Die „Trauernde“ als Stolperfalle?

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Die Trauernde
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Schon mehrfach stürzten Passanten über die Skulptur Menashe Kadishmans an der Westfassade der Gmünder Johanniskirche. Was die Stadtverwaltung dazu sagt.

Schwäbisch Gmünd

Kunst an öffentlichen Plätzen soll zum Nachdenken anregen und zum Betrachten einladen. Gleich zwei Mal in den vergangenen Wochen entpuppte sich Kunst in Schwäbisch Gmünd allerdings weniger als Hingucker, dafür als Stolperfalle. Gleich zwei Mal stürzten Passanten über die „Trauernde“ - eine Skulptur des israelischen Künstlers Menashe Kadishman, die seit 1996 an der Westfassade der Johanniskirche steht.

Nach einem Gespräch mit einem Bekannten auf Höhe der „Trauernden“ wollte er seinen Weg fortsetzen, erinnert sich der Gmünder Hans-Dieter Beller. Dabei sei er über die unteren Ausläufer der Frauenfigur aus Stahlblech gestürzt, die sich sehr nah am Boden befänden. Mund, Nase und Zähne habe er sich beim Sturz angeschlagen, berichtet Hans-Dieter Beller weiter. „Passanten wollten schon einen Krankenwagen rufen“, erzählt er, weil er sehr stark geblutet habe. Susanne Baumhauer von der Gmünder Einhorn-Apotheke sei dann aber zu Hilfe geeilt und habe ihn mit einem Klammerpflaster für die Nase verarztet.

Ähnliches berichtet auch Toni Rota, Senior-Chefin des Café Margrit, das auf Höhe der „Trauernden“ seine Gäste im Außenbereich empfängt. Schon mehrere Male seien Passanten über die Skulptur gestolpert. Kürzlich sei eine Gmünd-Besucherin um die 60 so gestürzt, dass sie die Frau im Café erstversorgt und den Krankenwagen gerufen habe, berichtet Toni Rota. Die Gestürzte hatte sich an den Schienbeinen verletzt und blutete sehr. „Die Skulptur ist wunderschön“, erläutert Hans-Dieter Beller. Er habe überhaupt nichts gegen die „Trauernde“. Aber vielleicht stehe sie etwas ungeschickt an dieser Stelle und sollte abgesichert oder gedreht werden, schlägt er vor, damit nicht noch mehr passiert. Toni Rota denkt ebenfalls an eine Absicherung. Wenn Passanten vom Marktplatz her kommen und eng um die Kirche gehen, dann sehen viele den unteren bodennahen Teil schlecht, da er ähnlich gefärbt sei wie der Pflasterbelag, schildert sie. 

Es bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen der Skulptur und dem Platz, auf dem sie steht, erläutert dazu Gmünds Stadtsprecher Markus Herrmann. Der Künstler Menashe Kadishman habe damals die Stelle eigens für seine Figur gewählt, die eine trauernde Frau zeigt, welche sich über den Sarg ihres Kindes beugt. Das Werk soll daran erinnern, dass der Johannisplatz bis 1803 einer der Friedhöfe der Stadt war. Die Skulptur weise somit einen direkten Zusammenhang zum Johannisplatz auf, stehe in der Sichtachse zum Prediger und nicht zufällig an der Ecke. Sie könne deshalb auch nicht einfach abgebaut und an anderer Stelle aufgestellt werden, erklärt der Stadtsprecher.

Es komme eher selten vor, dass sich Passanten wegen eines Sturzes über die Skulptur bei der Stadt melden. Daher sieht Markus Herrmann aktuell keinen Handlungsbedarf, was ein Versetzen der „Trauernden“ betrifft, obwohl es der Stadt natürlich wichtig sei, vieles barrierefrei zu gestalten und Stolperfallen zu vermeiden.

In der Vergangenheit habe es schon mehrfach Diskussionen in der Stadt über die Ästhetik der „Trauernden“ gegeben, aber keine über deren Standort. Die „Trauernde“ stehe ja bereits geschützt in einer Ecksituation, ergänzt Markus Herrmann. Der Künstler habe sich mit dem Platz und dem ganzen Ensemble dort auseinandergesetzt. Eine Absperrung in Form eines Zaunes würde die Absicht des Künstlers und zudem die Sichtachse zerstören. Einem Standort-Wechsel vorgeschaltet müsste es eine kulturpolitische Diskussion darüber geben, bei der vor allem Dr. Max Tillmann als Leiter des Prediger-Museums gehört werden müsste.

Die „Trauernde“: Der Gmünder Museumsverein hat die Skulptur des Künstlers Menashe Kadishman aus Tel Aviv im Jahr 2004 nach einer Ausstellung von Kadishmans Werken im Prediger erworben. Die Stadt hat sie an der Westfassade der Johanniskirche platziert, mit Blick hinüber zum Prediger. 

Menashe Kadishman war Zeichner, Maler und Bildhauer. Er lebte und arbeitete in Tel Aviv in Israel. Kadishman ist 1932 geboren und 2015 gestorben.

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