Die mit Silberblick waren des Teufels

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Stadtführerin Susanne Lutz weiß auch Spannendes über die Figuren zu berichten, die seit Jahrhunderten das Münster "bewachen".

Susanne Lutz entführt beim mystisch-magischen Stadtrundgang in die Zeit der Hexenverfolgung und des tiefen Aberglaubens. Warum sie auch Parallelen zu heute erkennt.

Schwäbisch Gmünd

Nicht nur einmal schüttelten die Teilnehmer ungläubig den Kopf, als Susanne Lutz Geschichten aus der Historie der Stadt zum Besten gab. Den Fokus hatte die Stadtführerin im Auftrag der Gmünder Volkshochschule auf mystisch-magische Begebenheiten und Situationen gelegt, die sich in der Geschichte der freien Reichstadt finden. Belegt und dokumentiert.

Etwa von Dominikus Debler in seiner 17 500-Seiten-Chronik. Da ist unter anderem die Rede von einem Geist im heutigen Debler-Palais, der sich einen Spaß daraus gemacht habe, arglose Besucher im Keller zu erschrecken. Dieser sei schließlich in eine Dose eingefangen und auf die Reise nach Rom geschickt worden. "Die Dose wog fünf Kilogramm", versicherte Susanne Lutz. Und nein, die Kapuzinerpater und der Weber aus Schwäbisch Gmünd durften nicht einfach nur nach Rom gehen, sondern mussten immer zwei Schritte vor und einen zurück machen. Grund: Der Geist sollte verwirrt werden und so den Weg zurück in die Stadt nicht mehr finden.

Dass der Aberglaube der Menschen in den früheren Jahrhunderten auch ein gutes Mittel zum gar nicht guten Zweck war, zeigt der Blick auf die Hexenverfolgung. Wer einen Silberblick hatte, wer also schielte, konnte durchaus des Teufels sein. Und unter den Qualen der peinlichen Befragung, also der Folter, wurde da manch absurdes Geständnis erpresst. Über 50 Frauen mussten im 17. Jahrhundert ihr Leben auf einem Gmünder Scheiterhaufen lassen, wie Susanne Lutz erläuterte.

Schlimmer allerdings sei es für die Frauen in Ellwangen gewesen. "Dort wurde jede zweite Frau verbrannt", erzählte Susanne Lutz. Sei erwähnt, dass nicht selten der Besitz der "Hexen" an die Kirche fiel.

Die Teilnehmer der VHS-Stadtführung standen auf dem Bouleplatz beim Münster und lauschten den Ausführungen. "Genau hier befand sich einst ein Pfarrhaus. Der Geistliche wurde bezichtigt, Kinder am Taufstein dem Teufel zu weihen", erzählte Lutz. Daraufhin wurde der Pfarrer festgesetzt und sein Haus sei dem Erdboden gleich gemacht worden. "Und es wurde nie wieder aufgebaut".

Beim Rundgang ums Münster galt ein besonderes Augenmerk den 81 Wasserspeiern. Weil es damals noch keine Dachrinnen gab, war deren Aufgabe, Dachwasser kanalisiert abzugeben. Doch diese Figuren hatten auch noch einen anderen Zweck: Sie sollten die Dämonen und den Teufel abschrecken, damit dieser nicht ins Gotteshaus eindringen konnte.

Susanne Lutz macht auf die Bedeutung der bildhauerischen Kunstwerke aufmerksam. Da zeige sich etwa die Falschheit mit der vorgehaltenen Maske, die Eitelkeit, aber auch viele Tiere, denen böse Eigenschaften nachgesagt werden.

In Ellwangen wurde jede Zweite verbrannt.

Susanne Lutz, Stadtführerin

Und die Zuhörer lernen auch, warum die Pest sich in Schwäbisch Gmünd und an anderen Orten so schnell ausbreiten konnte. Schließlich hatten Katzen, vor allem schwarze, einen schlechten Ruf. Und wurden nach Möglichkeit nicht in der Stadt gehalten. Deshalb konnten die Ratten die Pest hemmungslos an die Bürgerschaft weitergeben.

Als 1613 ein schweres Unwetter über die freie Reichstadt hereinbrach, mussten schnell Schuldige gefunden werden. In der Nähe des Fünfknopfturms wurde der Mob auch fündig. Susanne Lutz schildert, dass hier, wo der Josefsbach in die Rems mündet, kurz vor dem Unwetter drei Frauen ihrer Handarbeit nachgegangen seien. Kurzerhand wurden sie der Hexerei bezichtigt und für das Unwetter verantwortlich gemacht.

Die Stadtoberen machten es sich also bereits in der Geschichte so manches Mal leicht. Und das Volk vertraute ihnen blind. Dem Aberglauben sei Dank. Die kleine Andeutung eines Denunzianten an richtiger Stelle konnte eine unschuldige Person schnell das Leben kosten.

Denunzianten gab und gibt es immer. Das wurde auch deutlich, als der Corona-Lockdown kam", spricht Susanne Lutz an, dass da mancher seinen Nachbarn anzeigte, weil sich in dessen Wohnung mehrere fremde Personen aufhalten sollten.

Weil das Interesse am Thema so groß ist, wird die magisch-mystische Stadtführung am Donnerstag, 3. September, erneut angeboten. Anmeldung unter www.gmuender-vhs.de

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