Die Kehrwoche will auch richtig erklärt sein

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HfG-Abschlussarbeit für die Hoffnungshäuser: im Bild (von links) Sina Grund, Rahel Budnik und Martin Schechinger.
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Studierende der Hochschule für Gestaltung entwickeln „Welcome Board“ für Hoffnungshäuser.

Schwäbisch Gmünd. Was hat das mit dem Biobeutel auf sich, warum kochen die anders, was sind das für Feiertage? Antworten darauf finden Menschen aus zehn Nationen  in den Hoffnungshäusern im Taubental in jetzt durch „Welcome Boards“, entwickelt von Rahel Budnik und Sina Grund, Absolventinnen der Hochschule für Gestaltung. Es sind analoge Boards mit gedruckten Informationen, mit Infos zur Mülltrennung, mit einem Kulturquartett, einem Kartenspiel, das Bräuche, Lebensweisen und Umgangsformen spielerisch aufbereitet. Es gibt Rezeptkarten und in einer Plexiglasbox Glasmurmeln. Weil man die (fast) überall auf der Welt kennt. 
In den Hoffnungshäusern leben die Menschen zusammen mit Familien und Singles aus der Region. Zu ihnen zählt Rahel Budnik, die für die Realisierung des Projekts Sina Grund gewinnen konnte. Zur Freude von Martin Schechinger, der die Einrichtung zusammen mit seiner Frau Denise Schechinger leitet. „Integration ist ein großes Wort“, sagt er und sieht in den Welcome Boards eine willkommene Ergänzung für die tägliche Arbeit. Schließlich müssten sich die Menschen aus anderen Ländern hier zurechtfinden, persönliche Stabilität gewinnen. Was er an der Bachelorarbeit der HfG-Studierenden schätzt: Das Ergebnis wird den Bewohnerinnen und Bewohnern nicht aufgedrückt, sie selbst konnten im Vorfeld mitwirken. Sagen, was sie vermissen, welche Informationen für sie wichtig sind.   Die Kommunikationsgestalterinnen Rahel Budnik und Sina Grund haben diese Informationen ausgewertet und visuell sichtbar gemacht. 

„Für eine gelingende Integration  sind strukturelle Orientierung und soziale Kontakte wichtig“, sagt Rahel Budnik. „Unser Projekt hat sich deshalb auf diese zwei Bereiche konzentriert. Der Schwerpunkt liege jedoch auf der sozialen Ebene. Sina Grund: „Indem die Menschen in Kontakt kommen und sich besser kennenlernen, können sie voneinander lernen und sich gegenseitig helfen.“ Es entstehe eine offene und lebendige Gemeinschaft Deshalb sei das Welcome Board entstanden: Eine Pinnwand, die in jeder Wohnung angebracht ist und mit ihren fünf Komponenten die Orientierung und den Austausch unterstützt. Noch ist es nicht so weit. Nach und nach sollen die Boards in den Hoffnungshäusern installiert werden. „Vielleicht sogar nicht nur in Schwäbisch Gmünd, sondern an allen acht Standorten der Hoffnungstäger Stiftung“, so Martin Schechinger.
 Weil überall die gleichen Fragen auftauchen. „Wir wollen informieren, spezielle Regeln aufzeigen“, sagt Rahel Budnik. „Es ist vielleicht von Vorteil, Menschen aus anderen Ländern die Kehrwoche zu erklären oder die Mülltrennung zu beschreiben.“ Spielerisch geht das mit dem Kartenquartett.  Ganz wichtig sei für die Menschen die Küche. „Deshalb  spielt Kochen im Hoffnungshaus eine wichtige Rolle“, sagt Sina Grund. Alle Kulturen steuern  ihre eigenen Rezepte, Kochprozesse, Zutaten und Utensilien bei. Rezeptkarten sollen   die Bewohner ermuntern, sich zum gemeinsamen Kochen zu treffen und mehr über die kulturellen Hintergründe des Gerichts zu erfahren. Am Ende können sie individuelle Rezeptsammlungen erstellen und dabei über das Kochen ins Gespräch kommen.
Um möglichst alle Menschen in den Hoffnungshäusern zu erreichen, ist analog angesagt. Aber es geht auch digital:   Auf der Anleitung zum Quartet befindet sich ein QR-Code, der zu einer Website weiterleitet. Dort  findet man die die einzelnen Karten.

Kuno Staudenmaier

Was sind Hoffnungshäuser?

Seit Oktober 2020 wohnen in den vier Hoffnungshäusern je zur Hälfte Einheimische und Geflüchtete. Ziel des Wohnprojektes ist es, sich gegenseitig bei der Integration zu unterstützen.  Die Geflüchteten haben ein bewilligtes Asylverfahren hinter sich und sind bereits seit ein paar Jahren in Deutschland.

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