Die kleine französische Art

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Martina und Siggi Horn schätzen „S gloine Wägele“, eine Renault Estafette mit interessantem Innenleben. Fotos: Tom
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Renault Estafette von Martina und Siggi Horn. Ein Kleintransporter mit dem besonderen Innenleben. Mit fast 50 Jahren immer noch regelmäßig im Einsatz.

Ein Oldtimer als Mini-Food-Truck

Renault Estafette
Renault Estafette © Tom
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Wer sucht, der findet: Die Öffnung zum Motor liegt im Innern zwischen dem Fußraum.
Renault Estafette © Tom
Die Küchenausstattung macht den kleinen Lieferwagen zum „Food Truck“.
Renault Estafette © Tom
Die Estafette: In Deutschland eher selten, in Frankreich Jahrzehnte lang im Straßenbild.
Renault Estafette © Tom
Hübsch dekoriert, sorgt „S gloine Wägele“ rasch für Aufmerksamkeit.
Renault Estafette © Tom

Schwäbisch Gmünd

Der berühmte Sack Kartoffeln und der Korb voll Eier, die es möglichst kostengünstig zu transportieren gilt, das beschäftigte in Frankreich so manche Nachkriegs-Autokonstrukteure. Berühmtestes Werk, das nach diesen Wunschvorgaben gebaut wurde: der Citroen 2CV, die Ente. Da gab es aber in den 1950er-Jahren auch  noch den rustikaleren Microtransporter Solyto. Und Renault hatte schon bald das Angebot für die Aufsteiger: In der viel größeren, aber immer noch kompakten Renault Estafette ließ es sich prima reisen. Und transportieren. Auf deutschen Straßen spielten Estafette kaum eine Rolle. Neben dem nur wenig teureren VW-Bus hatten sie keine Marktchance.

Umso mehr freuen sich heute Passanten, wenn sie einer Estafette begegnen. Das erfahren Martina und Siggi Horn aus Bartholomä regelmäßig, wenn sie mit dem kleinen Transporter, der von 1959 bis 1980 mit nur kleinen Veränderungen gebaut wurde, unterwegs sind. „Ist der niedlich, sagen dann die Leute“, so weiß Martina Horn. Sie nutzt den kaum vier Meter langen Kleintransporter nicht für Urlaubszwecke, sondern setzt ihn beruflich ein. Mit der Estafette ist ihr Traum vom Mini-Food-Truck in Erfüllung gegangen.

In Corona-Zeiten hat sie den Entschluss gefasst, sich neu zu orientieren. „Ein Oldtimer war immer unser Traum“, sagt sie und schätzt die Estafette, die seither als „S‘ gloine Wägele“ durch die Lande gefahren wird.

Bevor es so weit war, mussten Siggi und Martina Horn erst mal das passende Fahrzeug finden. Auf Ebay gab‘s die Estafette, der Kauf im Münsterland ist rückblickend ein Erfolg: „Der Wagen war voll in Schuss“, sagt Siggi Horn. So gut wie kein Rost am fast 50 Jahre alten Transporter, der Lack ist in Ordnung und die Innenausstattung zeigt nur wenig Verschleiß. Auch der Motor ist unauffällig. Im wahrsten Sinn des Wortes.  Die 32 PS aus 0,85 Litern Hubraum verrichten ihren Dienst, lassen die Insassen spüren, wenn‘s bergauf geht. Tempo ist nicht die Qualität, mit der sich die Estafette in den Vordergrund spielen könnte. Martina und Siggi Horn gehen gern mit dieser Gemütlichkeit um. 

Fast immer zuverlässig

Schließlich bietet ein Food-Truck, auch wenn er noch so klein ist, andere Qualitäten, kulinarische Höhepunkte etwa. Dafür wurde das Fahrzeug entsprechend hergerichtet. Dass die seitliche Bedienklappe schon vorhanden war, das ersparte Siggi Horn viel Arbeit beim Ausbau, den er darüber hinaus selbst erledigt hat. Kühlschrank mit Zapfanlage für Bier und Prosecco, ein Ofen für Flammkuchen und alles für die Kaffee-Zubereitung sind vorhanden.

Mit nur wenigen Handgriffen ist der Wagen einsatzbereit. Das nüchterne Ambiente einer funktionierenden Küche hübscht Marina Horn auf. Außen am Food-Truck  hängen dann Blumentöpfe, rundum ist Platz für Schilder, um auf Kaffee oder Flammkuchen hinzuweisen. So geht‘s auf den Krämermarkt in Schwäbisch Gmünd, auf Firmenparkplätze, um Kunden anzulocken und immer gerne auf private Feste. Geburtstage, Hochzeiten und Polterabende hat sie so schon erlebt. 

Die Estafette hält sich   im Hintergrund, verrichtet auch nach fast fünf Jahrzehnten immer brav ihren Dienst. Fast immer: „Es kam schon vor, dass der Motor an der Ampel einfach ausgeht. Dann wird schon mal von hinten gehupt“, sagt Martina Horn. Aus der Ruhe bringen lässt sie sich deshalb nicht. Bis jetzt ist „S‘ gloine Wägele“ immer wieder angesprungen. Das liegt auch an der Pflege, die Siggi Horn dem Auto zukommen lässt. Jetzt will er die einzige Roststelle unterm Heckabschluss  beseitigen. Dann ist die Estafette auch für den nächsten TÜV bereit. „Das Fahrzeug soll ja auch die nächsten zehn Jahre erhalten bleiben“, sagt Siggi Horn. Und wenn er mal in Ruhestand geht, wird daraus kein Wohnmobil. „Dann fahren wir zu zweit zu den Terminen. Fürs Aufhören wär‘s  viel zu schade.“

Renault Estafette

Von 1959 bis 1980 wurde die Estafette gebaut als Kastenwagen, Pritschenwagen und Kleinbus. Die Motoren wurden im Lauf der Bauzeit vergrößert. Statt 32 PS gab‘s später bis zu 45 PS. Die Nutzlast stieg von 600 auf 1000 Kilogramm. Am Ende der Bauzeit experimentierte Renault mit einem Dieselmotor in der Estafette. Realisiert wurde das Projekt allerdings nicht mehr, der Testwagen wurde verschrottet.Die Estafette gehörte vor allem in Frankreich zum Straßenbild. Bei der französischen Polizei fand die Estafette als Mannschaftswagen große Verbreitung.

In drei Generationen entstanden insgesamt 530 000 Exemplare.  

Internationales Auto: Das Modell wurde in den USA und auch in Kanada für die dortigen Märkte gebaut. Für den mexikanischen Markt entstanden im mexikanischen Unternehmen DINA weitere Exemplare. Und die Estafettes für die afrikanischen Märkte wurden von 1965 bis 1969 bei der algerischen CARAL hergestellt.

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