Die wahrscheinlich kleinste Kneipe der Ostalb: Carstens Schlupfloch

+
Seit 1995 steht Carsten Kolodziej am Tresen seiner Kneipe "Schlupfloch".
  • schließen

Seit 1995 ist das "Schlupfloch" Anlaufstelle für Jung und Alt, für Stammtisch und für Laufkundschaft. Was die Mini-Kneipe besonders macht.

Schwäbisch Gmünd. Man geht nicht ins Schlupfloch, man geht zu Carsten. "Das sagen die meisten", bestätigt der Wirt des Schlupflochs in Schwäbisch Gmünd, Carsten Kolodziej. Seit 1995 finden ihn seine Gäste hinter dem Tresen, der gerade einmal rund vier Meter lang ist. Das Schlupfloch ist klein, doch die Kundschaft und ihre Treue groß.

Knapp 30 Quadratmeter, ohne Tresenbereich, misst die Raucherkneipe in der Gmünder Innenstadt. Je nachdem, wie man's mit der Beinfreiheit hat, finden gut 40 Leute im Lokal Platz. Damit dürfte Carsten die kleinste Kneipe im Ostalbkreis bewirten - spätestens, seit dem das "Kabuff" geschlossen hat. Was das Schlupfloch besonders macht? "Das Alte, das Eckkneipenfeeling", beschreibt der 58-jährige Wirt. In der ehemaligen Nagelschmiede, deren Gebäude wohl ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammt, sind immer noch Balken an den Wänden und Decken zu sehen. Je nach Jahreszeit dekoriert Carsten seine Kneipe. Zu Ostern festlich, zu Fasching närrisch. Auf der Herrentoilette finden Klogänger das ganze Jahr über Fußballtore in den Pissoirs.

Das Schlupfloch hat treue Gäste

Die Schlupfloch-Kundschaft ist bunt gemischt, generationenübergreifend. Nicht selten bediene der Wirt am frühen Abend Gäste, deren erwachsene Kinder später am Abend ins Lokal kommen. Teils habe er Gäste, die auf die 70 zugehen, seit Eröffnung im Jahr 1995 zur Stammkundschaft zählen. Doch auch bei jungen Gästen sei das Schlupfloch beliebt. Die Kundschaft ist nicht nur vielfältig, sondern auch treu. Das habe sich etwa während der coronabedingten Schließungen gezeigt: 650 Euro sammelten Schlupflochgänger während des Lockdowns. Ein kleines "Trinkgeld". "Das war schon faszinierend", erinnert sich der 58-Jährige. Ein weiterer Gast habe ihm monatlich 100 Euro in den Briefkasten geworfen. Begründung: "Das Geld kann er nicht ausgeben. Trotzdem gibt er es mir." 

Musikalisch gibt's im Schlupfloch alles auf die Ohren. "Ich habe selber über die Jahre gar keinen Musikgeschmack mehr", gibt der Wirt zu. Er könne mit so ziemlich allem etwas anfangen, von Rock bis Techno. Abgestimmt wird die Musik auf die anwesenden Gäste.

Auf Instagram kursiert ein Bild mit dem Text "Carsten, der ohne laut zu werden sein ganzes Schlupfloch im Griff hat". Darunter ein Bild des Star Wars Charakters Boba Fett mit der Unterschrift "Rule with Respect". "Das hat nicht ganz unrecht", schmunzelt der Wirt. Ärger mit den Gästen oder mit der Polizei? "Wann hab ich das schon mal?"

Schickimicki sucht man im Schlupfloch vergebens. "Es gibt Szenegetränke, denen verweigere ich mich." Wer auf Biergemische mit Tequilageschmack oder Alkopops steht, muss lange suchen. Wer hingegen mit Bier aus der Region oder Most etwas anfangen kann, muss nicht lange warten. "Ich habe eine der wenigen Kneipen, die Most aus dem Hahn hat." Das Bier kommt aus Heubach, so lange dort Mutlanger gebraut wird, wird es im Schlupfloch ausgeschenkt. 

Kaffee gibt's immer

Wer nachts einen Kaffee bestellt, wird nicht schief angeschaut. "Kaffee gibt's immer", sagt Carsten, der selbst keinen Alkohol trinkt. "Ich bin bloß der Dealer", scherzt er. Trotzdem weiß er, mit welchen Geheimtipps er seinen Gästen eine Freude macht. Zum Beispiel mit Wodka, Zitronensaft und einem Zuckerwürfel - dem "Haxasproizer".

Seit 27 Jahren gibt es das Schlupfloch. "Ich glaube, dass ich jeden Tag noch selber drinstehe, macht viel aus." An Wochenenden sei mehr los, davon lebe er aber nicht. Viele Stammtische treffen sich gerade unter der Woche bei ihm. "Auch das macht das Geschäft aus." Ambitionen, ein zweites Lokal zu eröffnen, habe er nie gehegt. Lieber auf eines konzentrieren und es dafür richtig machen. Wie lange er das Schlupfloch noch betreiben will, steht nicht fest. "Ich muss nicht bis 90 in der Kneipe stehen", sagt er, "aber ich denke nicht, dass ich hier vor 70 rauskomme". Wenn die Gesundheit mitmacht, möchte er weitermachen. Wichtig für ihn: nicht für das Geld, sondern aus Leidenschaft.

Das kostet das Bier: 3 bis 3,50 Euro

Charakteristisches Getränk: der "Haxasproizer" 3,50 Euro

Raucherlokal? Ja

Sitzplätze: circa 40

Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch: 16 bis 1 Uhr, Donnerstag: 10 bis 1 Uhr, Freitag und Samstag: 10 bis 3 Uhr, Sonntag Ruhetag

Das Schlupfloch bietet seinen Gästen auch einen Außenbereich.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Kommentare