglichkeit steht fest: „Ein sehr großer Kunde, der für rund fünf Prozent des Gasverbrauchs steht, könnte etwa auf Öl umstellen“, so Ernst.

Von den Firmen ist der Rücklauf der Frageaktion noch schleppend: „Von 42 ist noch keine Rückmeldung gekommen.“ Dabei wird im Zweifelsfall die Devise gelten: Wer sich nicht gemeldet hat, steht ganz hinten in der Prioritätenliste. „Wer brauchen die Informationen von den Firmen. Wenn wir keine haben, wird das zu deren Nachteil sein“, sagt der Stadtwerkechef.

Sicher ist eines: Im Fall der Fälle muss es schnell gehen, er rechne mit einer möglichen Reaktionszeit von zwei bis drei Stunden, sagt Peter Ernst. Und es könnte Ausdauer erfordern: „Es gab in der Industrie schon Hackerangriffe, da waren Mitarbeiter 48 oder 72 Stunden im Einsatz“, erzählt Stefan Herzhauser. Ein wenig haben die acht vorgesorgt in ihrem Krisenteam-Sitzungssaal: „Wir haben immerhin einen Kühlschrank hier.“

Es geht dann um den Wirtschaftsraum Gmünd.

Peter Ernst,, Sprecher der Geschäftsführung

Krisenteam: rund um die Uhr einsatzbereit

Das Krisenteam: Neben Stadtwerke-Chef Peter Ernst sind dies Stefan Herzhauser (Kaufm. Leiter), Andreas Steidle (Leiter Netze), Benjamin Peter (Leiter Gasnetze), Steffen König (Leiter Vertrieb), René Hahn (Leiter Netzplanung), Jörg Hofele (Sonderaufgaben), Uwe Kochendörfer (Regulierung).

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