Die magische Kraft von Gold und Silber

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Anne Helary, Geschäftführerin des Edelmetallverbandes, Karl Straub, Luise Wanner, Maria Fassbender und Traudl Hirschauer (von links) in Oberrot.

Interessante Vorträge über die Gold- und Silberproduktion und über Gmünds berühmte Baumeister im Äskulap-Infozentrum in Oberrot: Die vielen Besucher zeigen sich begeistert.

Schwäbisch Gmünd

Die Gmünder Historikerin Maria Fassbender sprach im voll besetzten Äskulap-Infozentrum in Oberrot unter anderem übers Freiburger Münster, das insbesondere durch die Einnahmen der Silberproduktion finanziert worden sei. Die größte Silbermine sei in Todnau gewesen, wo zirka 300 Bergleute Silber abgebaut haben. Fassbender erklärte: Durch den Verkauf des Silbers erwirtschafteten die Freiburger einen enormen Reichtum, der den Bau des Münsters mit Hilfe der Gmünder Parler-Baumeister ermöglichte. Das Altarbild schuf von 1514 bis 1518 der in Gmünd geborene Hans Baldung Grien. Dann ging's ums Ulmer Münster. Dieses wurde laut Fassbender mit Barchent, dem Ulmer Gold, finanziert. Die Ulmer produzierten eine Betteinlage – das sogenannte Barchent – und hatten damit einen enormen Verkaufserfolg, der die finanzielle Grundlage schuf, das gigantische Münster zu bauen. Der Gmünder Heinrich Parler II. war 1377 bei der Grundsteinlegung als Baumeister dabei. Darüber gibt es eine historische Zeichnung, die Fassbender vorstellte.

Traudl Hirschauer aus Gmünd brachte zwischen den Vorträgen humorvolle Einlagen über die Freiburger Bobele, über den Ulmer Spatz und über die Gmünder Naze. Das Aloisle-Lied, begleitet von Luise Wanner auf der Geige, erstaunte die auswärtigen Besucher.

Karl Straub, Mitglied des Edelmetallverbandes, sprach über die magische Kraft von Gold und Silber. Der erste Gold- und Silberabbau habe um 1800 vor Christus im Bergland des heutigen Bulgarien für die Pharaonen stattgefunden. In Gmünd seien bei den Ausgrabungen am Schierenhof aber keine Gold- und Silberbeigaben in Gräbern gefunden worden. Das Besondere bei den Ausgrabungen am Schierenhof sei eine Stele, auf deren Inschrift stehe, dass dort die Familie eines germanisch gallischen Handelsmannes bestattet sei. In diesem Grab seien auffallend viele Glasscherben gefunden worden. Es sei anzunehmen, dass in der Zeit 250 nach Christus im Gebiet Schierenhof Gläser produziert worden seien.

Gold und Silberschmiede wurden in Gmünd mit der Stadtgründung ansässig, so Straub. In Gmünd gab es bei der Stadtgründung die Staufer, die Kirche mit Klöstern und die jüdischen Händler. Diese drei Gruppen benötigten für ihre verschiedenen Rituale. Straub: "Bis zum Ersten Weltkrieg florierte in Gmünd die Tafelsilberproduktion. Über 6000 Silberarbeiter waren in über 100 Fabriken und Werkstätten beschäftigt." Weltweit habe es vor dem Ersten Weltkrieg keine vergleichbare Silberproduktion gegeben. Durch den Neubau der Fachschule vor dem Ersten Weltkrieg kamen Silberschmiede, Goldschmiede und Graveure aus der ganzen Welt zur Ausbildung nach Gmünd. Es folgten zwei Weltkriege. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam langsam wieder ein Aufschwung in die Gold- und Silberproduktion.

Besondere Aufmerksamkeit erregten in Oberrot die chirurgischen Instrumente des germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Die Gmünder Firma Deyhle durfte von der Sammlung des germanischen Nationalmuseums in einer limitierten Auflage von 100 Stück chirurgische Instrumente aus der Zeit um 1500 detailgetreu herstellen. Ein Kopfbohrer, Zahnarztzangen und Operationsbesteck ergänzten die Sammlung im Äskulap- Infozentrum in Oberrot.

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