Die Rollkoffer bleiben in den Regalen

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Chris Kittel (links) und Dominik Arnold sind über volle Regale im Lager gar nicht glücklich. Gewöhnlich ist die Halle um diese Jahreszeit leergefegt, das Equipment ist im Einsatz.

In Zeiten der Pandemie trifft es die Veranstaltungsbranche besonders hart. Die Chefs von Mixtown wollen ihren Optimismus mit ins nächste Jahr nehmen.

Schwäbisch Gmünd

Volle Regale im Lager beunruhigen Dominik Arnold und Chris Kittel, Geschäftsführer des Veranstaltungstechnik-Unternehmens Mixtown. "Normalerweise sind die Regale um diese Jahreszeit leergefegt", sagt Dominik Arnold und erinnert sich dabei an Zeiten voller Konzerte und Tourneen im Herbst. 2020 ist alles anders. Corona hat die Branche lahmgelegt. Auch ein Zwischenhoch im Sommer war Fehlanzeige. Es gab nur einige kleinere Einsätze, etwa beim Kulturfestival im Himmelsgarten. Und bei der Aktion in eigener Sache, der "Night of Light", als nachts das Forum Gold und Silber in leuchtendes Rot gehüllt wurde, um auf die Situation der Veranstaltungsbranche aufmerksam zu machen.

Trotz aller Schwierigkeiten, "wir bleiben optimistisch", sagen die Mixtown-Chefs. Optimistisch sind sie ins Jahr 2020 gestartet. Chris Kittel spricht von einer "tollen Auftragslage". Der März ändert alles: Innerhalb von Tagen kommt der Lockdown, das Geschäft geht auf Null. Statt Aufträge abzuwickeln, besteht der Büroalltag aus Stornos und Terminverschiebungen. Dominik Arnold schätzt den Anteil an Stornos auf 80 Prozent. Höchstens in 20 Prozent der Fälle geht es um neue Termine. "Wenn das Stadtfest in Gmünd ausfällt, gibt es ja im nächsten Jahr keine zwei Stadtfeste. Das gilt auch für viele Festivals, bei denen Mixtown regelmäßig gebucht ist.

Die anfängliche Hoffnung, der Spuk könnte im Sommer oder Herbst vorbei sein, erweist sich als trügerisch. Die Pandemie nimmt im Herbst an Fahrt auf, ab diesem Montag ist der Veranstaltungsverzicht wieder komplett. "Für uns fallen allein im November 16 größere Veranstaltungen oder Tourneen weg. Eine Tour mit Wolfgang Haffner etwa. Wir wären in der Festhalle Baden-Baden ebenso gewesen wie in Gütersloh.

Sicherer als anderswo

Und aus Sicht von Dominik Arnold wäre Baden-Baden trotz Corona bespielbar. In Deutschlands größtem Festspielhaus könnten statt 2500 in diesem Fall 500 Gäste sicher zuhören. "Das ist weniger gefährlich als jeder Einkauf im Supermarkt", sagt der Mixtown-Chef. Weil Konzerte ja ohne Pause laufen, weil die Leute auf Abstand sitzen und alle Hygienevorschriften eingehalten würden, sei das sogar unproblematischer als Begegnungen im privaten Umfeld, die ja nicht kontrolliert werden könnten.

Dass es rasch ein Medikament gibt, das der Krankheit die Gefährlichkeit nimmt.

Dominik Arnold Mixtown

Dennoch respektiere man die neuen Beschränkungen. Leidtragende sind die vielen Solo-Selbstständigen, die in der Branche tätig sind. Sie werden für einzelne Einsätze engagiert und "sind die Verlierer dieser Zeit". Die Chefs natürlich auch, die für sich keine Kurzarbeit beantragen können wie für die Angestellten. Dominik Arnold und Chris Kittel haben das Firmengebäude aber nicht abgeschlossen. Sie sind täglich dort, "Büroarbeit fällt weiter an". Auch wenn es nicht leicht ist, das ohne Büromitarbeiterinnen zu schultern", wie Chris Kittel weiß. Jetzt richten sie den Blick auf die Zukunft, planen die Zeit nach Corona, auch wenn offen, ist, ob Veranstaltungen im Frühjahr schon wieder möglich sind. Und sie wickeln ausgefallene Termine ab und "dabei denken wir langfristig". Auch wenn es mit Veranstaltern Verträge gebe, poche man nicht auf die (finanzielle) Erfüllung, "weil wir mit fast allen über viele Jahre verbunden sind". Da sei die dauerhafte Fortsetzung der Zusammenarbeit wichtiger.

Ein Danke in Coronazeit

Selbst der trockene Büroalltag während Corona kennt Momente der Genugtuung. "Thomas Quasthoff hat sich nach dem Auftritt in Wetzgau gemeldet und sich bei Mixtown bedankt", sagt Dominik Arnold. "Auch Leute, die wir oft gar nicht kennen, sagen, ‚danke, dass Ihr das möglich gemacht habt‘." Manchmal kommen solche Dankesworte auch mit zeitlicher Verschiebung. Georg Ringsgwandl, bayerischer Kabarettist, Liedermacher und Arzt, meldete sich während der Coronazeit bei Dominik Arnold. "Mit ihm haben wir vor 30 Jahren in dessen Wohnung eine Platte aufgenommen", sagt der Mixtown-Chef. Jetzt hat Georg Ringsgwandl sie mal wieder angehört und geschrieben: "Das war die beste Scheibe, die ich je gemacht habe."

Das Beste, das Mixtown jetzt passieren könnte: "Dass es rasch ein Medikament gibt, das der Krankheit die Gefährlichkeit nimmt", sagt Dominik Arnold. Dann würde sich vermutlich alles wieder regenerieren. "Erst wenn wir den Leute die Angst nehmen, geht es richtig weiter."

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