Die Schule als Jobbörse fürs Handwerk

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Machen statt nur erzählt bekommen: Beim Handwerkertag an der Adalbert-Stifter Realschule konnten sich Schüler vielfältig betätigen. Als Beobachter (v.l.) Bürgermeister Christian Baron, Schuldezernent Karl Kurz, Konrektorin Silke Nutsch.
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„Handwerkertag“ an der Adalbert-Stifter-Realschule - Betriebe zu Gast.

Schwäbisch Gmünd. Aus Klassenzimmern wurden kleine Werkstätten: Beim „Handwerkertag“ an der Adalbert-Stifter-Realschule haben lokale Handwerksbetriebe ihre Berufe vorgestellt. Nicht nur theoretisch, sondern mit vielen Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler, sich handwerklich auszuprobieren.

Marina Daul von Daul Haustechnik lässt die ASR-Achtklässler Kerzenständer aus Metallrohren bauen. Bei der Bäckerei Berroth dürfen die Schüler sich ein aufwendig belegtes Weckle machen, natürlich, um es später in der Pause auch selbst essen zu dürfen. In anderen Klassenzimmern wird gesägt, gepinselt, geschraubt.

Für die Adalbert-Stifter-Realschule war der Handwerkertag, der vom Ostalbkreis initiiert wird, eine Premiere. Für viele Betriebe war er Normalität – sie müssen sich meist ihre Auszubildenden aktiv suchen, wenn sie guten Nachwuchs haben wollen. „Das machen wir schon seit Jahren. Wer nicht wirbt stirbt“, sagt Michael Schramel vom gleichnamigen Autohaus. Auch für Michael Krazer von Fensterbau Krazer sind solche Tage wichtig, um mit potenziellen Azubis Kontakt zu bekommen. „Wir gehen hauptsächlich in die Schulen. Man muss nach den jungen Leuten schauen; das Internet ist wichtig, aber der persönliche Kontakt noch mehr.“

Es ist eigentlich eine Traumkonstellation für junge Leute: Es mangelt nicht an Ausbildungsplätzen im Handwerk, es mangelt manchmal an Bewerbern. „Die Stellen als Fachverkäuferin können wir gar nicht alle besetzen“, erzählt Bäckermeister Pascal Berroth. Umso wichtiger ist es, Betriebe und mögliche Bewerber zusammenzuführen. Und Orientierung zu schaffen: „Es gibt so viele Berufsbilder heutzutage, da verlieren junge Leute gern den Überblick.“ Dem sollte der Handwerkertag entgegenwirken: „Die Schülerinnen und Schüler können an einem Vormittag in drei verschiedene Beruf reinschnuppern. Das ist einzigartig, es erweitert Horizonte und schafft Möglichkeiten“, sagte Konrektorin Silke Nutsch. Für Schuldezernent Karl Kurz vom Ostalbkreis sind solche direkten Kontakte nach zwei Jahren Pandemie wichtiger denn je: „Durch Corona haben die Kontakte sehr gelitten, viele Jugendliche habe in dieser Zeit kaum oder gar keine Praktika machen können.“

Mahmoud Almahmoud hatte das Glück, sein Praktikum vor Corona gemacht zu haben. Jetzt ist der 21-Jährige, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt, Maler-Azubi im dritten Lehrjahr und man sieht ihm an: Er ist im Berufsleben angekommen; an diesem Tag steht er selbstsicher in seiner Berufskleidung vor den ASR-Schülern und gibt ihnen Tipps, wie sie mit Pinsel und Farbe umgehen sollten. Und er kann seinen Job empfehlen: „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf, man arbeitet mal innen, mal außen, es wird nie langweilig.“ Zu tun haben er und seine Kollegen, das erzählt er auch noch, eher zu viel als zu wenig.

Dass es sich lohnt, ins Handwerk zu gehen, kann man auch bei Michael Krazer erfahren, als der erzählt, wie Azubis verdienen. Die Jobs im Handwerk sind nicht nur krisensicher, sondern auch ordentlich bezahlt. Knapp 1000 Euro verdient man etwa als Glaser im zweiten und dritten Lehrjahr pro Monat, es gebe auch noch Weihnachtsgeld. Und das ist nicht alles: „Wir bezahlen sogar einen Bonus für gute Noten.“ Bernd Müller

Acht Betriebe stellen Berufe im Handwerk vor

  • Beim Handwerkertag in der Adalbert-Stifter-Realschule haben diese acht Handwerksbetriebe ihre Berufe vorgestellt: Bäckerei Berroth (Fachverkäufer/in, Bäcker/in und Konditor/in), Daul Haustechnik (Anlagenmechaniker/in), Gebrüder Hörner (Maler/in), Fensterbau Krazer (Glaser/in), Haus Lindenhof (Gebäudereiniger/in, Hauswirtschafter/in), Autohaus Schramel (Kfz-Mechatroniker/in), Stadtverwaltung (Gärtner/in), Elektro Wamsler (Elektriker/in).
Handwerkertag an der Adalbert-Stifter Realschule

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