Die Waldstetter Brücke ist jetzt digital 

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Die Alte unter unter der Neuen: links im Bild die denkmalgeschützte Bogenbrücke aus dem 15. Jahrhundert, die nun wieder mit einer modernen Konstruktion überbaut wird.
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Die historischen Teile der Waldstetter Brücke sind von Archäologen dokumentiert worden – inzwischen läuft der Wiederaufbau.

Schwäbisch Gmünd

Jürgen Musch hat jetzt eine Brücke aus dem 15. Jahrhundert in seinem Büro: Digital gespeichert hat der Tiefbauamtsleiter die historischen Bauteile der Waldstetter Brücke jederzeit greifbar.

Sanierung mit Lerneffekt

Die notwendige Sanierung der Brücke, die seit März läuft, hatte nebenbei diesen Lerneffekt: nun zu wissen, was genau drunter steckt unter dem Straßenbelag, auf dem bis März bis zu 20000 Fahrzeuge täglich unterwegs waren. „Im Grunde sind es zwei verschiedene Brücken“, erzählt Tiefbauamtsleiter Musch. „Der linke Teil ist aus dem 15. Jahrhundert und damit deutlich älter als der rechte Teil.“ Zur Hälfte ist die historische Grundsubstanz des Bauwerks eine klassische Bogenbrücke, in der anderen Hälfte habe man eine „Schwerlastmauer“ vorgefunden, erzählt Musch. Das hatten Musch und seine Kollegen so nicht erwartet: „Wir sind davon ausgegangen, dass es ein Brückentyp ist.“

Die Entdeckung hatte Auswirkungen auf die Bauarbeiten, weil die Arbeiten nur auf einer Brückenseite planmäßig weitergehen konnten. „Auf der anderen Seite mussten wir das Vorgehen ändern“, erzählt Musch. Um etwa zwei Wochen sei der Terminplan so verzögert worden. Doch der Tiefbauamtsleiter hofft, die Zeit wieder aufholen zu können, um den ursprünglich anvisierten Fertigstellungstermin Ende des Jahres einhalten zu können.

Die Bauarbeiten gebremst haben auch die archäologischen Untersuchungen der Experten von Ostalb-Archäologie, die nicht nur mit dem Werkzeugen und Pinsel gearbeitet haben, um die historischen Reste freizulegen, sondern auch mit Kameras und einer Drohne. „Dadurch ist nun alles genau vermessen und dokumentiert“, so Musch.

„Es ist ein Puzzleteil, das der Stadtgeschichte hinzugefügt wird“, sagt Franz Huber, der frühere Leiter der Münsterbauhütte, der die Arbeiten aus Interesse verfolgt hat. Und als Fachmann begeistert ist: „Man kann wunderschön bearbeitete Brückenbogensteine sehen.“ Denn die Waldstetter Torbrücke ist nicht irgendeine Brücke in Gmünd: „Dort war der zentrale Stadteingang aus drei Richtungen: von Waldstetten, Straßdorf und von Lorch her“, erzählt Huber aus der Stadtgeschichte von der zentralen Rolle des Bauwerks.

Römer hatten eine Holzbrücke

Schon die Römerstraße aus Westen sei auf diesen Platz zugelaufen, um dort über den Bach in die Stadt zu führen. „Das war mit Sicherheit eine Holzbrücke, von der nichts mehr vorhanden ist.“

Drüber kommt Füllbeton

Franz Huber wartet jetzt gespannt auf die abschließende Dokumentation der Archäologen, genauso Jürgen Musch. Die drohnenfreundliche Draufsicht von oben auf die historischen Steine wird durch eine Schicht Füllbeton beendet, von der Seite werde man das Gemäuer aber auch in Zukunft sehen können. Die Neuentdeckungen könnten auf andere Weise sichtbar gemacht werden. „Es ist ein Gedanke, das auf einer Schautafel zu zeigen“, sagt Musch.

Sanierung kostet fast zwei Millionen Euro

Die gesamten Kosten der Bauarbeiten liegen bei 1,85 Millionen Euro, der Zuschuss aus dem „kommunalen Sanierungsfonds Brücken“ liegt bei gut 400  000 Euro; die Stadt muss als Eigenanteil noch etwas mehr als 1,4 Millionen Euro investieren.

Die Waldstetter Torbrücke am Josefsbach/Waldstetter Bach stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert. Die Gewölbebrücke ist aus Sandstein und Quadermauerwerk gefertigt. Anfangs hatte die Brücke eine Breite von etwa sechs Metern. 1883 wurde ein Natursteingewölbe angebaut, damit wurde die Brücke auf nun 12,90 Meter verbreitert. 1990 ist die Waldstetter Brücke zum bisher letzten Mal saniert worden. Zuletzt sind dort bis zu 20 000 Fahrzeuge täglich gezählt worden.

Schön gebogen.
Waldstetter Brücke
Waldstetter Brücke
Waldstetter Brücke

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