Dieb hat der ehrenamtlichen Vereinsarbeit geschadet

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Amtsgericht Schwäbisch Gmünd
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Beutezug aus der Heubacher Sporthalle vor dem Gmünder Amtsgericht aufgearbeitet.

Schwäbisch Gmünd. Dass er aus der Heubacher Sporthalle Geräte in wohl fünfstelligem Wert geklaut hat, das war der strafrechtliche Vorwurf an einen 33-jährigen Mann am Mittwoch vor dem Amtsgericht. Der moralische Vorwurf, den er zu hören bekam, ging weiter: Er habe der ehrenamtlichen Arbeit von Vereinen geschadet und die sportliche Betätigung von Kindern behindert. Das sah der Angeklagte wohl ein: In seinem Schlusswort sagte er, er hoffe, dass er ehrenamtlich bei der Stadt oder den Vereinen wieder etwas ausgleichen kann. 

Der Fall hatte im Sommer 2020 für Aufregung gesorgt. Kristina Müller, Abteilungsleiterin beim TSV Heubach, war nach dem Corona-Lockdown als erste wieder in die Halle gekommen und hatte entdeckt, dass Trampoline „und auch ganz schön viel anderes Zeugs“ fehlte: Die Anklage listete Matten, Reckstangen, Basketballkörbe, Bänke, ein Airtrack und mehr auf. Einiges war im städtischen Besitz gewesen. Anderes wie die großen Trampoline hatte Vereinen gehört. Um den Trainingsbetrieb aufrechterhalten zu können, musste der TSV ein neues Trampolin beschaffen, wie Kristina Müller sagte. Kosten: 8900 Euro. Verschwunden waren auch 121 Judomatten des Judozentrums Heubach. Dessen Vorsitzender Peter Graf sagte, dass eine solche Matte neu 45 Euro kostet.

Die Frage der Schuld war leicht zu klären, denn der Angeklagte hatte schon zu Beginn der Verhandlung ein weitreichendes Geständnis abgelegt. Er war damals als Hausmeister für die Sporthalle zuständig und sah den Diebstahl als Chance, seine Geldnot zu beheben. Die habe ihre Ursachen in seiner kriselnden Ehe und seiner Spielsucht gehabt. Die Sucht habe er inzwischen im Griff, sagte er, er werde weiterhin von die Diakonie betreut. Die Ehe stehe vor dem Aus. „Ich weiß nicht, was mich dazu gebracht hat“, sagte er über seine Tat. Allerdings stellte er klar, dass er nicht alles, was in der Anklageschrift aufgeführt war, gestohlen habe. Die Halle habe oft unbeaufsichtigt offen gestanden.

Die Ermittler hatten aufgrund guter Spurenlage eine Vorstellung, wohin manche Beutestücke gelangt waren. Eines der großen Trampoline zum Beispiel hatte der TV Saarlouis für 500 Euro erworben, das konnte Staatsanwalt Ulrich Karst sagen. Er wies Kristina Müller darauf hin, dass der TSV Heubach das Gerät zurückfordern könne. Müller sagte, der Verein werde das prüfen. 

Karst würdigte das Geständnis des Angeklagten. Doch dass er die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen beeinträchtigt habe, „das ist der eigentliche Schaden, den Sie angerichtet haben“. Das sah auch Verteidiger Isaak Sidiropoulos so. Zudem habe sein Mandant in seiner Spielsucht einen guten Arbeitsplatz und viel Vertrauen verspielt. 

Richterin Laura Augsten verhängte eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, zur Bewährung ausgesetzt. 10 000 Euro, etwa der Wert des Diebesguts, werde von ihm eingezogen. Außerdem muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und seine Betreuung bei der Diakonie fortsetzen. Staatsanwalt, Verteidiger und Angeklagter akzeptierten das Urteil.

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