Die Info-Säule, die keiner kennt

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Wird die Mobilitätssäule im Fuggerle wirklich genutzt? Bei den angrenzenden Fahrradständern sieht es nicht danach aus.
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In Schwäbisch Gmünd gibt es seit dem letzten Frühjahr sechs Mobilitätssäulen – sinnvolle Info-Punkte oder nutzlose Investitionsruinen?

Schwäbisch Gmünd

Die junge Frau steht einen Steinwurf weg von der vier Meter hohen Installation auf dem Bahnhofsvorplatz. „Mobilitätssäule? Nie gehört“, sagt sie. Die Form dieser Säule erinnert an einen dieser dreiseitigen Plakatständer in der Stadt – nur größer. „bwegt“ steht da samt baden-württembergischem Löwen als Logo auf gelbem Grund. Drunter liest man: „Mobilitätsstation“. Die soll, so die Idee, Passanten schnell über verschiedene Angebote an Verkehrsmitteln in der Umgebung informieren, etwa wo es Leihräder gibt oder E-Ladesäulen oder Bushaltepunkte. Aber erfüllen die Stahltürmchen auch ihren Zweck?

Sechs solcher Mobilitätssäulen gibt es seit dem letzten Frühjahr im Stadtgebiet – Gmünd ist eine von vier Pilotstädten in Baden-Württemberg. Eine der vom Land finanzierten Säulen steht in der Weststadt im Fuggerle, an der Ecke, wo es von der Eutighofer Straße aus den Berg in die Wohnsiedlung hoch geht. Auf der Bodenplatte stehen eingraviert Pfeile und Basis-Infos: 18 Meter bis zur Bushaltestelle, 18 Meter zum Fahrradständer, 500 Meter zur E-Ladesäule. In Augenhöhe auf der Mobilitätssäule kann man erfahren, dass dies ein Platz ist, der “umweltfreundliche Verkehrsmittel verknüpft“.

Es gibt Gmünder, die nicht überzeugt sind, dass das gelingt: „Da habe ich noch nie ein Rad stehen sehen“, sagt eine Frau, die im Fuggerle wohnt und fast täglich dran vorbeifährt. Die halte die Säule an diesem Ort für „völlig unsinnig“, sagt die Anwohnerin. Wie intensiv oder auch nicht die Säulen genutzt werden, dazu gibt es keine Zahlen. „Wir haben ja keine Bildschirme dort, durch die man Zugriffszahlen messen könnte“, sagt Anja Tamm, die Gmünder Mobilitätsmanagerin. Von einer Evaluierung des Nutzens für die Bürgerinnen und Bürger durch das Verkehrsministerium ist ihr nichts bekannt. Dort werte man aber die Rückmeldungen aus den Städten aus. „Wir haben angemerkt, dass die Säulen für manche Standtorte wie etwa im Stadtkern zu groß sind“, sagt Tamm. Marktplatz und Ledergasse sieht sie als potenzielle weitere Standorte, „aber da ist nur begrenzter Raum und es geht auch um Denkmalschutz“. Da könnten kleiner Info-Tafeln besser passen, findet sie

Die „Völlig unsinnig“-Einschätzung mag Anja Tamm nicht teilen. Sie verweist darauf, dass der aktuelle Stand nicht so bleiben soll. „Es geht darum, dass weitere Aspekte dazukommen, etwa durch Carsharing oder E-Roller in der Innenstadt.“ Den Planern sei es darum gegangen, „Leute, die sich nicht so gut auskennen, auf solche Angebote zu bringen.“

Fragt man noch ein paar Passanten rund um die Säule am Bahnhof, verfestigt sich der Eindruck: Es bleibt noch einiges zu tun. Wie die Säule heißt und wofür sie gut ist, ist weitgehend unbekannt. „Vielleicht müsste man mehr Werbung machen“, sagt ein Mann, der neben seinem Auto steht. 

  • Land will mindestens 1000 Säulen errichten
  • 15 Mobilitätssäulen sind in Baden-Württembergs bisher errichtet worden - in den Pilotstädten Gmünd, Konstanz, Süßen und Heidelberg. In einer zweiten Test-Phase sollen weitere Städte hinzukommen. Bis 2030 soll es im Land mindestens 1000 solcher Stationen geben, das sieht jedenfalls das „Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept“ des Landes vor. 

Da habe ich noch nie ein Rad stehen sehen."

Anwohnerin im Fuggerle , , zum Radständer neben der Mobilitätssäule

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