Die Ukraine-Flaggen blieben weg beim Friedensfest

+
Die Vorbereitungsklasse der Moztartschule, in der nun auch Kinder aus der Ukraine unterrichtet werden. Im Hintergrund (v.l.): Daniel Hobner, Emel Waibel, Julia Schaulski und Rektor Alexander May.
  • schließen

Die ersten ukrainischen Flüchtlingskinder sind im Schulbetrieb angekommen – ein Besuch in der Mozartschule in Hussenhofen.

Schwäbisch Gmünd

Ihr Leben hat wieder Struktur: 13 Kinder aus der Ukraine hat die Mozartschule seit Anfang März aufgenommen - und sogar eine ukrainische Lehrerin. In einer so genannten Vorbereitungsklasse (VKL) sind sie nun dabei, Deutsch zu lernen. Nachmittags können sie am Regelunterricht teilnehmen.

Es ist keine neue Situation für die Lehrerinnen und Lehrer an der Mozartschule: Kinder aufnehmen, die erst einmal ihre neue Sprache lernen müssen, ist dort schon lange Teil des Berufs. Für die Neuankömmlinge muss nichts neu erfunden werden. „Die Strukturen sind da“, sagt Rektor Alexander May. Und sie sind erweiterbar. Noch knapp 40 weitere Flüchtlingskinder denkt er in seiner Schule aufnehmen zu können. „Wir können das System ausbauen, wenn wir mehr Personal bekommen.“ Es sei aber keine Option, dass man sage, dann müsse die Gruppe eben größer werden. „Wir nehmen maximal 15 in eine Klasse, und schon das ist eine große Herausforderung.“

Mit 52 Schülerinnen und Schülern in vier VKL-Klassen ist die Mozartschule ins Schuljahr gestartet. Inzwischen sind 20 weitere dazugekommen, darunter die 13 ukrainischen Kindern. Mit einem Anruf hat es angefangen: „Beim ersten Kind haben Gasteltern einer geflüchteten Familie angerufen“, erzählt der Rektor.

Die bisher Angekommenen erlebt May als „sehr motiviert, leistungsorientiert,“ es kommen Eltern, die großes Interesse haben, dass ihre Kinder schnell viel lernen. „Das sind Eltern, die sind eine Leistungsgesellschaft gewohnt, die wollen hier anknüpfen. Es haben sogar Mütter gefragt, ob sie hier mit Deutsch lernen können bis sie etwas für sich finden.“ Man merke, dass die bisher Angekommenen früh und strukturiert gekommen sind. Viele von ihnen seien nach Gmünd gekommen, weil sie dort familiäre Bindungen haben. Es wird auch andere Neuankömmlinge geben, dessen ist sich Alexander May sicher: „Wir haben noch nicht Kinder, die ohne Anschluss nach Gmünd geflohen sind.“

„Die Kinder können das trennen“

Und wie wirkt sich die Ankunft der ukrainischen Kinder auf den Frieden an der Schulfrieden aus, an der auch russischsprachige Schüler sind? Bisher bleibt es bei Diskussionen - und bei Humor: „Der Running Gag unter den russischsprachigen Schüler war: Wann schließt ihr uns aus dem Schulsport aus?“, erzählt Lehrer Daniel Hobner. Wo doch russische Sportler weltweit ausgeschlossen würden.

Was hilft gegen Impulse nationaler Gegnerschaft, ist die Begegnung auf persönlicher Ebene in der Schule: „Die Kinder können das schon trennen. Es gab viele russischsprachige Schüler, die bereit waren, Sprachpaten zu sein“, sagt Hobner. Diskussionen seien auch völlig in Ordnung. „So lange es dabei bleibt, ist es gut. Man muss es als Lehrer begleiten, das macht auch Arbeit.“

Als die Lehrerinnen und Lehrer der Mozartschule in der vergangenen Woche ein Friedensfest organisiert haben, merkten sie schnell, dass eine ursprüngliche Idee nicht geht: ukrainische Flaggen aufhängen. May: „Da haben Kinder schnell gesagt: Wieso greift ihr diesen Krieg heraus?“ Kurdische Kinder aus der 5. Klasse hätten das etwas gefragt oder ein Kind aus Somalia.

Einen bevorzugten Blick auf die sicher weiter wachsende Gruppe der Schüler aus der Ukraine soll es nicht geben an der Mozartschule: „Wir dürfen die Kinder aus den anderen Ländern auch nicht verlieren“, sagt Rektor May.

Wieso greift ihr diesen Krieg heraus?“

Schülerinnen und Schüler, aus anderen Kriegsgebieten, zum Plan ukrainische Flaggen aufzuhängen

Die Lehrerin, die geflohen ist

  • In der Ostukraine war Julia Schaulski Konrektorin. Ihr Mann kämpft in der Ukraine – sie ist nun an der Mozartschule, als Schülerin und Lehrerin gleichermaßen. „Sie nimmt morgens am Sprachkurs teil, später unterrichtet sie dann Kinder in kyrillisch“, berichtet Rektor Alexander May. Schaulski verdient schon ihr ersten Geld: Fürs Unterrichten entlohnt die Schule sie mit dem Satz eines „Jugendbegleiters“ - mit 12 Euro in der Stunde. ⋌mü

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare