Die Stadt Gmünd von oben erkunden

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Vom Lindenfirst aus ließen die Tourteilnehmer ihre Blicke über die Stadt Schwäbisch Gmünd wandern.

"Über den Dächern von Gmünd" gibt's jede Menge zu sehen und zu erleben – und mit Blick von oben lässt sich die Geschichte der Stadt besonders schön erzählen.

Schwäbisch Gmünd

Was verbindet Schwäbisch Gmünd mit Stuttgart? Beide Städte haben herrliche Höhen- und Halbhöhenlagen. Die Stadt Stuttgart vermarktet schon seit Langem seine Stäffele – Zeit, dass Gmünd nachzieht und seine zum Teil noch verschlafenen Fußwege richtig entdeckt – herrliche Ausblicke auf Stadt und Dreikaiserberge entlohnen den Anstieg auf lauschigen Pfaden, die zum Teil schon Jahrhunderte bestehen.

Eine gute Möglichkeit, die Wege und mit ihnen Gmünds Geschichte kennenzulernen, ist die VHS-Führung "Gmünd von oben – über den Dächern von Gmünd" mit Stadtführerin Susanne Lutz. Sie begrüßte am Freitagabend am Taubentalparkplatz 14 Interessierte und führte sie an der früheren Jugendherberge vorbei den steilen Limeswanderweg hinauf zum Lindenfirst, und damit zum ersten der sieben Hügel. Als weitere nannte Lutz den Kaffeeberg, den Nepperberg, den Straßdorfer Berg, den Galgen-, Siechen- und den Ziegelberg. Zwinkernd schob sie nach, dass die Zahl natürlich ein wenig Definitionssache sei. Und "alle haben ihre Geschichte", kündigte sie gleich eingangs weitere Führungen in der Reihe an: Im Sommer soll es mit dem Zeiselberg weitergehen.

Doch zurück zum Lindenfirst. Er wurde 2019 aufgewertet, als die Schutzhütte abgebaut und ein Aussichtsturm errichtet wurde – eine der 16 Stationen, die seit dem Gartenschaujahr 2019 das Remstal verbinden. Susanne Lutz erinnerte daran, wie der geplante Turm um eine alte Linde für Diskussionen sorgte, als Oberbürgermeister Richard Arnold das Wort "Tanzlinde" herausgerutscht sei. Bei den Anwohnern seien damals Befürchtungen aufgekommen, dass hier oben ständig Partys steigen könnten. Doch im Moment ziehe eher der Salvator die Jugend an. "Als noch die Schutzhütte stand, war hier mehr Unrat", so die Stadtführerin.

Von "Tanzlinde" heutzutage keine Spur, die Besucher genießen vielmehr den wunderschönen Blick auf die Stadt und die Landschaft. Der Tanz könnte jedoch in die Vergangenheit weisen: "Ein Hexentanzplatz wird hier vermutet", berichtet Lutz, und fügt lachend an, die Thermik habe man von hier aus bestimmt gut nutzen können. Doch um die Hexen wirklich auf dem Besen reiten zu sehen, müsse eine gehörige Prise Bilsenkraut und Belladonna im Spiel gewesen sein.

Mit Blick auf den Hohenstaufen lässt sich auch gut Gmünds staufische Geschichte anreißen. Die Stadt liegt an der engsten Stelle des Remstals und habe deshalb für das mittelalterliche Herrschergeschlecht eine besondere Rolle gespielt. Ab 1088 seien sie im Stauferland nachweisbar, spätestens ab 1162 haben sie den Flecken zur Stadt ausgebaut. Gmünd wuchs alsbald stark an, denn "Stadtluft macht frei", erklärte die Stadtführerin einen Ausspruch, dem ein mittelalterlicher Rechtsgrundsatz zugrunde liegt: Viele Leibeigene setzten sich ab dem 11. Jahrhundert in den Städten ab, wo sie für ihre Grundherren zumeist unauffindbar waren. Nach einem Jahr und einem Tag konnte der Unfreie nicht mehr von seinem Dienstherrn zurückgefordert werden und wurde somit Stadtbewohner.

Stadtluft macht frei.

Susanne Lutz, Stadtführerin

Wunderbare Aussicht

Alsbald ließen sich auch Orden in der Stadt nieder, beginnend mit den Bettelorden, und die Stadt strebte auf – der Bau eines großen Münsters war die Folge. Vom Lindenfirst aus sieht das Dach mächtig aus. Und zeuge davon, dass neben den Parlern weitere Baumeister ihre Spuren hinterließen, geht Lutz auf die lange Baugeschichte ein.

Genug Stoff für eine Stadtführung, doch auch der Salvator mit seinen Felsenkapellen stand noch auf dem Programm, und damit der zweite Hügel, der Nepperberg. Auch von hier oben faszinierte neben dem "sehr besonderen" Ort, so Lutz, auch die wunderbare Aussicht. Nach dem Regen am Vortag war die Luft besonders klar und die Weitsicht außergewöhnlich gut – Stadtluft macht auch heute noch frei, vor allem in den oberen Lagen.

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