Die Zukunftsfrage, auch in Gmünd: „Wie schaffe ich es, die Beschäftigten hinüberzuretten?“

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Die meist gefragten neuen Kompetenzen in Baden-Württemberg sind Fähigkeiten in Softwareentwicklung oder Datenmanagement.
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Der Transformationsprozess und seine Folgen: Was Beschäftige künftig dazulernen müssen – und was eine Stadt wie Gmünd tun kann.

Schwäbisch Gmünd. In der Stellenanzeige von Bosch AS steht: „Softwareentwickler für elektrische Lenksysteme in zukünftiger Plattform (m/w/d).“ Mit der Anzeige illustriert Dr. Stefan Baron sein Thema, von dem er im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats am Mittwoch berichtet hat. Es geht um „Future Skills“. Hinter dem englischen Modebegriff der Wirtschaftswelt steht die Botschaft: Viele Beschäftigte in Baden-Württemberg werden sich in den nächsten Jahren digital weiterbilden müssen.  Welche Fähigkeiten in der Zukunft auf dem Arbeitsmarkt auch in Gmünd gefragt sind, darum ging es im Ausschuss. Stefan Baron ist Leiter der AgenturQ, die sich im Auftrag von IG Metall und Südwestmetall um das Thema kümmert. Baron hat die Ergebnisse einer Untersuchung zu jenen  „Future Skills“ vorgestellt. Am größten ist, das zeigt die Studie, der Bedarf vor allem an digitaler Weiterbildung.  Es wird für Beschäftigte um Fortbildung innerhalb ihres Jobs gehen  - aber viele werden auch eine neue Stelle suchen müssen, prognostiziert Baron. „Es gibt eine Prognose, dass in Baden-Württemberg bis 2030 rund 280000 Arbeitsplätze wegfallen – aber auch gleichzeitig ebenso viele dazukommen.“ Die Frage laute: „Wie schaffe ich es, die Beschäftigten hinüberzuretten?“

Der Arbeitsplatzabbau bei Bosch AS in Gmünd ist ein Musterbeispiel. „Es geht ergänzend auch um die Schaffung von Arbeitsmarktdrehscheiben“, sagte Markus Kilian, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ostwürttemberg, der ebenfalls in Gmünd sprach. Neben der Weiterbildung sei es das Ziel, Unternehmen zusammenzubringen: „Also Bosch, das einen Überhang hat, zusammen mit Unternehmen, die Arbeitsplätze aufbauen.“ Prominentes Beispiel für ein solches expandierendes Unternehmen in der Region sei Zeiss in Oberkochen. 

Was kann Gmünd tun?  Wo sind die Kommunen gefordert, was kann Gmünd tun, um den Aufbau von nötigen Zukunftskompetenzen zu fördern? Bisher sei auf jeden Fall zu wenig passiert, meinte Alessandro Lieb von der SPD: „Der Blick in den Rückspiegel nervt mich total, weil wir das Thema, auch angesichts von Bosch, schon 2019 auf dem Plan hatten – aber konkreter sind wir seitdem nicht geworden.“ Es brauche „jetzt endlich eine konkrete Strategie für Schwäbisch Gmünd, dass wir ins Tun kommen und nicht nur reden“.

Man müsse auch die Grenzen sehen, meinte Thomas Kaiser von der CDU: „Die Qualifikation von Mitarbeitern der Firmen kann nicht Aufgabe der Stadt sein, das liegt beim Arbeitgeber und den Bildungseinrichtungen.“ Ähnlich sieht das auch Südwestmetall-Geschäftsführer Markus Kilian: „Es zählen für die Kommune die Basisbereiche: Infrastruktur und Bildung.“ Der geplante Technologiepark bilde ein wichtiges Element der Infrastruktur. „Es ist noch ein gutes Stück zu leisten für Rahmenbedingungen, um eine CO2-neutrale Produktion möglich zu machen, aber da ist  man mit Aspen in Gmünd auf einem guten Weg.“

Thomas Krieg von der Fraktion der Grünen betonte ebenfalls, dass die Stadt gewissermaßen in ihren Kernkompetenzen tätig sein müsse: „Wir sollten dafür sorgen, dass wir ein attraktiver Standort sind und die Ausstattung der Schulen weiter verbessern. Das soll unser Beitrag sein, um die Stadt zukunftsfähig zu machen.“ Bernd Müller

  • Wer bei IT dazulernt, liegt im Trend
  • Die Studie „Future Skills - Kompetenzen für den Standort Baden-Württemberg“ ist von den Universitäten Ulm und Regensburg durchgeführt worden. Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: Welche Kompetenzen werden am Standort Baden-Württemberg in Zukunft benötigt? Wie groß ist der Bedarf der Industrie an solchen Future Skills bis zum Jahr 2026? Die meist gefragten Kompetenzen sind Fähigkeiten in Softwareentwicklung oder Datenmanagement. "Wir brauchen vier Millionen neuer Fähigkeiten in Baden-Württemberg bis 2026, davon eine Million technologischer Fähigkeiten", so Stefan Baron von der AgenturQ.

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