„Die Pandemie hat die Lage der Menschen verschärft“

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Die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) des Diakonieverbandes Ostalb berät Geflüchtete mit und ohne Bleibeperspektive.

Dekanin Ursula Richter besucht die Migrationsberatung für Erwachsene in Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd. Dekanin Ursula Richter und Wolfgang Schmidt, Vorsitzender der Bezirkssynode, haben die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) des Diakonieverbandes Ostalb besucht, um dort die Reihe des Sommergesprächs fortzuführen. Hierbei kamen sie mit Carola Hauck, Sozialpädagogin der MBE, und Sylvia Caspari, Geschäftsführerin des Diakonieverbandes Ostalb, ins Gespräch.

Welche Aufgaben hat die MBE? „Wir beraten im Rahmen des Asylverfahrens und Ausländerrechts“, informierte Hauck. Dabei gehe es um Familiennachzug, Anerkennung des Schul- und Berufsabschlusses, Anträge bei Behörden, Alltagsfragen rund um Schule Kindergarten und Beruf.

Welche Zielgruppe wird erreicht? Beraten werden Geflüchtete mit und ohne Bleibeperspektive. Die größte Gruppe komme demnach aus Syrien, so Hauck. Weitere kommen aus Ländern der Europoäischen Union, aus Osteuropa, Afrika und Asien. Kontakt entsteht meist über die Sprachkurse, in denen die Mitarbeiterinnen der MBE über ihre Angebote informieren.

Welche Schwierigkeiten gibt es und gab es durch die Pandemie? Beratung am Telefon oder online sei bei Menschen, die die deutsche Sprache nur holprig beherrschen fast unmöglich, erklärte Hauck. Es brauche Mimik und Gestik zum besseren Verständnis. Deshalb sei fast die ganze Zeit in Präsenz mit Trennscheibe im Saal im Stadtteilzentrum Ost beraten worden, informiert die Sozialpädagogin. Und: „Die Pandemie hat die Lage der Menschen verschärft, etwa war es schwierig mit manchen Behörden in Kontakt zu kommen.“ Gerade in Krankheitsfällen sei es besonders wichtig gewesen, persönlich ansprechbar zu sein.

Wie ist die Vernetzung im Stadtteil? „Im Stadtteilzentrum Ost sind wir mit den weiteren Trägern der Stadt, JuFun- Werkhof Ost, dem Jugendmigrationsdienst im Haus sehr gut vernetzt“ informieren Hauck und Caspari. Der Werkhof helfe Klienten etwa bei Umzügen, Reparaturen, Haushaltsnahen Hilfen. Bewohner im Stadtteil nehmen gerne an Gruppenveranstaltungen teil auch Menschen ohne Migrationshintergrund. Dekanin Richter freute sich, dass die Migrationsberatung seit vielen Jahren im Stadtteil Ost so gut verortet und bekannt ist und die Angebote auch von Gemeindegliedern wahrgenommen werden.

Wie läuft es mit der sozialen Gruppenarbeit? Die soziale Gruppenarbeit ist im Rahmenkonzept der MBE enthalten. Um allerdings die begrenzten Beratungskapazität mit Gruppenarbeit zu minimieren, wurde die Leitung der Gruppen an kompetente Honorarkräfte gegeben. Simone Demmerle leitet das Frauenfrühstück und den Nachmittagstreff für Familien zu dem Menschen mit und ohne Migrationshintergrund aus dem Stadtteil kommen. „Für die Teilnehmenden ein wichtiger Schritt in der Integration vor Ort“, so Hauck. Diese Menschen machten die Erfahrung: „Hier können sich verschiedene Kulturen vorurteilsfrei begegnen, persönliche Stärken werden aktiviert, wertvolles Wissen in Sachen Gesundheit, Bildung und Erziehung vermittelt, Kontakte untereinander geknüpft, die deutsche Sprache eingeübt und hier sind alle willkommen.“

Bei diesem Thema zeigte sich der Vorsitzender der Bezirkssynode, Wolfgang Schmidt, beeindruckt vom Konzept der Gruppenarbeit und dem hohen Interesse der Teilnehmerinnen.

Welche Veränderungen wird es bei der MBE geben? Simone Demmerle verabschiedet sich aus der Leitung der Gruppen. Ihre Nachfolgerin wird Frau El Kazimie, die selbst Migrationshintergrund mitbringt. Dekanin Richter dankte Demmerle für ihr hohes Engagement und wünschte El Kazimie einen guten Start in ihr neues Arbeitsfeld.

Wie geht es mit der Finanzierung weiter? Die MBE werde anteilig über das BAMF (Bundesamt für Migration) finanziert, informierten Hauck und Caspari. Allerdings sei der Eigenanteil des Diakonieverbandes und des Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd beträchtlich. Die Gruppenarbeit wird derzeit noch über ein Projekt von Aktion Mensch bezuschusst.

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