Die Maske wird nicht zum Aufreger der Abiprüfungen

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Mit Maske, Abstand und viel Frischluft schreiben Schülerinnen und Schüler im Parler-Gymnasium das Abitur.

Soforttests werden nur wenig wahrgenommen. Zufrieden mit den Deutsch-Themen. Sturm „Eugen“ bläst Frischluft in die Schulräume.

Schwäbisch Gmünd

Die Schülerinnen und Schüler sind konzentriert. Auf Goethes Faust, auf den Lyrikvergleich oder einen argumentierenden Text. An diesem Dienstag starteten sie mit dem Fach Deutsch die Abiturprüfungen – unter besonderen Voraussetzungen. „Aber sie sind alle froh, dass es jetzt losgeht“, sagt der Chef des Scheffold-Gymnasiums, Bernd Gockel. Anders als in früheren Jahren ändern sich wegen Corona nicht nur die äußeren Umstände. Abiturienten wählen sich jetzt die Prüfungsfächer selbst aus. Deutsch ist nicht mehr für alle gesetzt. Am Scheffold-Gymnasium entscheiden sich 18 für dieses Fach.

Gespannt war man an den Schulen, ob sich Abiturienten für oder gegen einen Schnelltest vor der Prüfung entscheiden. Fast 90 Prozent lehnen am Scheffold-Gymnasium das Angebot ab, verzichten auf den Test. „Die kurzfristige Vorgabe aus dem Kultusministerium hat die Schüler verunsichert“, sagt der Schulleiter. Zuvor seien sie davon ausgegangen, dass kein Test nötig ist. Seit zwei Wochen sind die Schüler zuhause, um der Ansteckungsgefahr aus dem Weg zu gehen.

Noch eindeutiger ist die Reaktion der Schüler am Agnes-von-Hohenstaufen-Gymnasium. „Niemand ließ sich testen“, sagt Cornelia Seemann, Abteilungsleiterin für die Oberstufen. Schüler hätten sich gesorgt, bei einem möglicherweise falsch positiven Schnelltest nicht am Abi teilnehmen zu können. „Aber wir mussten das Testangebot machen, so lautete die Anordnung des Kultusministeriums vom vergangenen Mittwoch“, betont Cornelia Seemann. Die ursprünglich angedachte Trennung von Schülern mit und ohne Test war also nicht mehr nötig. „Wir haben die Sporthalle eingerichtet, Felder von zweieinhalb mal drei Meter eingezeichnet.“ Damit sei der Abstand gesichert. Die Testbereitschaft am Parler-Gymnasium ist weit größer. „Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler hat sich testen lassen“, sagt Schulleiter Thomas Eich. Das habe alles gut geklappt, niemand sei positiv getestet worden, alle seien zum Abi angetreten. Die Abiturienten hätten auch die Maske nicht als Problem angesehen. Die Lüftung durch geöffnete Fenster fällt an diesem ersten Abi-Tag ungewöhnlich gründlich aus. Stürmische Winde blasen Frischluft in die Prüfungsräume. Viel Wind, der durch geöffnete Fenster und die offene Eingangstür bläst. „Alles kein Problem“, sagt Benedikt Heinemann, einer der Abiturienten am Parler-Gymnasium.

Belastungen gut weggesteckt

Gehen die Abiturienten durch die Umstände gestresster in die Prüfung als sonst? „Die zeigten sich alle ganz stabil“, sagt Bernd Gockel. Beruhigend wirke sich aus, dass sie 30 Minuten mehr Zeit bekommen, von 9 bis 14.45 Uhr also. So bleibt Zeit, fürs (erlaubte) Essen und Trinken während der Prüfung auch mal die Maske abzulegen. „Und wir hatten genügend Zeit für eine Maskenpause, konnten kurz rausgehen“, meint Benedikt Heinemann. Gut weggesteckt haben die Abiturienten die Corona-Belastung: „Sie sind nicht gestresster als sonst“, sagen auch Thomas Eich und Cornelia Seemann. Sie hätten sogar einen Monat mehr Vorbereitungszeit gehabt, Unterrichtsausfall habe es nicht gegeben, meint Seemann weiter.

Und ihre Deutsch-Kollegen seien „total zufrieden mit den gestellten Themen“. Die Schüler könnten damit sicher ganz gut umgehen. Benedikt Heinemann bestätigt das. Auch seine Mitschülerinnen und Mitschüler am Parler-Gymnasium hätten sich positiv über die Themenwahl geäußert.

Ein früher Schulstart für manche Lehrkräfte: Sie konnten schon ab 6 Uhr aus verschiedenen Aufgaben auswählen. Diese Vorauswahl wurde dann den Schülerinnen und Schülern vorgelegt. Ab 9 Uhr waren sie an der Reihe.

Die zeigten sich alle ganz stabil.“

Bernd Gockel, Schulleiter Scheffold-Gymnasium

Die Deutsch-Themen beim Abi 2021

Bei der Erörterung eines literarischen Textes standen Äußerungen zu Johann-Wolfgang von Goethes „Faust“, E. T. A. Hoffmann (Der goldne Topf) und Hermann Hesse (Steppenwolf) zur Auswahl. Möglich waren auch die Interpretation eines Kurzprosatextes von Thomas Bernhard oder die vergleichende Interpretation der Gedichte „Der Wanderer“ von Friedrich Schlegel und „Fahrten“ von Stefan Zweig. Man konnte sich auch argumentativ mit dem Thema „geschlechtergerechte Sprache“ auseinandersetzen, alternativ über Positionen zur Selbstdarstellung im Internet äußern.

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