Die private Radarfalle für 50 Euro

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Jürgen Stemke zeigt den kleinen Radarsensor, mit dem er gemessen hat.
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Mit einer selbst gebastelten „Radarfalle“ hat Jürgen Stemke untersucht, wie schnell im verkehrsberuhigten Bereich der Schmiedgasse gefahren wird.

Schwäbisch Gmünd. Der Schnellste ist mit 74 km/h durch die verkehrsberuhigte Zone gebrettert, an einer Stelle, wo in der Vorderen Schmiedgasse Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben ist. Die Messdaten, die Jürgen Stemke dort mit einem selbst gebastelten Radarmessgerät gesammelt hat, zeigen zum ersten Mal, wie schnell dort gefahren wird. Der Durchschnittswert aller Fahrzeuge an einem Wochentag liegt bei 22 km/h, sonntags und vor allem nachts wird noch schneller gefahren. 

20 Euro hat Stemke für den Radarsensor ausgegeben, weitere 30 Euro für einen SD-Karten-Schreiber, einen kleinen Prozessor mit selbst geschriebener Software – und eine Batterie. Fertig war die selbst gebaute „Radarfalle“. Klingt wie das Rezept für ein Bastel-Video im Internet, aber darum ging es Jürgen Stemke nicht. „Ich wollte es einfach wissen“, sagt er: wie schnell vor seinem Haus in der Vorderen Schmiedgasse wirklich gefahren wird. 

Dafür hat er hunderte Fahrzeuge gemessen, an Wochentagen, an Sonntagen und bei Nacht. „Die größten 'Temposünder' am Tage sind auch die größten Fahrzeuge, die Omnibusse“, das ist eine von Stemkes Erkenntnissen.  Bei der Messung an einem Montag war ihm zufolge der schnellste Bus mit 43 km/h unterwegs, die langsamsten Exemplare fuhren mit knapp über 20 km/h durch die enge Passage. 

Es ist ein Symptom des Dilemmas in den Schmiedgassen: Die Busse schränken die Nutzungsmöglichkeiten der Fahrbahn für Fußgänger stark ein, durch ihre Anzahl von fast 1000 pro Tag, die  raumfüllende Größe der Elf- oder Dreizehntonner, dazu die Geschwindigkeit auf der schmalen Fahrbahn. Aber wie gehen attraktive Buslinien und Verkehrsberuhigung zusammen? „Die Busse sind die zentrale Frage“, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. Die nach wie vor ungelöste Frage steht für den halbfertigen Status der umgestalteten Schmiedgassen. 

Seine Messdaten hat Jürgen Stemke Fachleuten der Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Richard Arnold präsentiert. „Die haben mir sofort geglaubt“, erzählt Stemke. Er weiß schließlich, was er tut: Stemke hat Elektrotechnik mit Schwerpunkt Informationstechnik. Als Tempo-Analytiker der Schmiedgasse  ist er nur tätig geworden, weil ein Appell an die Stadt, dort zu messen, nicht gefruchtet habe. „Ich bat die Stadt, automatische Dauer-Messungen durchzuführen, aber das wurde abgelehnt.“ Darum also die Eigeninitiative. 

Wie geht die Stadt mit Stemkes Daten um? „Wir werden das in unsere Arbeit einfließen lassen“, verspricht Oberbürgermeister Richard Arnold. Es sei nicht so, dass die Stadt dort nichts tue, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. Die Durchfahrt in den Schmiedgasse werde manchmal täglich, in der Regel aber jeden zweiten Tag kontrolliert. Für den Stadtsprecher sind die Daten Teil des Spannungsverhältnisses, in dem er die Stadtverwaltung beständig steht: „Wir bekommen über viele Stellen in der Stadt Beschwerden, das zu schnell gefahren wird.“ Andererseits gebe es auch Bürger, die den Kontrolldruck anprangern. Deren Frage laute dann: „Verteilt Ihr eigentlich nur noch Strafzettel?“

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