„Die Pandemie ist noch nicht vorbei“

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Corona verlangt weiter Aufmerksamkeit. Dr. Inge Gräßle (oben 3. von links) führte eine Online-Diskussion mit der Ärzteschaft, mit Betroffenen und Interessierten.
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Dr. Inge Gräßle diskutiert mit Ärzteschaft und Betroffenen über Corona. Jetzt den Herbst planen.

Schwäbisch Gmünd. Die Impfzentren aufzulösen, wäre ein schwerer Fehler. Das sagt Dr. Jens Mayer, Chefarzt am Stauferklinikum in einer Online-Diskussion auf Einladung von CDU-Bundestagskandidatin Dr. Inge Gräßle. „Die nächste Corona-Welle kommt, da bin ich ganz sicher“, sagt Dr. Jens Mayer weiter.

Vielleicht auch, so meint Wilfried Grabmeier aus Backnang, weil etwa in Fußballstadien leichtfertig mit den Regeln umgegangen werde. „Die Fallzahlen sind nach unten gegangen, aber es kann nicht sein, dass jetzt plötzlich wieder Stadien voll sind“, sagt der Geschäftsführer eines Unternehmens, der selbst an Corona erkrankt war. Den eigenen Leidensweg hat er genau in Erinnerung. Weil er sich an einem Freitag nicht wohl fühlte, unternahm er einen Selbsttest, der negativ war. Die Symptome blieben, am Dienstag, inzwischen stark angeschlagen, ließ er einen PCR-Test machen. Das Ergebnis kam erst am folgenden Freitag: positiv. „Das hat viel zu lange gedauert“ meint er.

Haben wir die Pandemie hinter uns, fragt Dr. Inge Gräßle. „Sicher nicht“, meint die Backnanger Hausärztin und Impfärztin Dr. Ute Ulfert, aber „wir stemmen uns dagegen“. Sie hofft nun auf ein noch höheres Impftempo, dass Corona mit der neuen Variante, die auch in ihrer Stadt schon angekommen ist, niedrig bleibt. Jetzt gelte es, Menschen von der Impfung zu überzeugen, die noch Bedenken haben. Die gibt es in allen Altersstufen, weiß Wilfried Grabmeier. Als Beispiel nennt er einen 80-Jährigen, der unter anderem einen Herzinfarkt hinter sich habe, eine Impfung aber strikt ablehne.

Was Corona mit dem Gesundheitswesen insgesamt anstellt, davon kann Dr. Jens Mayer berichten. Im Rückblick auf die drei Wellen ist er überzeugt, „dass wir das trotz aller Einschränkungen gut hingebracht haben“. Aber: parallel dazu habe man erfahren müssen, dass es bei Tumorkranken häufig zu späterer Diagnostik kam. Je später die Diagnose, desto häufiger sterben Menschen an Krebs. Dazu kam die hohe Auslastung der Intensivbetten, so dass große onkologische Eingriffe zeitlich schwieriger einzutakten waren. Zum Glück sei es gelungen, Not-Intensivräume aufzubauen und Personal dafür zu bekommen. Er ist sich aber sicher, „dass wir wegen Corona Lebenszeit verloren haben“.

Corona-Sorgen plagen auch die Familien. Daniela Dinser berichtet von der aktuellen Situation, nachdem eine Tochter Corona aus der Schule mit nach Hause gebracht hat. „Nun sind wir in Quarantäne“ sagt sie und hat eine eindeutige Meinung, was die Impfung von Kindern angeht: Aufgrund von Gesprächen mit Fachleuten sieht Daniela Dinser „keinen Grund, Kinder nicht zu impfen“. Sie schätzt es, dass die Impfpriorisierung gefallen ist, möchte Familien und Kindern nicht weiter Homeschooling zumuten. „Wir müssen an die Kinder denken, die Außerordentliches geleistet haben, wir brauchen Konzepte, dass sie weiter in die Schule gehen können.“

Corona ist also nicht vorbei, aber die Zahl der Schwerstkranken ist deutlich rückläufig. „Wir haben seit Mai im Raum Backnang keine Todesfälle mehr“, sagt Dr. Ute Ulfert und Dr. Jens Mayer spricht von vier Fällen, die aktuell im Stauferklinikum behandelt werden. Von der Politik wünscht er sich für die Zukunft verständlichere und nachvollziehbare Regeln. Allein beim Aufbau der Impfzentren habe es Ansagen von ganz unterschiedlichen Stellen gegeben. Nun müsse man sich auf die weitere Entwicklung der Pandemie einstellen. Er geht von einer dritten Impfung für „vulnerable Gruppen“, also anfälligere Menschen, aus. Menschen in Pflegeeinrichtungen seien ebenso betroffen wie solche, die beruflich viele persönliche Kontakte haben. „Wir müssen die Risikogruppen schützen“, so Dr. Jens Mayer. Wie es um die Pandemie weiter bestellt ist, darüber möchte Dr. Inge Gräßle in dieser Runde in sechs Wochen noch einmal diskutieren.

Kuno Staudenmaier

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