Die tollen Tage kommen zum Schluss

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Jahr für Jahr versuchen die Rathausmitarbeiter mit einer aufwändig gestalteten Choreographie die närrischen Angreifer abzuwehren – traditionell ziehen sie aber immer den Kürzeren. Archivfoto: Tom

Wieso, weshalb, warum? Der Rudo erklärt, den schmotzigen Donnerstag, die Narrenherrschaft und das Ende der Narretei - den Aschermittwoch.

Schwäbisch Gmünd

Die Fasnet 2022 fällt aus. Schon wieder. Dabei hätten die Narren (fast) freie Bahn gehabt. Die aktuellste Corona-Verordnung hätte eine Fasnet im kleinen Rahmen erlaubt – doch es folgte der Ukraine-Konflikt. Keine Zeit, um überschwänglich zu feiern, so die Verantwortlichen. Doch wie bereits in den vergangenen Wochen gibt's zumindest etwas Fasnet, wenn auch nur in geschriebener Form. Denn der Rudo hat sich dazu bereit erklärt, in der Gmünder Tagespost verschiedene Bereiche der Gmender Fasnet zu beleuchten. Sein Thema heute: „Die tollen Tage zum Schluss - vom schmotzigen Donnerstag bis Aschermittwoch“.

Die heiße Phase der Fasnet

Der schmotzige, gompige oder glombige Donnerstag ist der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit. Er läutet die heiße Phase der Fasnet ein. Gleich eine Klarstellung am Anfang: „Schmotzig“ hat nichts mit schmutzig zu tun, sondern kommt von schmalzig, meint also fettig, und denkt an das Fettgebackene (Fasnetskiachla, Berliner), das in dieser Zeit gebacken und gegessen wird. Gebacken wurde es, um das angefallene Fett aus den Schlachtungen und überzählige Eier vor der Fastenzeit noch zu verwerten.Gegessen wird es gerne als Grundlage für den Alkohol.

„Gompig“ oder „gumpig“ kommt derweil vom Verb „gumpen“ und meint hüpfen oder auf und ab bewegen. „Glombig“ ist aller Voraussicht nach eine Abwandlung von „gompig“.

Der närrische Angriff

Der „Schmotzige“ ist ein wichtiger Tag in der Fasnet, wird doch hier die Herrschaft der Narren manifestiert. Mit Rathaussturm und Entmachtung der Bürgermeister übernehmen die Narren offiziell das Regierungszepter, oft einhergehend mit Schülerbefreiungen, um auch den närrischen Nachwuchs, den „Narrensamen“ in Freiheit zu setzen. Als weithin sichtbares Zeichen wird spätestens jetzt vielerorts ein Narrenbaum gesetzt.

In Schwäbisch Gmünd hat sich hier in den letzten Jahren eine schöne Tradition entwickelt: Ausgerüstet mit einer Konfettikanone ziehen die Narren in Begleitung einer Guggenkapelle vom Feuerwehrhaus zum Rathaus, wo dann in einer aufwändig gestalteten Choreographie der närrische Angriff aufs Rathaus (Narren) und die Verteidigung, besser gesagt auf die Angestellten, zelebriert wird. Okay: Der Ausgang dieser Show ist klar und endet immer mit der Proklamation der Fasnet durch die närrische Bürgermeisterin vom Balkon des Rathauses.

Übrigens: Früher spendierte die Stadt den Siegern zur Vermeidung von Plünderungen Sekt und Häppchen. Diese Belohnungen sind inzwischen leider dem Rotstift des Oberbürgermeisters zum Opfer gefallen.

Im Rheinischen Karneval wird an diesem Tag Weiberfastnacht, Wieverfastelovend gefeiert: Für einen Tag übernehmen die Frauen das Regiment und schneiden den Männern die Krawatten ab, dem Zeichen männlicher Dominanz. Hier markiert der Tag den Übergang von der Saal- zur Straßenfastnacht.

Am „Bromigen Freitag“ und Fasnetssamstag, den beiden Tagen nach der närrischen Machtübernahme ist es auf den Straßen eher ruhig, allerdings werden diese Tage gerne für Zunft- oder Vereinsbälle genutzt.

Am Sonntag beginnt dann die Hochzeit der närrischen Umzüge. Dann lassen es sich viele Narrenzünfte und Kirchengemeinden nicht nehmen, Narrengottesdienste abzuhalten. So hat in der Gmünder St.-Franziskus-Kirche die gereimte Predigt an diesem Tag ebenso eine Tradition wie die anschließende Bockmusik im Franziskaner. Und in St. Michael in der Weststadt hat sich ein ökumenischer Familiengottesdienst mit Guggenmusik etabliert.

„Fasnetmendig“, auch „Rosenmontag“ genannt, ist schließlich für seine Umzüge bekannt. Hier kommen noch einmal die Unterschiede zwischen schwäbisch-alemannischer Fasnet und rheinischem Karneval zum Tragen: Der Rottweiler Narrensprung lebt von seinen lebendigen Hästrägern und dem Klingen der Geschelle. Die großen Umzüge in Köln, Mainz und Düsseldorf werden dagegen von großen Festwagen und Garden geprägt.

Beliebter Gaudiwurm

Eigentlich kommt zum Schluss das Beste. Aber der 47. Gmünder Fasnetsumzug musste in diesem Jahr wie schon 2021 coronabedingt abgesagt werden. Das ändert nichts daran, dass sich der Gaudiwurm in den zurückliegenden Jahren einer großen Beliebtheit erfreut und mit bis zu 50 000 Besuchern und um die 80 teilnehmenden Gruppen zu einem der größten in der Region gemausert hat. Beim anschließenden Kehraus im Prediger steppt traditionell der Bär und spätestens wenn das Silbermännle dann „ins Bett gebracht“ wurde und im Rathaus verschwindet, dämmert es auch dem Letzten: „Nicht mehr Fasnacht, bis das nächst‘ Jahr!“

In den vielen Gemeinden mit schwäbisch-alemannischer Tradition endet der Fasnetdienstag mit dem „Hex verbrenna“ oder auch „Fasnet verbrenna“. Symbolisch wird unter lautem Heulen und Wehklagen eine Strohpuppe verbrannt. Schlussendlich werden am Aschermittwoch in festlicher Trauerkleidung die Geldbeutel gewaschen und der Rathausschlüssel zurückgegeben. Der Narrenbaum fällt und beim traditionellen Heringsessen wird schon einmal Rückblick und Manöverkritik gehalten. Was dann kommt, ist die Fastenzeit.

Fasnet-Serie der Gmünder Tagespost

  • Bereits in den vergangenen Wochen sind in der Gmünder Tagespost sieben Teile der Fasnet-Serie veröffentlicht worden. Sämtliche Artikel stehen online auf www.tagespost.de weiterhin zur Verfügung.
  • Folge 1: Fasching - Fasnet - Karneval: Begriffsklärung und Ursprünge
  • Folge 2: Rheinischer Karneval vs. schwäbisch-alemannische Fasnet
  • Folge 4: Das Gmünder Silbermännle
  • Folge 5: Rudo, der Hölltalschütz
  • Folge 6: Die Narrenattribute der schwäbisch-alemannischen Fasnet
  • Folge 7: Die Bedeutung der Guggenmusik und die Narrenbaum-Tradition
  • Bonusfolge: Die tollen Tage zum Schluss - vom Rathaussturm bis Aschermittwoch

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