Die historische Person Fehrle erschließen

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Der Bargauer Kuno Stütz (r.) im Gespräch mit Cornelia Fehrle-Choms und Dr. Martin Pozsgai. Dieser hat Bürger gebeten, ihre Werke von Jakob Wilhelm Fehrle zu zeigen. 15 Bürger folgten dem Aufruf. Fotos: mil
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15 Bürger folgen dem Aufruf des Kunsthistorikers Dr. Martin Pozsgai, dem Gmünder Museum ihre Werke des Gmünder Bildhauers und Malers zu zeigen.

Schwäbisch Gmünd

Kuno Stütz aus Bargau ist einer von ihnen. Josef Stegmaier aus Mutlangen ein zweiter. Insgesamt folgten 15 Bürger dem Aufruf von Dr. Martin Pozsgai, dem Kurator der aktuellen Fehrle-Ausstellung im Gmünder Museum. Pozsgai hatte Gmünder eingeladen, die Werke zu zeigen, die sie von Jakob Wilhelm Fehrle besitzen. Die Aktion ist Teil des Vorhabens, das Werk des Gmünder Künstlers in seiner Gänze zu erschließen. Dabei erfuhr Pozsgai wunderbare Geschichten. Drei Skulpturen und ein Gemälde brachte der frühere Mutlanger Brauereichef Josef Stegmaier. Sie gehörten dem Bruder seiner Schwiegermutter. Die Frau dieses Bruder, so erzählt Stegmaier, saß bei Fehrle Modell. Die Skulpturen habe er ihr geschenkt. Der Bruder nahm die Skulpturen nach dem Krieg mit in die USA. Und immer, wenn Stegmaier die Familie in New York besuchte, brachte er eine Skulptur mit. Fehrle sei immer wieder in die Brauerei-Gaststätte „Lamm“ gekommen. Dort habe er ihn als Bub gemalt, erzählt Stegmaier. Der Bruder seiner Schwiegermutter, erzählt der ehemalige Brauer, lebt mit 96 Jahren noch immer in New York.

Ganz anders die Geschichte von Kuno Stütz. Der Bargauer war von 1966 an bis zu Fehrles Tod im Jahr 1974 mit diesem befreundet. Fehrle habe gerne Forellen gegessen, und die habe er bei ihm bekommen, erzählt Stütz. Der Bargauer hat mehrere Werke von Fehrle. Einige brachte er mit ins Museum, andere sind zu groß. Eines davon ist die „zerklüftete Frau. Die brachte er als sogenannte „Vorstudie“, die große, die 80 Zentimeter hohe Skulptur steht bei ihm zuhause. Eigentlich, sagt der 90-jährige Bargauer, ist die „zerklüftete Frau“ gar nicht Fehrles Stil. Denn er habe die Frauen mit einer Kunst schön gemacht. Stütz freut sich, dass Pozsgai diese Aktion gestartet hat. „Das hätte man schon lange machen müssen“, sagt er.

Über die Aktion erfreut ist auch Jakob Wilhelm Fehrles Tochter, Cornelia Fehrle-Choms. Wenngleich sie weiß, dass es „Unmengen an Arbeiten“ ihres Vaters in Gmünd gibt. Sein Werk sei so umfassend, dass es nicht katalogisiert werden könne, sagt sie. Fehrle ist 1884 in Gmünd geboren. Bei „Erhard & Söhne“ hat er eine Lehre als Ziseleur gemacht. Von 1914 bis 1918, nach seinen Pariser Jahren 1911 bis 1914, war er als Soldat an der Westfront. Danach hat er sich in Gmünd niedergelassen, am Zeppelinweg sein Atelier gebaut. „Er hat in der Zeit gelebt, er musste etwas verkaufen“, sagt Fehrle-Choms über das Wirken ihres Vaters in den 30er- und 40er-Jahren. Dies werfe man ihm heute vor. Fehrle hatte Auftragsarbeiten für die Nationalsozialisten angenommen. Eine Hitler-Büste für die Universität Tübingen im Jahr 1935, Werke für den Reichsminister des Auswärtigen Amtes, Joachim von Ribbentrop, und seit 1935 das Gefallenendenkmal auf dem Gmünder Marktplatz. Gleichzeitig aber sind ab 1937 Werke von ihm als „entartet“ beschlagnahmt worden. Und er holte seine Frau Klara aus der Heilanstalt Chris-tophsbad in Göppingen, um sie vor der sogenannten Euthanasie zu bewahren. „Mein Vater“, sagt Fehrle-Choms, „war kein Nazi.“ Dass Fehrle nicht in der NSDAP war und auch in keiner sonstigen NS-Organisation, hat Pozsgai im Staatsarchiv Ludwigsburg erforscht. Ihm geht es darum, Fehrles Nachlass zu erschließen. Dazu öffnet Fehrles Tochter das Atelier des Vaters. Das Museum nimmt dort das künstlerische Werk in Augenschein, das Baudezernat die Architektur. Und das Stadtarchiv arbeitet auf, was Fehrle an Papieren hinterlassen hat. Gleichzeitig will Pozsgai ein Werkverzeichnis Fehrles erstellen, vorzugsweise in Zusammenarbeit mit einer Universität. So setzt der Kunsthistoriker Pozs-gai darauf, „nach und nach die historische Person Jakob Wilhelm Fehrle zu erschließen“.

Die Ausstellung über Jakob Wilhelm Fehrles Pariser Jahre 1911 bis 1914, „Mit offenen Sinnen für das Neue“, ist im Gmünder Museum noch bis zum 7. August zu sehen.

Jakob Wilhelm Fehrles Bild von Josef Stegmaier von 1938.

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